FC Bayern München: Müller und Perisic auf dem Flügel stark - auch Gnabry liefert

Defensiv wie offensiv forderten Mannschaft und Trainer Hansi Flick Neuzugänge für den FC Bayern - und zwar noch im Winter. In der Defensive hat das Team Verstärkung bekommen, in der Offensive aber braucht es die gar nicht. Thomas Müller und Ivan Perisic harmonieren derzeit überraschend gut auf den Flügeln - allein und als Duo. Dabei gilt keiner der beiden als frischer Wirbelwind.

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Aus der Allianz Arena berichtet Victoria Kunzmann
Einhundert: So viele Tore schoss Thomas Müller in der Allianz Arena in Pflichtspielen. Den historischen Treffer erzielte er gegen Schalke 04, als er wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff nach schöner Vorlage von Leon Goretzka aus nächster Nähe einschob.
Statt sich gebührend feiern zu lassen, lobte Müller nach dem Spiel lieber den Teamkollegen, der mit einem Tor und einer Vorlage zum Matchwinner beim 5:0 gegen Schalke wurde. "Leon legt den super ab. Er sieht den Raum, in den ich reinstarte. Für mich war es dann nicht mehr so schwierig. Das Gute waren der Lauf und die Vorarbeit", sagte der 30-Jährige nach der Partie und überließ Goretzka die Bühne.

Die Notlösung nach den Verletzungen von Gnabry und Coman

Dabei ist er selbst ein Gewinner - über die gesamten letzten Wochen. Und das in ungewohnter Manier. Durch die Verletzungen von Serge Gnabry (Achillessehnenprobleme) und Kingsley Coman blieb dem Bayern-Coach kaum eine andere Wahl, als das Duo Müller/Perisic auf außen wirbeln zu lassen.
Thomas Müller und Ivan Perisic waren Hansi Flicks Verlegenheitslösung auf dem Flügel. Im Spiel gegen Schalke bewiesen sie erneut eindrucksvoll, dass aus ihnen die Paradelösung wurde. Einen zusätzlichen Spieler, wie ihn sich Mannschaft und Trainer gewünscht hatten, braucht es so gar nicht.
Müller und Perisic sind ein ungewöhnliches Flügelduo. Bei ihnen spricht keiner von einem spritzig-frischen Wirbelwind wie es den Kollegen Gnabry und Coman - oder als Robbery-Nachfolger auch "Cobry" genannt - nachgesagt wird. Müller spricht von der "altmodischen" Variante, da weder Perisic noch er ein Dribbler sei. "Mein Spiel ist eher zentrumslastig", gab er kürzlich zu - ein offenes Geheimnis.

Müller und Perisic: Mannschaftsdienlich und effizient

Beim Spiel gegen den FC Schalke 04 stellte die altmodische Flügelkombination erneut unter Beweis, dass sie es schafft, extrem mannschaftsdienlich und effizient zu spielen. Beide harmonieren einzeln und zusammen, passen sich die Bälle vor dem Tor zu, spielen schöne Kombinationen.
Perisic erwischte eine sehr starke Anfangsphase, donnerte den Ball nach wenigen Minuten gegen das Außennetz. In der sechsten Minute gab er den Ball nach Vorarbeit von Schalke-Keeper Markus Schubert im richtigen Moment zu Robert Lewandowski ab, der nur noch abstauben muss zum 1:0.
Den etwas offensiveren Part der beiden Flügelpartner nimmt Müller ein, der gegen die Mannschaft von Trainer David Wagner auch einige Male von seinen direkten Hintermännern Thiago und Leon Goretzka in Szene gesetzt wurde. So geschehen beispielsweise in der 17. Minute, als der Oberbayer den Ball von Goretzka verlängerte und ins Tor schob. Es zählte nicht.
In der 45. Minute war es soweit. Perisic flankte den Ball von der linken Seite in die Mitte zu Goretzka, der den hinzustürmenden Müller wahrnimmt, ihm den Pass zuschiebt - Müller muss aus kurzer Distanz nur noch vollenden.
Moment, wer sprach da noch von Verstärkung auf der Außenbahn?

Müller ist bester Assistgeber - und unverzichtbar für Flick

Auch wenn das bayerische Urgestein lieber auf zentraler Position spielt, so weiß Müller auch, dass er einer ist, auf den sich der Trainer verlassen kann. "Es ist und bleibt Thomas' Stärke, dass er einfach nicht greifbar ist", sagte Hansi Flick eindrucksvoll nach der Partie gegen Hertha BSC zum Rückrundenauftakt. Bereits in diesem Spiel war das Duo Perisic/Müller nicht zu stoppen.
Mit zwölf Assists nach 19 Spielen hat er einen neuen Rekord in der Bundesliga aufgestellt. Keiner hatte zu diesem Zeitpunkt mehr - BVB-Star Jadon Sancho hat ebenso viele Vorlagen gegeben. Zudem ist Müller der einzige Spieler seit 2009, der in allen zwölf Kalenderjahren getroffen hat. Der 30-Jährige hat an Bedeutung nicht verloren - ganz im Gegenteil. Dass er sowohl auf der rechten Außenbahn, als auch im Zentrum überzeugt, spricht für ihn.

Der Plan mit Perisic ging auf

Perisic hält sich da mehr im Hintergrund, spielt weniger spektakulär, erzielt weniger Tore und Vorlagen, spricht weniger vor den Kameras. Im Sommer kam er als Backup für den Flügel, nachdem klar war, dass der Transfer von Leroy Sané nicht zu realisieren war. Zwischenfazit: Der Plan ging auf!
Auch wenn der Kroate im direkten Vergleich in Müllers Schatten steht, sind fünf Tore und sieben Assists in 14 Bundesligaspielen, von denen er nur acht von Beginn an spielte, eine sehr beachtliche Bilanz. Gegen Hertha BSC zum Rückrundenauftakt gelang ihm ein Tor und ein Assist. Der Ex-Wolfsburger, dem viele nur eine Außenseiterrolle zugetraut hatten, schickte zu Rückrundenbeginn eine Kampfansage heraus:
Der FC Bayern besitzt eine Kaufoption im Sommer über 20 Millionen Euro. Ob die Bosse sie ziehen, ist noch ungewiss, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge wollte das zuletzt nicht ausschließen. Der Transfer hängt auch davon ab, ob sich Perisic gegen das Wirbel-Duo Gnabry/Coman durchsetzen kann, wenn dieses wieder vollständig fit ist.
Bei den Galavorstellungen des "altmodischen" Flügel-Duos ist das nicht ausgeschlossen, denn, so stellte Müller klar: "Altmodisch muss ja nicht schlecht sein. Und: Modern ist, wenn man gewinnt." Verstärkung in der Winterpause braucht es da gewiss nicht mehr. Im Sommer werden die Karten neu gemischt.
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