11, 31, 70, 26, 13 – so lesen sich die Einsatzminuten von Marco Reus in den ersten fünf Bundesligaspielen dieser Saison. Es war ein ungewohntes Gefühl für den 31-Jährigen. Erstmals in seinen neun Jahren beim BVB gehörte Reus nicht zum absoluten Stammpersonal, sofern er denn fit war.
Reus steckte in der Formkrise, kam nach einer Muskelverletzung aus dem Februar und einer Sehnenentzündung in der Vorbereitung lange nicht in Schwung. Stattdessen spielte Giovanni Reyna zu Saisonbeginn groß auf und drohte dem BVB-Urgestein den Rang abzulaufen.
Weil auch Jadon Sancho und Erling Haaland in der Offensivreihe unverzichtbar waren und der damalige Trainer Lucien Favre in seinem System mit Fünferkette auf eine Doppelsechs setzte, fand Reus zunächst keinen Platz mehr in der Startelf. Zwar kehrten die Spielminuten nach und nach zurück, doch mit seinen Leistungen konnte er nicht an die gute Vorsaison (17 Torbeteiligungen in 19 Spielen) anknüpfen.
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"Ich war sieben Monate raus ohne Vorbereitung - da war mir schon klar, dass ich nicht durch die Liga marschieren werde, sondern dass ich Zeit brauche“, erklärte Reus nach dem 3:2-Sieg gegen RB Leipzig am Samstag rückblickend.

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Reus nach Auswechslungen gefrustet

Die Kritik in dieser Phase schien allerdings nicht besonders gut am deutschen Nationalspieler abzuprallen. In Interviews reagierte er teils trotzig, auch, weil er mit sich selbst nicht zufreiden war.
Nach seiner Auswechslung am 18. Spieltag gegen Gladbach (2:4), schoss er erst den Ball wütend weg und feuerte dann seine Schuhe auf den Boden. "Natürlich bin ich sauer gewesen. Keiner lässt sich gerne auswechseln", gab Reus nach dem Spiel zu Protokoll.
Ein ähnlicher Vorfall liegt noch gar nicht so lange zurück. Beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt, das damals als entscheidend für die Champions-League-Qualifikation ausgerufen wurde und letztlich mit 1:2 verloren ging, schlich er nach seiner Auswechslung sichtlich lustlos vom Platz, warf die Kapitänsbinde seinem Teamkollegen lustlos zu. Es folgte viel Kritik von allen Seiten an der Aktion, die Reporter-Legende Marcel Reif im "Sport1"-Doppelpass beispielsweise "eine Katastrophe" nannte.

Marco Reus verlässt im Spiel gegen Eintracht Frankfurt nach seiner Auswechslung gefrustet den Platz.

Fotocredit: Getty Images

Reus schafft den Turnaround

Es war Kritik, die sich Reus offenbar zu Herzen nahm. In den letzten Spielen kam der Nationalspieler immer besser in Tritt, schaffte individuell sowie mit Dortmund als Mannschaft die Kehrtwende. "In den letzten Wochen hatten wir viele Spiele, das kam mir zugute, weil der Rhythmus wiedergekommen ist", nannte Reus den Grund für seinen Formaufschwung und ergänzte: "Wenn die Mannschaft gut spielt, zieht das einen automatisch mit und ich bin froh, dass ich so weit gehen kann. Und die Saison ist noch nicht vorbei, wir müssen weiter hart arbeiten."
Denn der BVB hat hohe Ziele im Saisonendspurt. Der Titel im DFB-Pokal ist greifbar, in der Liga soll die schon verloren geglaubte Champions-League-Qualifikation gelingen. Gemeinsam mit dem seit der Rückrunde ebenfalls überragenden Sancho bildet Reus derzeit die schwarzgelbe Lebensversicherung, um diese Ziele zu erreichen. Beide beleben mit ihren Dribblings oder Pässen in die Schnittstelle die Offensive und zeigen sich zudem selbst torgefährlich.
Allein in den letzten acht Spielen erzielte Reus fünf Treffer. Zudem kreierte er viele weitere Torgelegenheiten für seine Mitspieler, nachdem er zu Saisonbeginn nur vergleichsweise wenige gefährliche Aktionen in Tornähe zustande gebracht hatte.

Reus wird bei Haaland-Ausfall zur Schlüsselfigur

Das wird umso wichtiger, da Sturmjuwel Erling Haaland aufgrund einer Oberschenkelverletzung in den letzten zwei Wochen passen musste und auch für das Pokalfinale auszufallen droht. Ohne den Norweger fehlt der klare Zielspieler in der Spitze, der auch mal lange Bälle festmachen kann.
Der BVB löst das durch viel Rotation und gegenläufige Bewegungen der Offensivspieler, um Lücken zu reißen. