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Mit Köpfchen und Kostic: Darum muss der BVB die Eintracht fürchten

Mit Köpfchen und Kostic: Darum muss der BVB die Eintracht fürchten

14/02/2020 um 08:43Aktualisiert 14/02/2020 um 11:13

Nach dem turbulenten Topspiel gegen Bayer Leverkusen wartet auf den BVB der nächste harte Brocken: Mit Eintracht Frankfurt ist am Freitagabend (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) die Mannschaft zu Gast, die gemeinsam mit dem FC Bayern 2020 die meisten Punkte geholt hat. Eurosport.de blickt vor dem Duell auf die taktische Marschroute der Eintracht.

Vier Ligaspiele, zehn Punkte, 13:3 Tore und dazu noch der Sieg im Pokal gegen RB Leipzig. Es läuft bei Eintracht Frankfurt. Besser gesagt: Bei keinem läuft es derzeit besser. Lediglich der FC Bayern konnte in diesem Kalenderjahr genauso punkten wie die Eintracht.

Eintracht Frankfurt: Mit Systemwechsel zum Umschwung

Über weite Strecken der bisherigen Saison agierte Frankfurt mit einer Dreierkette, die in der Defensive zu einer Fünferkette wurde. Nach dem überraschenden Kantersieg gegen die Bayern im November folgten sechs sieglose Spiele – darunter fünf Niederlagen. Diese Krise nahm Trainer Adi Hütter zum Anlass, das System zu überdenken.

Beim letzten Spiel vor der Winterpause fruchteten die Umstellungen jedoch noch nicht, man verlor auch gegen Paderborn. Hütter und sein Team nutzten die spielfreie Zeit im Anschluss, um das neue System im Detail zu verinnerlichen – und siehe da, die entsprechenden Ergebnisse kamen.

Im 4-2-3-1 kommen die Stärken der Eintracht nun deutlich besser zur Geltung als in der Hinrunde. Mit einem sehr guten Umschaltverhalten und spektakulärem Flügelspiel fegt die Eintracht aktuell durch die Liga - genau jene Aspekte, mit denen der kommende Gegner aus Dortmund Probleme hat.

Kostic: Von der HSV-Lachnummer zum besten Flügelflitzer der Liga

Das absolute Prunkstück der Frankfurter ist das Spiel über die Flügel. Anders als zuvor im 3-5-2 hat die Eintracht nun im 4-2-3-1 beide Flügel doppelt besetzt. Mit Timothy Chandler und Filip Kostic blühen aktuell zwei Spieler auf den offensiven Außenbahnen auf, die zuvor noch weitestgehend mit Defensivaufgaben beschäftigt waren.

Kostic wird auf der linken Seite von Evan N'Dicka abgesichert, rechts hält Touré Chandler den Rücken frei. Frankfurts Flügelspiel zeichnet sich vor allem über die auffällige Power aus: Sowohl Kostic als auch Chandler bringen neben ihrem enormen Tempo auch eine ordentliche Portion körperliche Robustheit mit. In Laufduellen sind sie so schwer zu stoppen, da sie den üblichen kleinen Schubsern standhalten können. Chandler fiel durch seine erzielten Tore zuletzt vielleicht etwas stärker auf, Frankfurts Schlüsselspieler ist jedoch ganz klar Kostic.

Der Serbe, zu seiner Zeit beim Hamburger SV noch als einer der größten (und teuersten) Fehleinkäufe der Vereinsgeschichte verlacht, ist derzeit der Dribbelkönig der Liga. 66 erfolgreiche Dribblings sind der absolute Spitzenwert in Deutschlands Eliteklasse, Ballzauberer wie Thiago (55), Jadon Sancho (53) oder Amine Harit (50) haben hier klar das Nachsehen. Nach seinen Dribblings behält er trotz des hohen Tempos stets einen kühlen Kopf und glänzt durch Übersicht und Flankenqualität: 53 Torchancen bereitete Kostic bereits vor, acht davon führten zu einem Treffer.

Eintracht Frankfurt ist das heißeste Team der Liga

Eintracht Frankfurt ist das heißeste Team der LigaGetty Images

SGE: Mit einfachsten Mitteln zum Erfolg

In den letzten Wochen hat Frankfurt aber nicht nur von den Topleistungen der Flügelflitzer profitiert, sondern sich zurück auf die größte Stärke des Teams besonnen. Die Eintracht steht wieder extrem kompakt, führt harte Zweikämpfe und schaltet blitzschnell um.

Ballbesitz ist nur noch Mittel zum Zweck, hier wird keine Zeit verloren. Nach spätestens drei Pässen folgt ein tiefer Laufweg, der dann auch angespielt wird. Das Risiko eines Fehlpasses ist dabei zwar hoch, jedoch verlieren sie keine Bälle in gefährlichen Zonen. Fliegt der Pass in die Tiefe zu weit, ist der Ball immerhin weit weg vom eigenen Tor. Nur Union Berlin und der FC Augsburg haben eine niedrigere Passquote als die Eintracht (74,8 Prozent), bei der Anzahl an langen Bällen steht nur Union vor ihnen – und trotzdem geben die Frankfurter die viertmeisten Schüsse in der Liga ab.

Da sie darüber hinaus auch die meisten Flanken in der Liga schlagen, setzen sie den Gegner permanent unter Stress: Schließlich ist es mental wie körperlich deutlich angenehmer, nur im Raum zu verschieben als ständig in den Strafraum fliegende Bälle klären zu müssen. Aus Frankfurts sehr schnörkellosem Offensivspiel ergeben sich naturgemäß viele Standardsituationen. Schon elfmal klingelte es nach ruhendem Ball, diesen Wert toppt nur der 1. FC Köln mit zwölf Standardtoren. Frankfurts Kopfballspieler verfügen nicht nur über ein hervorragendes Timing, sondern beherrschen auch das Freiblocken von Laufwegen nahezu in Perfektion.

Eurosport-Check: Verstärktes Flügelspiel, konsequente Fehlervermeidung und permanentes Stressen der gegnerischen Abwehr: Eintracht Frankfurt ist aktuell wieder ein richtig ekliger Gegner, gegen den sich auch die Topmannschaften schwertun. Da der BVB zuletzt gerade in patzte, in denen sie selbst viel und sehr körperlich zu verteidigen hatten, geht Frankfurt auf Augenhöhe ins Freitagspiel.

Video - #SotipptderBoss: BVB gibt sich keine Blöße gegen die Eintracht

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