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Der LIGAstheniker | Von wegen Krise - Watzke will einfach nur spielen
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Publiziert 16/03/2020 um 10:38 GMT+1 Uhr
Der Coronavirus legt das öffentliche Leben schon seit Tagen so gut wie lahm. Dennoch hielt die DFL viel zu lange am Plan fest, die Bundesliga weiter spielen zu lassen. Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath kritisiert in seinem neuen Blogbeitrag die Scheinwelt der DFL und vieler Fußball-Funktionäre. Es fehlen Personen wie Uli Hoeneß, die die Zeichen der Zeit erkannt haben.
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Liebe Fußballfreunde,
Timmy ist ein "sportverrückter Schalker und Steuerfuzzi", so nennt er sich selbst auf seinem Twitter-Account. Da steht auch noch: Timmy "glaubt daran, dass alles gut wird". Nicht wenig, in diesen Tagen des viralen Ausnahmezustands. Ich kenne Timmy nicht, aber sein Aphorismus vom späten Sonntagabend, hat mir dann doch noch das hysterischste Bundesliga-lose Wochenende seit langem gerettet. "Dass ich Uli Hoeneß einmal uneingeschränkt Recht geben muss, werde ich Corona nie verzeihen", twitterte der Schalke-Fan mit sich und den unverbrüchlichen Fangesetzen ringend.
Und selbst der Ligastheniker, der ein, vornehm ausgedrückt, gespaltenes Verhältnis zum ehemaligen Übervater des FC Bayern unterhält, konnte ihm dabei nur schallend applaudieren. Man ist oft der Fremdscham nahe, wenn sich prominente Menschen öffentlich zu einem Themenkomplex äußern, von dem sie wenig bis keine Ahnung haben.
So dürfen sich also jetzt alle möglichen Fußballfunktionäre zu Covid-19 äußern, was beim ehemaligen Hoeneß-Opponenten, Dortmunds Geschäftsführer Aki Watzke, klingt, als hätte er tief im brasilianischen Amazonas ein junges Juwel entdeckt und eingekauft, Rückennummer inklusive. Es gibt also Leute wie Watzke und Bayern-Boss Rummenigge, die in der Krise auffallend lange und larmoyant über Geld und den Geschäftsausfall lamentieren, und dann gibt es die, die den richtigen Tonfall treffen, Leute wie Jürgen Klopp, und völlig überraschend Wayne Rooney und Uli Hoeneß.
Wo ist der deutsche Rooney in der Krise?
Dass Klopp den Fußball distanziert in die Ecke stellen kann und seinen Fokus, trotz zuletzt empfindlicher sportlicher Delle, auf die wirklichen wichtigen Dinge des Lebens drehen kann, das glaubt man schon länger zu wissen. Klopp ist eben immer auch noch ein bisschen der "Normal One" in einem völlig überdrehten Business. Von Wayne Rooney war das bisher kaum bekannt, aber offensichtlich hat es der Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft mit der Angst bekommen.
Mit deutlichen Worten attackierte Rooney, wie in seinen besten Zeiten, er kritisierte Premier Boris Johnson und den englischen Fußballverband FA dafür, dass die Liga erst seit Freitag unterbrochen sei, während andere Sportarten viel schneller agierten. Rooney sprach von mangelnder Führung und dass man die Spieler in der Krise wie "Versuchskaninchen" im Hamsterrad habe weiterlaufen lassen und alles nur wegen des Geldes. Starker Tobak, "Wazza"! Kann man sich einen deutschen Fußballer oder Trainer vorstellen, der sich mit Merkel und der DFL anlegt? Nein, kann man nicht!
Watzke denkt nur ans Geld
Nimmt man Rooney und Klopp in der Viruskrise zum Maßstab, dann kann einem der Auftritt von Dortmunds Boss Watzke in der ARD-Sportschau schon allein durch den Bildschirm hindurch mittelschwere coronare Krankheitssymptome bescheren. Da steht also ein Mann, immerhin ein Klopp-Freund, den viele immer noch für die vernünftigere Variante eines deutschen Profifußball-Klubbosses halten und hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das einzige was Watzke einfällt, ist, er spricht über Geld. Hätte man das Derby am Wochenende als Geisterspiel gespielt, so Watzke, dann wäre das vertretbar gewesen und hätte die darbende, bald aussterbende Liga um 75 Millionen Euro entlastet.So ungefähr hört sich das an.
Eine Liga, die wie die englische FA, keinen Deut früher auf die Idee kam, dass es vielleicht jetzt Wichtigeres gäbe. Und zur Ehrenrettung der FA muss man sagen: Hätte die Politik, wie man hört Bundeskanzlerin Merkel und einige Ministerpräsidenten persönlich, die DFL am Freitag nicht mit der Würgezange bedroht, Seifert hätte immer weiter spielen lassen auf Teufel komm raus. Der deutsche Profifußball und die bundesdeutsche Wirklichkeit sind manchmal schwer in Einklang zu bringen.
Die Mär vom Corona-freien Fußball
Watzke sagte eigentlich durch die Bank blankgewienerten Unsinn: Er halte die Gesundheitsgefahr für eine Profimannschaft für nicht so gravierend, so als würde der Virus die Speichel- und Blutbahnen durchtrainierter Menschen kulant umgehen und nur auf Leute springen, die nicht bei drei auf dem Baum sind. Waren bei Hannover, Nürnberg, Arsenal, Chelsea, Genua oder Valencia nicht positiv getestete Spieler gemeldet und die Teams deshalb in die Quarantäne gesteckt worden? Man solle bald wieder zur Normalität zurückkehren, sagte "Dr. Watzke" auch noch, blöd aber auch, dass der Ausnahmezustand in Deutschland - Ausruf des Katastrophenfalls in Bayern inklusive - erst mit heute so richtig beginnt.
DEL trifft es viel schlimmer als DFL
So geht das in einem fort und so fundamental an den echten Problemen der Fans vorbei, die ein Restaurant oder eine Bar, einen Friseurladen oder einen Getränkemarkt führen und ungefragt schließen müssen, ob es sie um ihre Ersparnisse bringt oder nicht. Oder, wenn man im Profisport bleiben will, die deutsche Eishockey-Liga, die ihre Saison schon vor einer Woche im Handstreich für beendet erklärte, eine Saison ohne Meister, das erste Mal überhaupt.
Hat man irgendwas gehört von den Klubs, dass sie sich darüber lauthals öffentlich beklagt hätten, dass bei ihnen bald die Lichter ausgingen, ohne die Zuschauer-Einnahmen und die Fernsehgelder? Haben Sie was gehört? Aber die Vier-Milliarden-Liga jammert wie ein unerzogenes Kind – es ist kaum auszuhalten!
Danke, Uli!
Und dann kam also doch noch der gesunde Menschenverstand ins Bild, ausgerechnet in Person des emeritierten Uli Hoeneß. "Ich finde es richtig, jetzt inne zu halten und nachzudenken. Der Fußball sollte sich nicht zu wichtig nehmen", sagte er als zugeschaltete Live-Stimme bei den Kollegen von "Sport 1". Danke, Uli Hoeneß! Ich werde es dem Fußball nie verzeihen, dass ihre Protagonisten immer erst zur Besinnung kommen, wenn sie nicht mehr im Spiel sind.
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