FC Bayern: Hansi Flick muss in München Probleme lösen
Der Welpenschutz ist vorbei. Die Niederlage des FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen (1:2) hat auch Trainer Hans-Dieter Flick auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ja, dem einstigen Co-Trainer von Niko Kovac ist ein glänzender Start beim Rekordmeister gelungen. Einige Probleme der Kovac-Zeit sind aber längst nicht gelöst. Hier gilt es nun anzusetzen.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Der Start beim FC Bayern ist Hans-Dieter "Hansi" Flick ohne Frage gelungen. Vier Pflichtspiele, vier Siege, 16:0 Tore. Chapeau! Die Heimpleite gegen Bayer Leverkusen (1:2) zeigt aber, dass auch Hansi Flick kein Magier ist.
Probleme, die der Rekordmeister schon unter Niko Kovac hatte, wurden zuletzt von guten Leistungen überdeckt, sind aber noch nicht ausgeräumt.
Flicks erste Niederlage mit dem FC Bayern kommt angesichts des anstehenden Topspiels gegen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach (Samstag, ab 15:30 Uhr im Liveticker) genau zur rechten Zeit. Sie zeigt bestens auf, welche Probleme Flick unter der Woche lösen muss, um im Borussia-Park zu bestehen.
1.) Martínez' Tempo macht Sorgen
Schon vor der Partie gegen Bayer Leverkusen machte Flick die Geschwindigkeit der Bayer-Stürmer als große Stärke der Werkself aus. Entgegenzusetzen hatte er dieser allerdings nicht viel. Vor allem Javi Martínez als rechter Innenverteidiger hatte mit dem Tempo von Linksaußen Leon Bailey große Probleme.
Im Kader von Borussia Mönchengladbach befinden sich ebenfalls pfeilschnelle Spitzen, die den Münchnern gefährlich werden könnten. Allen voran sind Marcus Thuram (20 Spiele, 9 Tore, 5 Assists) und Breel Embolo (16 Spiele, 5 Tore, 2 Assists) zu nennen, die sich ganz nebenbei aktuell in Topform befinden.
Flick muss sich also überlegen, ob Jérôme Boateng als gelernter und noch dazu mit mehr Tempo ausgestatteter Innenverteidiger die bessere Wahl wäre. Flicks Aussagen, die er bei einem Fan-Klub-Besuch am Sonntag tätigte, lassen jedoch nicht auf eine Änderung im Falle Martínez schließen:
Und weiter:
Ergo: Flick ist bekennender Fan vom Spanier, der zu Kovac-Zeiten sogar schon mit einer Rückkehr zu Athletic Bilbao geliebäugelt hatte, nun aber auf jeden Fall bleibt.
Eine Möglichkeit wäre jedoch auch, Martínez als zusätzliche Absicherung wieder auf die Sechserposition ins Mittelfeld zu stellen - und dafür Boateng hinten verteidigen zu lassen.
2.) Wohin mit Thiago?
Wenn man so will, ist Thiago der große Verlierer unter Hansi Flick. Unter Kovac noch meist gesetzt, reduzierte sich seine Spielzeit unter dem neuen Trainer drastisch. 18 Minuten gegen Dortmund (4:0), 19 Minuten in Düsseldorf (4:0) und neun Minuten gegen Bayer Leverkusen (1:2) lautet die magere Ausbeute.
Thiagos Problem: Flick favorisiert Joshua Kimmich zentral im defensiven Mittelfeld - und sieht auf der Acht auch andere Spieler vorne.
Wie Flick es (wohl) sieht: Als alleiniger Sechser fehlt Thiago die Zweikampfhärte und auch ein wenig die nötige Geschwindigkeit - gerade gegen konterstarke Mannschaften. Hinzu kommt seine bisher schwache Saison, wie der Trainer unlängst erklärte:
Flick bestückt seither sein Mittelfeld meist mit einer Sechs und zwei Achtern - ohne Thiago in der Startelf. Aktuell steht er in der Hackordnung klar hinter Leon Goretzka, dessen Formkurve unter Flick steil nach oben zeigt, und auch hinter Corentin Tolisso.
Für einen ambitionierten Spieler wie Thiago eine höchst ungewohnte Situation. Noch lässt sich der Spanier aber nicht hängen. In einem Interview mit dem Vereinsmagazin "51" sagte er: "Ich fühle mich wichtig, auf dem Platz und als Persönlichkeit. Manchmal bin ich für meine Kollegen ein Freund, manchmal ein Lehrer, manchmal Partner, manchmal sogar Vater. Diese Situation gefällt mir."
Stellt sich die Frage: Wie lange noch?
3.) Coutinho sucht seine Rolle
Gegen Bayer Leverkusen wurde Philippe Coutinho erst in der 69. Minute beim Stand von 1:2 für Thomas Müller eingewechselt und holte später die Rote Karte für Jonathan Tah (Notbremse) heraus. Den entscheidenden Unterschied, nämlich den, der zumindest den Ausgleich zur Folge gehabt hätte, machte aber auch er nicht.
Ein Spiegelbild seiner bisherigen Zeit in Deutschland. Coutinho spielt so lala, reiht sich oft nur in die kollektive Leistungsstärke der Münchner ein. Drei Tore und drei Vorlagen, eine ausbaufähige Bundesliga-Bilanz, wie der Brasilianer unverblümt zugibt.
"Ich weiß, dass ich besser spielen soll. Ich will besser spielen", sagte er im Rahmen des Fanklub-Treffens in Kasing.
Die Crux für Coutinho: Seine Idealposition, zentral hinter der Spitze, gibt es unter Flick im 4-3-3 nicht. Für die "Acht" hält ihn der Trainer dagegen für nicht gut genug im Spiel gegen den Ball (Stichwort: Gegenpressing). So hat Coutinhos Spielzeit im Vergleich zu Kovac nicht zugenommen.
In nur zwei von fünf Spielen unter Flick stand er in der Startelf, nur ein Spiel machte er über die vollen 90 Minuten.
Flick präferiert derzeit, Coutinho als "falsche Sieben" auf Linksaußen aufzustellen. "In Liverpool hat er auch auf der Position gespielt", sagte Flick vergangenen Freitag:
Flick forderte zudem Geduld ein: "Er kam ohne große Vorbereitung zu uns, hat jetzt den zweiten Trainer. Man muss ihm Zeit geben. Aber er hat es zuletzt gut gemacht. Damit bin ich zufrieden."
Heißt aber auch: Coutinho sucht noch seine Rolle.
Das könnte Dich auch interessieren: Waldschmidt flirtet mit Bayern: "Wäre etwas ganz Besonderes"
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-64409486-720e-4196-b7be-ecc2673d0569-68-310-310.jpeg)