BVB: Marco Reus muss um seinen Platz im Team kämpfen

Marco Reus fehlt Borussia Dortmund seit nunmehr fast vier Monaten. Eigentlich sollte ihn seine Verletzung nur vier Wochen außer Gefecht setzen. Nun aber erscheint ein Comeback noch in dieser Saison unwahrscheinlich. Doch selbst wenn der 31-Jährige in den letzten fünf Spielen zurückkommen würde: Wo sollte er spielen? Um seinen unangefochten Stammplatz wird er hart kämpfen müssen.

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"Happy Birthday Captain!"
So gratulierte Borussia Dortmund Marco Reus vor genau vier Tagen zum 31. Geburtstag. Es ist gar nicht so lange her, da prasselten ebenfalls allerhand Glückwünsche auf den Nationalspieler ein.
Ende Juli vergangenen Jahres wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres ernannt - nach einer überragenden Saison in Schwarz-Gelb mit 17 Toren und elf Vorlagen. Und die ganze Welt gratulierte. Doch genauso verdient wie diese Auszeichnung war, ebenso schnell geriet sie (bei vielen) in Vergessenheit.
Denn wie das immer so ist in der Karriere des außerordentlich begabten Fußballers, folgt auf eine sehr erfolgreiche Zeit meist eine, die von Leid durchzogen ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hervorgerufen durch eine Verletzung.

Verletzung sollte nur vier Wochen dauern

So auch diesmal. Nach einem vorzeigbaren Start in die laufende Saison mit zwölf Toren und sechs Assists in insgesamt 26 Pflichtspielen ist der Kapitän seit der Pokalpartie am 4. Februar bei Werder Bremen verletzt. Das war vor 121 Tagen.
Eigentlich sollte ihn die Muskelblessur nur vier Wochen außer Gefecht setzen. "Noch zwei bis drei Wochen", hatte er selbst Anfang Mai in Aussicht gestellt. Doch auch nach der Corona-Pause kann Reus noch nicht wieder einsteigen. Ein Comeback noch in dieser Saison erscheint unwahrscheinlich.
"Marco kommt langsam. Er ist viel gelaufen, aber trainiert noch individuell. Er hat seit vier Monaten kein Training mit der Mannschaft gemacht", sagte Lucien Favre auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hertha BSC (Samstag, ab 18:30 Uhr im Liveticker). Das klingt nicht besonders hoffnungsvoll.
Und weil sich die Dortmunder Mannschaft in dieser langen Zeit weiterentwickelte, neue Spieler ihre Rollen fanden und alte sich festspielten, erscheinen die Zukunftsaussichten für Reus derzeit trüber als gewohnt.
Nach den meisten seiner vielen überstandenen Verletzungen kehrte der Nationalspieler ohne Umwege in die Startelf seines Klubs zurück. Kann er das nun erneut schaffen?

Systemumstellung nimmt Reus den Platz

Betrachtet man Reus' pure Qualität, sollte ihm dies auch beim nächsten Comeback gelingen. Die Frage ist aber, ob es wirklich nur auf diese ankommt. Fest steht jetzt schon: Der 31-Jährige wird sich mit einer neuen Rolle anfreunden müssen.
Seine so liebgewonnene Zehnerposition, auf der er in der vergangenen Saison brillierte - und die er schon immer als Lieblingsplatz auf dem Feld angibt - wurde im von Lucien Favre favorisierten 3-4-3 wegrationalisiert.
Der Trainer hatte das System nach dem bedrückenden 0:4 beim FC Bayern in der Hinrunde geändert. Da war Reus noch mit dabei. Zwischen Umstellung und Verletzung kam er sechs Mal als Mittelstürmer und ein Mal im linken Halbraum zum Einsatz.
Diese Positionen sind eigentlich fest vergeben. An Erling Haaland ganz vorne und Julian Brandt. Im rechten Halbraum ist Jadon Sancho - wenn fit - alternativlos. Dazu gibt es auch noch Thorgan Hazard, den Favre als Joker für all diese Positionen einsetzt.
Alle anderen Planstellen kommen für Reus nicht in Frage. Die Außenbahnen sind von Raphael Guerreiro (links) und Achraf Hakimi (rechts) besetzt. Zentral dürften Axel Witsel und Emre Can auf lange Sicht gesetzt sein. Die Dreierkette vor Keeper Bürki kommt ohnehin nicht in Frage.
Wo also hin mit dem Kapitän, oder: Wen sollte man für ihn "opfern"? Ist es möglich, dass Reus zum ersten Mal seit seinem Wechsel zum BVB kein Stammspieler mehr ist?
Eigentlich schwer vorstellbar. Auch weil ein gesunder Marco Reus in jeder ersten Elf eines Bundesligisten gesetzt sein sollte.

Topform oder Trainerwechsel?

Vielleicht aber beantworten sich die vielen Fragezeichen rund um die Reus-Rückkehr in der kurzen Sommerpause nach der aktuellen Spielzeit aber auch von ganz allein.
Dann nämlich, wenn Reus sich - wie schon so oft - nach Verletzungen blitzschnell in Topform spielt und unverzichtbar macht. Dass er in Dortmund bleibt, gilt als ausgemacht. Sein Vertrag gilt bis ins Jahr 2023.
Möglich ist viel eher, dass Jadon Sancho und/oder Lucien Favre mit seinem System schon ab August gar nicht mehr Teil von Borussia Dortmund sind.
Es sind im Fußball schon unwahrscheinlichere Dinge passiert.
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