FC Bayern | Ist Coutinho wirklich besser als James?

Die ersten Auftritte von Philippe Coutinho beim FC Bayern München wurden mit reichlich Lobeshymnen bedacht. Doch der 27-Jährige konnte sein Niveau nicht halten, wurde zuletzt von Trainer Niko Kovac sogar auf den Flügel versetzt. Was die Frage aufwirft: Ist die Leihgabe vom FC Barcelona besser als sein durchgefallener Vorgänger James Rodríguez? Die Antwort: Ja, aber nicht auf allen Gebieten.

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Ein paar seiner Sätze aus dem März diesen Jahres sind Uli Hoeneß schön um die Ohren geflogen.
"Wenn Sie wüssten, wen wir alles schon haben", zum Beispiel, bezogen auf Transfers, die dann doch sehr lange auf sich warten ließen - oder gar nicht erst eintraten. "Das größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte" fiel im Transfersommer jedenfalls etwas in sich zusammen und letztlich kleiner aus als angekündigt.
Klar, die Bayern investierten; 80 Millionen Euro in Lucas Hernández zum Beispiel, was die eigene Transferrekordsumme beinahe verdoppelte. Für die Offensive sprangen jedoch (erstmal) nur Leihgeschäfte heraus.

James Rodríguez wollte der FC Bayern nicht

Ein Hoeneß-Satz aus dem März wurde hingegen seltener zitiert. "Geld regiert den Fußball, aber die entscheidenden Prozente für große Titel machen die Spieler mit Persönlichkeit auf dem Platz aus", hatte Hoeneß damals nämlich auch gesagt - und später James Rodríguez des Bayern-Landes verwiesen.
Der Leihgabe von Real Madrid hatte man trotz aller warmen Worte von Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge offensichtlich nicht mehr zugetraut, diese Persönlichkeit darzustellen - deshalb schlug man die Kaufoption über 42,5 Millionen Euro aus.
Für James kickt jetzt Philippe Coutinho im Bayern-Trikot und nach zehn Pflichtspieleinsätzen lässt sich sagen: Die 8,5 Millionen Euro Leihgebühr an den FC Barcelona waren gut investiertes Geld.
So hoch wie der 27-Jährige nach den ersten Einsätzen gejubelt wurde, fliegt der Brasilianer in den letzten Wochen allerdings nicht mehr. Den Nachweis, die von Hoeneß gewünschte "Persönlichkeit auf dem Platz" zu sein, ist der Offensivspieler entsprechend noch schuldig.

Philippe Coutinho: Leistungskurve zeigt nach unten

"Wenn er noch ein paar Wochen in den Beinen hat, wird er noch fitter und besser", war sich Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach der Coutinho-Gala beim 3:2 in Paderborn vor knapp vier Wochen sicher. Doch das "Weltklasse-Format", das ihm Rummenigge nach fünf Spielen bereits attestiert hatte, blitzte zuletzt etwas seltener durch.
"Vielleicht fehlt ihm das Quäntchen Glück", sagte Kovac nach Coutinhos wahrhaft unglücklichem Auftritt in Piräus (3:2).
In sechs seiner zehn Einsätze blieb der Zehner, für den Trainer Niko Kovac extra das Bayern-System umstellte, ohne Torbeteiligung. Zwei Treffer und vier Assists stehen in 715 Einsatzminuten zu Buche - statistisch greift der 27-Jährige also (nur) alle 119 Minuten entscheidend ein.
"Philippe braucht noch Zeit und Anschluss, die Mannschaft muss auch auf ihn eingehen", sagte Salihamidzic in Griechenland und verlängerte sozusagen seine Worte aus Paderborn:

Nur Coman ist offensiv weniger effektiv als Coutinho

Zum Vergleich: Goalgetter Robert Lewandowski steuert bis dato alle 63 Minuten ein Tor bei; bei Serge Gnabry sind es 71 Minuten pro Scorerpunkt, bei Ivan Perisic 77, selbst Thomas Müller ist mit 78 Minuten pro Torbeteiligung effektiver als Coutinho. Bei Kingsley Coman sind es dagegen 154 Minuten.
Beunruhigend für Coutinho: Als es in Piräus mit ihm als Zehner, Müller auf rechts und Gnabry auf links so gar nicht laufen wollte, stellte Kovac um und versetzte den Brasilianer zugunsten der beiden anderen auf den linken Flügel - was ungute Erinnerungen an Coutinhos Tage in Barcelona hervorrief.
"Für mich ist er ein Fremdkörper in der Mannschaft", kritisierte TV-Experte Dietmar Hamann sogleich scharf bei "Sky":
Sollte dies so bleiben, "haben wir bald keine Müller- sondern eine Coutinho-Diskussion", schloss Hamann seinen Coutinho-Rant ab.

