Fußball
Bundesliga

Vertragspoker spitzt sich zu: Bayerns Drahtseilakt mit Alaba

Teilen mit
Kopieren
Diesen Artikel teilen

David Alaba - Abwehrchef des FC Bayern München

Fotocredit: Imago

VonMarc Hlusiak
02/06/2020 Am 09:35 | Update 02/06/2020 Am 13:36
@mhlus

David Alaba gehört ohne Frage zu den wichtigsten Spielern beim FC Bayern. Der Verein will seinen 2021 auslaufenden Vertrag deshalb langfristig verlängern, doch die Verhandlungen stocken. Der Grund ist nicht mangelndes Vertrauen oder zu geringe Einsatzzeiten, sondern Alabas Rolle als Abwehrchef unter Trainer Hansi Flick. Eine Position, mit der sich der Österreicher nicht so recht anfreunden kann.

  • Mehr News zum FC Bayern
  • Bayern-Präsident zuversichtlich: Alaba-Vertrag "wird abgearbeitet"

Beim FC Bayern läuft es derzeit wie am Schnürchen. Die achte Meisterschaft in Serie ist fünf Spieltage vor Schluss so gut wie eingetütet und auch an der Personalfront hat der deutsche Rekordmeister seine Hausaufgaben in der Corona-Pause bestens erledigt.

Bundesliga

Jetzt schon besser als Pep? Der unaufhaltsame Aufstieg des Hansi Flick

31/05/2020 AM 18:47

Leistungsträger wie Thomas Müller (bis 2023), Manuel Neuer (bis 2023) und Alphonso Davies (bis 2025) wurden mit neuen, langfristigen Verträgen ausgestattet. Das gleiche soll auch mit zwei weiteren absoluten Bayern-Säulen passieren: Mittelfeld-Ass Thiago und Eigengewächs David Alaba.

"Ich wünsche mir, dass ein Spieler, der bei Bayern ausgebildet wurde, weiter ein Teil des FCB bleibt", hatte Trainer Hans-Dieter Flick auf der Pressekonferenz vor dem Topspiel bei Borussia Dortmund (1:0) betont. Der Spieler aber spielt weiterhin auf Zeit.

David Alaba: Bayerns Abwehrchef

Über die Wichtigkeit Alabas für den FC Bayern gibt es keine zwei Meinungen. Doch eine Vertragsverlängerung ist im Falle des Österreichers kein Selbstläufer.

David Alaba im Bundesliga-Spiel gegen Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Der Grund ist simpel: Alaba ist zwar unumstrittener Stammspieler, allerdings auf einer Position, mit der er sich nicht komplett anfreunden kann. "Es macht aktuell Spaß, mit dieser Mannschaft diesen Fußball zu spielen", sagte der 27-Jährige im Anschluss an den 5:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf, fügte dann aber vielsagend hinzu: "Ich habe noch einen gewissen Offensivdrang in mir und den möchte ich natürlich auch hin und wieder ausleben."

Unter Flick bleibt ihm dieser Wunsch verwehrt. Alaba avancierte aufgrund von großen Verletzungsproblemen in der Hinrunde plötzlich zum unangefochtenen Abwehrchef und macht seine Sache dort so gut, dass er eigentlich aus der Innenverteidigung nicht mehr wegzudenken ist.

Spotify oder Apple Podcast? Höre alle Folgen "Extra Time" auf der Plattform deines Vertrauens

Lob von allen Seiten

"Ich habe mit ihm gesprochen, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass er ein guter Innenverteidiger ist", beschrieb Flick den Entscheidungsprozess, Alaba ins Abwehrzentrum zu ziehen. "Seine Entwicklung auf der Position ist hervorragend. Er führt die Mannschaft und gibt Kommandos."

Auch Vorstandsmitglied Oliver Kahn unterstrich bei "Sky90" noch einmal die Wichtigkeit des Österreichers in der Viererkette: "Er hat eine Entwicklung genommen und ist jetzt absoluter Chef. Das ist wirklich spannend. Man hört ohne Zuschauer alles was sie rufen. Wie er in die letzten Jahre die Mannschaft auch lautstark führt. Wir sind alle sehr zufrieden mit seiner Leistung."

Seit der 1:5-Pleite in Frankfurt, dem letzten Spiel von Niko Kovac als Bayern-Trainer, stand der Österreicher in jedem einzelnen Spiel über die vollen 90 Minuten in der Innenverteidigung auf dem Platz.

Das Nachsehen hat unter anderem Rekord-Transfer Lucas Hernández (kam für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid), der erst aufgrund einer langwierigen Sprunggelenksverletzung und nun wegen Alabas Unantastbarkeit in der Abwehrzentrale nicht zum Zug kommt.

Ein neues Abenteuer im Ausland?

Dabei ist es gar nicht Alabas Absicht, die Abwehrzentrale für sich zu beanspruchen. "Das ist nicht unbedingt meine Idealposition", hatte der 27-Jährige beispielsweise nach dem 0:0 im Heimspiel gegen RB Leipzig gesagt und später häufiger betont.

Der Österreicher kann sich "beides vorstellen: Hierzubleiben oder auch mal einen anderen Weg einzuschlagen", wie er im Dezember wissen ließ. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Aussicht auf einen Mittelfeldplatz bei einem Topverein seine Entscheidung maßgeblich beeinflussen dürfte.

Der FC Bayern muss bei Alaba neben einem fürstlichen Gehalt also auch daran denken, ihm neben einem fürstlichen Gehalt auch die passende sportliche Perspektive zu bieten. Nur dann, so hat es den Anschein, kann man den gebürtigen Wiener gänzlich von einem weiteren großen Vertrag in München überzeugen.

FC Bayern weiß um die Gefahr

Der Gefahr, den Abwehrchef zu verlieren, ist man sich in der Führungsetage des Rekordmeisters bewusst. Man wisse nie, "was den Spielern so im Kopf herumgeht", gab Kahn zu und gab zu bedenken, dass Spieler wie Alaba schon sehr lange in München spielen. Deshalb sei es klar, "dass die Spieler sich auch mal Gedanken machen".

Gleichwohl gab sich der ehemalige Torwart-Titan aber auch zuversichtlich. "Wir als FC Bayern haben sehr gute Argumente, wenn man sich das ganze mal im europäischen Kontext anschaut, die Spieler davon zu überzeugen, bei uns zu bleiben."

Ob es den Bayern gelingt, den Vertrag des Österreichers zu verlängern, bleibt eine der spannendsten Fragen dieser kuriosen Saison. Eine Deadline habe man sich laut Alaba "nicht gesetzt", entscheiden werde es sich in den "nächsten Wochen".

Das könnte Dich auch interessieren: Heute ein Schnäppchenpreis: Davies war europäischem Top-Klub wohl zu teuer

Havertz und Sancho bald Teamkollegen in Manchester?

00:01:31

Bundesliga

Flick enttrohnt Guardiola: FC Bayern setzt neue Rekordmarken

31/05/2020 AM 08:03
Bundesliga

Drei Dinge, die auffielen: Dieser unstillbare Bayern-Hunger

31/05/2020 AM 07:12
Ähnliche Themen
FußballBundesligaFC Bayern MünchenDavid Alaba
Teilen mit
Kopieren
Diesen Artikel teilen