Noch am Mittwoch hatte Robert Lewandowski, 32, Polen quasi im Alleingang zum 3:0-Sieg gegen Bosnien und Herzegowina geschossen. Thomas Müller hatte sogar noch einen Tag später beim 3:0 DFB-Pokalerfolg des FC Bayern 61 Minuten auf dem Platz gestanden - und trotzdem sprühte das Routinier-Duo am kalten Samstagabend in Bielefeld nur so vor Spielfreude.

Generell war von Müdigkeit nach der Länderspielpause bei der Elf von Hans-Dieter Flick wenig zu sehen.

Bundesliga
Kuriose Szene: "Bahnschranke" Costa bringt Flick zum Lachen
18/10/2020 AM 11:06

Die offensive Dreierreihe um Müller, Serge Gnabry und Kingsley Coman war von Beginn an unglaublich aktiv, wechselte ständig die Positionen und ermöglichte so gegen überrumpelte Gastgeber eine Chance nach der anderen (elf Torschüsse in Halbzeit eins).

"Die erste Halbzeit war nah dran an dem, wie wir uns das bei einem Fußballspiel vorstellen", analysierte Flick nach Abpfiff bei "Sky".

1. Wer ist hier müde? Bayerns Routinier-Duo trumpft auf

Besonders Müller riss immer wieder Lücken und belohnte sich folgerichtig mit einem Doppelpack (8./51.). "Es ist klasse, wie er die Räume sieht und uns hilft, das Spiel zu verlagern. Es war ein sehr, sehr gutes Spiel von ihm", meinte Flick, der zudem in der 45. Minute Müllers 150. Assist in der Bundesliga begutachten durfte. Der 31-Jährige ist der erste Spieler seit Erfassung der Torvorlagen 1988/89, dem dieses Kunststück gelang.

Selbst Arminia-Coach Uwe Neuhaus war voll des Lobes für Bayerns Urgestein: "Es ist eine Augenweide, Thomas Müller zuzuschauen. Er versteht einfach, wie Fußball funktioniert."

Nutznießer vor der Pause war übrigens einmal mehr Müllers kongenialer Partner Lewandowski, der bereits zuvor zum zwischenzeitlichen 2:0 getroffen (25.) hatte und beim ungefährdeten 4:1-Sieg sein Torkonto auf sieben hochschrauben konnte.

2. Bielefeld in der harten Bundesliga-Realität angekommen

Es war ein Spiel wie gemacht für den Aufsteiger aus Bielefeld. Bayern hatte vor der Länderspielpause gegen Hoffenheim (1:4) und beim knappen 4:3-Sieg gegen die Hertha gestrauchelt, hat zudem mit Atlético Madrid ein schweres Spiel in der Champions League vor der Brust (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).

Die Gastgeber waren dagegen vergleichsweise gut (vier Punkte aus drei Spielen, nur zwei Gegentore) in die Saison gestartet.

Die Ausgangslage für eine Überraschung auf der Bielefelder Alm konnte also besser kaum sein - sollte man zumindest meinen.

Doch stattdessen wurde der Außenseiter vom Favoriten auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Gerade im ersten Spielabschnitt war es ein Klassenunterschied, was neben starken Bayern auch an zu harmlosen Bielefeldern lag.

Thomas Müller (mitte) trifft doppelt für den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

"Ich war nicht zufrieden, gerade mit der ersten Halbzeit. Wir waren zu brav und hatten zu viel Respekt. Sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive haben wir noch Steigerungspotenzial", sagte ein ernüchterter Neuhaus. Es war eine Prise zu viel Respekt, mit der seine Mannschaft in den ersten 50 Minuten agierte, auch wenn es ihnen der Triple-Sieger mit punktgenauen Passstaffetten natürlich schwer machte, überhaupt ins Spiel zu finden.

Dass sie es besser können, zeigten die Bielefelder in Halbzeit zwei und kamen so zum Ehrentreffer durch Ritsu Doan (58.). Mehr war zwar nicht mehr drin, doch immerhin ärgerten sie den Giganten aus dem Süden zwischenzeitlich so sehr, dass Hansi Flick trotz klarer Führung am Seitenrand zu schimpfen begann. Nicht nur aufgrund der "blöden" Roten Karte von Corentin Tolisso (76.).

Zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, das Stürmer Fabian Klos passend zusammenfasste: "Wir haben gegen den FC Bayern gespielt und alles rausgehauen. Wir müssen uns für nichts schämen."

3. Hernández markiert sein Revier

Dass Flick die Rotationsmaschine nach dem Pokalspiel gegen Düren anschmeißen würde, war zu erwarten. Neun Nationalspieler kehrten in die erste Elf zurück - unter ihnen auch Lucas Hernández, der Alphonso Davies mittlerweile den Rang auf der linken Außenverteidigerposition abgelaufen hat.

Warum, das bewies er auch in Bielefeld einmal mehr mit einer engagierten Leistung. Besonders in der Offensive zeigte sich der Franzose von seiner Schokoladen-Seite und schlug in der Anfangsphase eine scharfe Flanke nach der anderen (13./15./29.). Einzig die nicht ganz so genauen Abschlüsse von Lewandowski und Co. verhinderten, dass sich Hernández als Vorlagengeber auf dem Scoreboard eintrug.

Insgesamt spielte der 24-Jährige die meisten Pässe in der Bielefelder Hälfte (47), schlug die meisten Flanken (10) und hatte die drittmeisten Ballkontakte (102) auf Seiten der Gäste.

Auch wenn einige Ballverluste den sonst blitzsauberen Auftritt des Weltmeisters ein wenig trübten, hat er sein Revier links hinten markiert und Flick wenig Anlass gegeben, ihn im Duell mit seinem Ex-Verein Atlético am Mittwoch wieder aus der Startelf zu rotieren.

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