FC Bayern München: Joshua Kimmich und Leon Goretzka - zwei Leader der Zukunft
Der FC Bayern München hat einen mit Stars gespickten Kader, der aber dennoch oder gerade deshalb einen Leader braucht. Derzeit ist Kapitän Manuel Neuer die Führungsfigur, obwohl es für einen Torhüter schwerer ist, die Kommandos zu geben. Für die Zukunft bieten sich Joshua Kimmich und Leon Goretzka als Leader an - ihre sportliche Klasse ist dabei aber nicht unbedingt der entscheidende Faktor.
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Joshua Kimmich hat schnell gemerkt, worauf es ankommt, wenn er beim FC Bayern eine Führungsrolle spielen will. "Man muss mit jedem auf Augenhöhe agieren und darf keine Angst davor haben, zum Beispiel Jérôme Boateng oder Thomas Müller bestimmte Dinge zu sagen", betonte der Nationalspieler im Exklusiv-Interview mit Eurosport, als er gerade einmal 23 Jahre alt war. Diese Linie verfolgt Kimmich seitdem konsequent - und mit Erfolg.
Der Mittelfeldspieler ist Teil des sechsköpfigen Mannschaftsrats, dirigiert die Kollegen und ist eine der unumstrittenen Schlüsselfiguren im Spiel der Bayern. Wohlwissend, dass ihm die Mitspieler nur folgen, wenn die Grundvoraussetzung stimmt:
Bei Kimmich passt das Gesamtpaket aus Leistung, Körpersprache und verbaler Kommunikation. "Ein Leader", dozierte der 25-Jährige zu Jahresbeginn im Wintertrainingslager der Bayern in Doha, "ist jemand, der seine Mitspieler mitreißen möchte, der nicht nur auf seine eigene Leistung schaut". Genau so interpretiert er seine Rolle in der Zentrale, die er zusammen mit Leon Goretzka ausfüllt.
Auch Goretzka ist einer, der sich nicht damit zufrieden gibt, beim Rekordmeister "nur" gut Fußball zu spielen.
Zusammen mit Kimmich hat der ehemalige Schalker die Initiative #WeKickCorona ins Leben gerufen. Das Duo selbst legte mit einer Spende von einer Million Euro den Grundstock des Projekts, inzwischen sind weit mehr als drei Millionen Euro zusammengekommen. "Als Fußballspieler haben wir eine gesellschaftliche Verpflichtung, der wollten wir gemeinsam nachkommen", erzählte Kimmich im "Spiegel".
Goretzka über dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte
Die beiden Bayern-Stars vertreten ihre Meinung nicht nur bei sportlichen Belangen, sondern bringen sich auch bei Themen wie Rassismus oder Politik ein. Goretzka etwa äußerte sich Ende Februar in einem bemerkenswerten Gespräch mit "Spox" zum Wählerzuwachs bei der AfD und zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, der Zeit des Nationalsozialismus. "So etwas wie damals darf sich nicht wiederholen in unserer Geschichte. Daher ist es wichtig, dass diesem Thema Aufmerksamkeit geschenkt und immer wieder Erinnerung geschaffen wird", so der 25-Jährige.
Er wolle seine "Reichweite dazu nutzen, um eine gewisse Haltung zu vermitteln, sie im Optimalfall an junge Fußballfans weitergeben und so als Vorbild agieren". Dass rechtspopulistische Parteien und Strömungen in den vergangenen Jahren einen Zuwachs bekommen haben, bereite ihm Sorgen. "Man fasst sich an den Kopf und fragt sich, wie das passieren kann." Der Umstand, dass es auch im Fußball immer wieder zu rassistischen Zwischenfällen kommt, habe ihn "dazu bewegt, wieder mehr Haltung zu zeigen und meine Meinung öffentlich kundzutun".
Kimmich der Bayern-Kapitän von morgen?
Mit Goretzka und Kimmich hat der FC Bayern zwei Spieler, die mit ihrem Engagement und ihrer sportlichen Klasse die Leader der Zukunft werden könnten. Vor allem, wenn Größen wie Thomas Müller, Manuel Neuer, Jérôme Boateng oder David Alaba - sei es aus Altersgründen oder aufgrund eines Wechsels - nicht mehr zur Verfügung stehen, dürften die beiden Mittelfeldspieler diejenigen sein, an denen sich die Mannschaft ausrichten kann.
In Kimmich sehen viele schon heute den Bayern-Kapitän von morgen. Der ehemalige Leipziger gehört zu den konstantesten Profis der Liga, verpasste in dieser Saison aufgrund einer Gelbsperre nur eines von 37 Pflichtspielen. Auf Kimmich ist Verlass, in jeder Hinsicht. Darüber hinaus darf er inzwischen dauerhaft auf seiner Lieblingsposition auf der Sechs ran und muss nur noch selten als Rechts- oder Innenverteidiger aushelfen.
Für Goretzka läuft es dagegen noch nicht ganz nach Wunsch. Aufgrund von Verletzungen am Oberschenkel und am Sprunggelenk sowie muskulärer Probleme verpasste er wettbewerbsübergreifend elf Partien, bei drei weiteren Spielen war er nicht im Kader. Auf seiner Position neben Kimmich fühlt sich der 25-fache Nationalspieler aber pudelwohl:
Bayern-Trainer Hansi Flick weiß, was er an Goretzka hat. "Leon hat gezeigt, welche Qualität er hat. Mit seiner Schnelligkeit und Dynamik kann er das Mittelfeld gut überbrücken, dazu sucht er die Läufe in die Tiefe", lobte der Coach.
Auf den Spuren von Effenberg, Kahn und van Bommel ...
Bleiben Kimmich und Goretzka in Zukunft von gröberen Verletzungen verschont, haben die Bayern ihre Idealbesetzung in der Zentrale gefunden. Hinzu kommt, dass beide auf internationaler Ebene noch keinen großen Titel gewonnen und entsprechend Heißhunger auf diese Trophäen haben, im Verein wie auch in der Nationalelf.
Denkt man an die großen Kapitäne und Leader des FC Bayern in diesem Jahrtausend, fallen unweigerlich die Namen Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mark van Bommel, Philipp Lahm oder Manuel Neuer. Gut möglich, dass die Liste in ein paar Jahren um Joshua Kimmich und Leon Goretzka ergänzt werden muss.
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