Aus der Allianz Arena berichten Florian Bogner und Alice Jo Tietje

1. Festival der Fahrlässigkeit

Bundesliga
Löw: Chance auf Müller-Comeback beim DFB "relativ gering"
09/02/2020 AM 18:37

Was auch immer beiden Teams in den Pausentee gerührt wurde – nach einer taktisch anspruchsvollen, aber recht ereignisarmen ersten Halbzeit lieferten sich beide direkt nach der Pause einen aberwitzigen Schlagabtausch, der seinen Unterhaltungswert vor allem aus vielen Unzulänglichkeiten – sprich: hanebüchenen Fehlern – zog.

So hätte Leipzig nach mehreren schlafmützigen Aktionen der Bayern-Defensive in Führung gehen müssen: Marcel Sabitzer (46.) und Timo Werner (63.) zielten jedoch jeweils freistehend zentral vor dem Tor drüber bzw. daneben. "Wenn man in München gewinnen will, muss man so eine Chance reinmachen", meinte Werner selbstkritisch.

Nicht viel besser machte es Goretzka, der – seinerseits mit dem 1:0 auf dem Schuh – frei vor dem Leipziger Tor an Peter Gulasci scheiterte (80.). "Ich muss den Ball in die andere Ecke schießen", ärgerte sich der Nationalspieler. Passgeber Lewandowski hatte aber wohl hauchzart im Abseits gestanden.

Lukas Klostermann (links) und Leon Goretzka im direkten Duell

Fotocredit: Getty Images

Überhaupt knüpften die Bayern im zweiten Durchgang zunächst nahtlos an die dürftigen zweiten Halbzeiten gegen Mainz (3:1 nach 3:0) und Hoffenheim (4:3 nach 3:1) an, was zu zwei bemerkenswerten Flick-Wechseln führte.

Zunächst nahm der Bayern-Trainer in der 60. Minute mit dem bis dato wenig durchsetzungsfähigen Serge Gnabry seinen einzigen nominellen Außenangreifer vom Platz und brachte mit Coutinho neben Thomas Müller (rechts) einen weiteren Spieler, der sein Wirkungsfeld eher im Zentrum sieht. Erst mit der Hereinnahme des Comebackers Kingsley Coman für Goretzka (85.) hatte Bayern wieder Flügelpower.

Zudem musste der immer mehr zum Unsicherheitsfaktor werdende Jérôme Boateng, nach dem Pokalspiel unter der Woche leicht am Rücken lädiert und offenkundig nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, in der 67. Minute runter und Platz für Lucas Hernández machen, obwohl der 80-Millionen-Euro-Transfer nach seiner langen Verletzungspause noch keine Spielpraxis bekommen hatte.

Hernández, der David Alaba so auf die ihm gänzlich unbekannte rechte Innenverteidigerposition verdrängte, fügte sich jedoch gut ein und stabilisierte die Bayern-Defensive – so lief er gleich mal den ebenfalls eingewechselten Patrick Schick gut ab (71.). "Er ist sehr gut reingekommen", lobte Alaba seinen Nebenmann, musste zu seiner Position aber auch zugeben:

Das war ungewohnt, das habe ich so auch noch nicht gespielt. Das ist nicht unbedingt meine Idealposition.

2. Nagelsmanns Umstellung fruchtet

Dass Bayern in der zweiten Halbzeit nicht mehr den Druck aus dem ersten Durchgang aufbauen konnte, lag aber auch an einer gut fruchtenden Leipziger Umstellung zur Pause. RB-Trainer Julian Nagelsmann hatte zum zweiten Durchgang in seinem 3-4-1-2 Rechtsverteidiger Tyler Adams und Sechser Konrad Laimer die Positionen tauschen lassen und damit gleich zwei Dinge bewirkt.

Zum einen konnte Laimer die agile linke Seite der Bayern besser kalt stellen, in dem er Gnabry abkochte und auch den schnellen Alphonso Davies besser aufnahm. Außerdem griffen Laimer und sein Gegenüber Angeliño höher an. "In der Halbzeit habe ich gesagt, dass wir jetzt ein bisschen mehr Risiko gehen können", erklärte Nagelsmann hinterher. "Sie haben uns immer wieder gezwungen, das Tempo rauszunehmen", sagte David Alaba und fügte hinzu:

Wir sind auch schlampiger geworden.

Mit Adams bekam Leipzig zudem im Zentrum mehr Zugriff, spielte teilweise über den ganzen Platz Mann gegen Mann. Verbindungsspieler Thiago bekam immer sofort Gegnerdruck und konnte sich nicht mehr so oft aus diesem befreien.

Konrad Laimer (links) hatte Serge Gnabry gut im Griff

Fotocredit: Getty Images

"Wie wir die ersten 20 Minuten angegangen sind, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis wir zurückliegen. Aber wir haben im zweiten Teil der ersten Hälfte ins Spiel gefunden und haben dann nach der Pause ein ganz anderes Gesicht gezeigt", meinte Werner zufrieden.

Insgesamt zwang Leipzig die Bayern im zweiten Durchgang im Spielaufbau zu vermehrt zu hohen Bällen, wodurch es schneller und unkontrollierter hin und her ging – eher zum Nachteil der Hausherren. "Es wurde ziemlich hektisch und das liegt dann Leipzig mehr als uns", musste Goretzka zugeben. "Es war dann ein Spiel auf Augenhöhe, es war offen", sagte Nagelsmann.

3. Upamecano weckt Bayern-Interesse

Dayot Upamecano hat in den vergangenen Monaten viel Interesse europäischer Spitzenklubs angezogen, sogar der FC Bayern scheint angetan – doch Leipzig blieb bislang hart. Zu Recht, wie der Sonntagabend bewies: Da bot Upamecano als zentraler Innenverteidiger in der Leipziger Dreierkette eine überragende Leistung.

"Er hat wirklich stark gespielt", musste selbst Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic gestehen. Egal, was die Bayern offensiv vor allem in der ersten Halbzeit probierten – am Ende hatte immer der 21 Jahre alte Dayotchanculle Oswald Upamecano, wie er mit vollem Namen heißt, irgendein Körperteil dazwischen.

Dayot Upamecano (links) bot gegen den FC Bayern eine gute Leistung

Fotocredit: Imago

Szenenapplaus aus der Gästekurve gab's zudem in der 41. Minute, als es dem Franzosen hinten zu langweilig geworden war, und er einen Sprint über den halben Platz anzog.

Nur kurz nach der Pause, als das Spiel plötzlich turbulent wurde, hatte auch Upamecano ein paar wilde Minuten: Erst sah er nach einem verlorenen Laufduell mit Thomas Müller zu Recht Gelb (50.), dann hätte er beinahe einen Elfmeter an Robert Lewandowski verursacht (54.) – der Bayern-Angreifer stand jedoch, wie der VAR anzeigte, beim Zuspiel im Abseits.

Später machte er seine Sache dann wieder souverän, und hatte bei Leipzig am Ende die meisten klärenden Aktionen (acht), die meisten geblockten Abschlüsse (3) und mit zehn Balleroberungen die zweitmeisten nach Marcel Sabitzer (14). Der 21-Jährige gewann sechs seiner neun Zweikämpfe, zwei von zwei in der Luft und hatte zudem die meisten Ballkontakte und besten Passwerte.

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