Vergleich James vs. Coutinho

Im Vergleich mit James konnte sich der Brasilianer durch die Leistungsdelle zuletzt nicht wirklich entscheidend absetzen. Die 35 Scorerpunkte (15 Tore, 20 Vorlagen) des Kolumbianers in 67 Pflichtspielen bedeuteten jedenfalls eine Torbeteiligung alle 123 Minuten - also nahezu die aktuelle Coutinho-Benchmark.
Blickt man ein bisschen tiefer in die Statistiken, zeigen sich die Unterschiede zwischen James und Coutinho, die man auch ohne Zahlen-Diplom erkennt: James zeichneten im Bayern-Trikot vor allem seine Passsicherheit aus, Coutinho hat dafür prinzipiell mehr Drang zum Tor.
Nicht umsonst meinte Rummenigge, Lewandowski habe im Brasilianer "den perfekten Partner gefunden. Von diesen beiden können wir uns für die Zukunft noch viel erhoffen", sagte der Bayern-Boss vor einigen Wochen.

Mehr Ballkontakte für James

Die Barça-Leihgabe schießt im Bayern-Trikot pro Partie im Schnitt 3,2-mal selbst aufs Tor, über die Hälfte seiner Torschüsse feuert Coutinho dabei von außerhalb des Sechzehners ab (56 Prozent) - da konnte James nicht mithalten (1,7 Torschüsse pro Spiel).
Auch geht der Brasilianer lieber ins Dribbling: 2,7-mal pro Partie, wobei er in 74 Prozent der Fälle auch am Gegner vorbei kommt - ein starker Wert. "Er ist nahezu perfekt am Ball", schwärmte Manuel Neuer bereits. "Das sieht teilweise aus wie Tanzen mit dem Ball", sagte Kovac. James schloss dagegen nur 50 seiner 103 Dribblings in Bundesliga und Champions League für Bayern auch erfolgreich ab.
Der Kolumbianer nahm dafür mehr am Spielgeschehen teil: knapp 90 Ballaktionen berechneten die Statistiker bei ihm pro Bayern-Partie - bei Coutinho sind es nur 71.

Coutinho spielt vertikaler als James

Umgekehrt ist es wieder bei der Defensivleistung: Coutinho gewinnt deutlich mehr Zweikämpfe (65 Prozent gegenüber 48), fängt mehr Pässe ab und lässt sich seltener mit Ball am Fuß überlaufen, wobei dem Brasilianer dessen höhere Grundschnelligkeit zugutekommt.
Dass James die insgesamt bessere Passgenauigkeit (89 Prozent) aufwies, ist dem geschuldet, dass Coutinho (81 Prozent) häufiger den Risikopass in die Spitze sucht, das Spiel eher vertikal als breit macht.
Was er auch tun soll. "Philippe macht den Unterschied", meinte Kovac, als alles um Coutinho noch rosarot erschien:

Investiert Bayern 120 Millionen Euro für Coutinho?

Eine starke Ballbehandlung und ein überdurchschnittliches Raumgefühl hatte James allerdings auch, er spielte nur anders als Coutinho und bekam von Kovac auch nie das System auf sich zugeschnitten.
Am Ende also alles eine Frage der Interpretation und der Bedürfnisse.
Wenn die Bayern in Coutinho den Spielertyp gefunden haben wollen, den es ihrer Ansicht nach noch gebraucht hatte, steht kommendes Frühjahr eine gewichtige Entscheidung an: 120 Millionen Euro wären aufgerufen, um ihn fix aus Barcelona zu verpflichten.
Uli Hoeneß wird dann allerdings nicht mehr die großen Ansagen raushauen. Er scheidet im November als Präsident des FC Bayern München aus dem Amt.
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