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Kratzer für den Menschenfänger: Kovac hätte es wohl abbekommen

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Hansi Flick - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

VonFlorian Bogner
01/12/2019 Am 09:58 | Update 01/12/2019 Am 11:12
@flopumuc

Der FC Bayern München verliert am 13. Spieltag der Bundesliga mit 1:2 (1:2) gegen Bayer Leverkusen und tut sich mit der Analyse schwer: Wie bewertet man ein Spiel, das man nie hätte verlieren dürfen? Trainer Hans-Dieter Flick quittiert das Festival der Inneffizienz mit stabilisierenden Aussagen, das Gebilde FC Bayern bleibt aber weiter fragil - und steht jetzt vor einer schwierigen Aufgabe.

Und plötzlich stand Hans-Dieter Flick ziemlich alleine da. Während ein paar Meter von ihm entfernt eine spontan gebildete Jubeltraube seinen Konterpart Peter Bosz in die Mitte nahm und wie ein Sack Flummis auf und ab hüpfte, nestelte der Trainer des FC Bayern ein bisschen perplex an seinem Reißverschluss herum.

Weil auch das nicht so recht klappen wollte, zog er die offene Jacke eben am Kragen zusammen und ging dann alleine Richtung Katakomben.

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Seine Bayern hatten so eben 1:2 gegen Bayer Leverkusen verloren – nach drei Aluminiumtreffern und 74,3 Prozent Ballbesitz. Hans im Pech.

Bayern hadert mit Chancenverwertung

"Es ist extrem hart", meinte Thomas Müller, der einzige Bayer, der den Ball über die Linie bekommen hatte (34.):

Es ist unglaublich, dass wir mit null Punkten nach Hause gehen.

Egal wen man auf Bayern-Seite fragte: Alle haderten mit der Chancenverwertung. "Das ist das, was man uns klar ankreiden kann", sagte Joshua Kimmich.

Bayern hatte schließlich 21:11 Torschüsse zu verbuchen, gewann 59 Prozent der Zweikämpfe, spielte fast dreimal so viele Pässe wie Bayer und schlug 38 Flanken. Doppelt traf aber nur der Gegner – in Form von Leon Bailey (10., 35.).

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Serge Gnabry

Fotocredit: Getty Images

Waffe erkannt – aber nicht entschärft

"Ich kann meiner Mannschaft nicht groß was vorwerfen, sie hat ein gutes Spiel gezeigt", bilanzierte Hansi Flick hinterher ein bisschen achselzuckend.

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Ein wenig war der Bayern-Trainer aber auch sehenden Auges in die Niederlage gelaufen. Die Geschwindigkeit der Leverkusener Außenstürmer hatte der 54-Jährige schließlich schon am Freitag als größte Waffe des Gegners benannt – dann aber nicht entschärft bekommen.

"Wenn man so hoch wie wir verteidigt, dann steht man auch mal ein, zwei Meter zu weit weg und kann den Angriff nicht mehr unterbinden", sagte Flick am Samstag ein wenig hilflos:

Wir wussten, dass Leverkusen sehr gut kontern und sehr gut umschalten kann und das haben sie gnadenlos ausgenutzt.

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Kovac hätte es wohl abbekommen

Leverkusen hatte vor allem schnell den Geschwindigkeitsnachteil von Javi Martínez und Benjamin Pavard gegenüber Bailey erkannt und immer wieder penetriert.

Leon Bailey (links) erzielt die Führung für Bayer Leverkusen - Benjamin Pavard (rechts, FC Bayern) kommt zu spät

Fotocredit: Imago

Weil Bayer immer wieder relativ hoch Bälle gewann, hechelte auch Alphonso Davies auf der anderen Seite ein paar Mal Moussa Diaby hinterher. Dazu kamen die Bayern gar nicht mit dem Forechecking der Gäste zurecht.

"Wir haben uns von dem Pressing beeindrucken lassen", musste Sportdirektor Hasan Salihamidzic gestehen:

Auf der anderen Seite wollte der Ball nicht rein. So verliert man Spiele.

Dass Flick die Mannschaft im Vergleich zum 6:0 bei Roter Stern Belgrad gleich auf fünf Positionen verändert hatte, blieb eine Randnotiz, wäre seinem Vorgänger Niko Kovac aber gewiss negativ ausgelegt worden.

Ebenso wohl die Tatsache, dass der Trainer erst zur 69. Minute und damit recht spät auf den Rückstand reagiert hatte – und als ersten Thomas Müller runter nahm, in dem Spiel, in dem er gerade seine neun Monate andauernde Liga-Flaute beendet hatte (was Müller aber ohne Murren hinnahm).

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Fotocredit: Imago

Herbstmeisterschaft nicht wichtig?

Sei’s drum. "Ich bin nach den vier Siegen nicht ausgeflippt und das werde ich jetzt auch nicht", blieb der Bayern-Coach stabil, wohlwissend, dass die Bayern am kommenden Wochenende bei Borussia Mönchengladbach (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker) aber nicht nochmal verlieren sollten, unglücklich hin oder her.

Im schlechtesten Fall blühen dann sieben Punkte Rückstand auf die Spitze – auch wenn bei Bayern niemand etwas von einem Etappenziel "Herbstmeisterschaft" wissen will.

"Darauf schauen wir irgendwie gar nicht", sagte Salihamidzic auf Nachfrage von Eurosport.de:

Die Herbstmeisterschaft ist uns nicht das Wichtigste.

Dass der Druck mit jedem Misserfolg steigt, weiß der Sportdirektor aber auch. Oder wie es Kimmich formulierte:

Wenn man nicht ganz oben steht, hat man beim FC Bayern immer Druck.

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