BVB - FC Bayern | Tolisso, Martínez und Co.: Wer ersetzt Kimmich?

Trotz des immens wichtigen Erfolges bei Borussia Dortmund (3:2) herrscht beim FC Bayern Katerstimmung. Grund dafür ist der langfristige Ausfall von Schlüsselspieler Joshua Kimmich, der den FCB hart ins Kontor trifft. Schließlich hält sich die Auswahl an adäquaten Alternativen für Trainer Hans-Dieter Flick in Grenzen. Müssen die Bayern-Bosse nun sogar noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden?

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Sowohl den Spielern als auch den Verantwortlichen des FC Bayern dürfte am Samstagabend für einen kurzen Moment der Atem gestockt haben, als Joshua Kimmich nach einem Zweikampf mit BVB-Torjäger Erling Haaland auf Höhe des Mittelkreises mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb.
Der 25-Jährige krümmte sich minutenlang auf dem Rasen des Signal Iduna Parks und konnte selbst seine Tränen nicht zurückhalten. "Seine Reaktion sah nicht gut aus", befand Mats Hummels unmittelbar nach dem Bundesliga-Topspiel bei "Sky".
So hatte der immens wichtige 3:2 (1:1)-Erfolg der Bayern beim Dauerrivalen aus Dortmund doch einen bitteren Beigeschmack und trübte die Stimmung im Lager des Rekordmeisters sichtlich.
"Er ist vielleicht nicht der allerwichtigste Spieler beim FC Bayern, aber mit seiner Kompaktheit wäre er ein schwerer Ausfall", prophezeite "Sky"-Experte Lothar Matthäus.
Am Sonntagabend folgte dann die traurige Gewissheit: Wie der Verein mitteilte, wurde Kimmich aufgrund einer Verletzung am rechten Außenmeniskus bereits erfolgreich operiert. Die medizinische Abteilung gehe daher davon aus, dass der Nationalspieler den Münchnern voraussichtlich bis Januar fehlen wird.
Eine Hiobsbotschaft zur Unzeit.

Neuer und Flick bedauern Kimmich-Ausfall

Gerade jetzt, wo sich der deutsche Meister in einer coronabedingten Marathon-Saison fast alle drei Tage mit den mitunter besten Mannschaften Europas messen muss, ist der Ausfall des Dauerbrenners für Hansi Flick zweifelsohne ein enormer Schlag ins Kontor.
"Er ist ein Leistungsträger, ein Führungsspieler in der Achse im Zentrum. Man hat gemerkt, dass wir uns nach seiner Verletzung erst wieder finden müssen", betonte Manuel Neuer bei "Sky".
Trainer Flick pflichtete seinem Kapitän bei. "Joshua ist für uns auf dieser Position ein sehr wichtiger Spieler. Er hat neben seiner Mentalität auch eine enorme Qualität. Deswegen ist das nicht ganz so einfach, ihn zu ersetzen", klagte der 55-Jährige.
Einen Hauch von Zweckoptimismus verbreitete Flick am "Sky"-Mikrofon dann aber doch noch: "Jetzt müssen wir schauen, wie wir das hinbekommen, aber das werden wir auch schaffen."
Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass Kimmich nicht nur aufgrund seiner sportlichen Qualitäten, sondern auch wegen seiner Rolle als Sprachrohr und emotionaler Leader der Mannschaft enorm fehlen wird. In der laufenden Spielzeit stand er in elf der 13 Pflichtspiele auf dem Platz (in neun davon über die komplette Spielzeit) und konnte dabei herausragende zehn Scorerpunkte (drei Tore, sieben Assists) verbuchen.

Tolisso kann gegen BVB nicht überzeugen

"Er ist auch aufgrund seiner Position innerhalb der Mannschaft nicht gleichwertig zu ersetzen. Als Führungsperson und als jemand, der immer gewinnen will, wird er sehr fehlen", prophezeite der Ex-Bayern-Star und heutige "Bild"-Experte Mehmet Scholl.
In der Tat hält sich die Auswahl nach adäquaten Alternativen im Bayern-Kader besonders nach dem Abgang von Thiago zum FC Liverpool für Flick in Grenzen.
Gegen den BVB durfte nach 36 Minuten Corentin Tolisso für den vom Platz humpelnden Kimmich auf der Doppelsechs an der Seite von Leon Goretzka ran. Einzig nutzen konnte der 26-Jährige seine Chance nicht.
Der Franzose gab sowohl bei der Dortmunder Führung durch Marco Reus (45.) als auch beim Treffer zum 2:3-Endstand durch Haaland keine gute Figur ab, als er zwei Mal keinen Zugriff auf Vorlagengeber Raphaël Guerreiro bekam.
Ob Tolisso, dessen Stärken eher im Spiel nach vorne liegen, mit seinen Defiziten im Passspiel (87,9 Prozent gegenüber 91,1 Prozent von Kimmich) und im Zweikampfverhalten (52,8 zu 56,9 Prozent) den deutschen Nationalspieler auf Dauer gleichwertig ersetzen kann, darf daher bezweifelt werden.

Muss Bayern nachjustieren?

Eine weitere Option wäre Neuzugang Marc Roca, der den jüngsten Aussagen von Flick zufolge aber noch nicht so weit ist, um den Münchenern auf Anhieb zu helfen. "Man braucht ein bisschen Zeit, um die Abläufe zu kennen. Er arbeitet, ist sehr fleißig, hat eine sehr gute professionelle Einstellung, das ist sehr positiv", wurde der 55-Jährige kürzlich im "Kicker" zitiert.
Und dann wäre da noch Oldie Javi Martínez, der im vergangenen Sommer eigentlich schon so gut wie weg war. Letztlich blieb der Spanier jedoch mangels attraktiver Angebote in der bayerischen Landeshauptstadt und hatte im UEFA Supercup gegen den FC Sevilla, als er in der Verlängerung den 2:1-Siegtreffer erzielte, seine ganz persönliche Sternstunde.
Im Gastspiel beim BVB half er in der Schlussphase (69. Minute für Jérôme Boateng) mit, die knappe Führung über die Zeit zu schaukeln. Eine größere Rolle wird der 32-Jährige, der im Laufe der Jahre doch deutlich an Geschwindigkeit verloren hat, aller Voraussicht nach auch in den kommenden Partien nicht einnehmen.
Sollte Kimmich tatsächlich bis Januar ausfallen, müssten die Vereinsoberen die Situation auf dem Transfermarkt neu bewerten und gegebenenfalls im Winter noch einmal nachjustieren.
Fakt ist, dass sich Bayern auf der mehrteiligen Mission Titelverteidigung einen Wegfall seines Herzstückes nicht erlauben kann.
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Unter Tränen vom Platz: Kimmichs verhängnisvolle Grätsche

Quelle: Eurosport

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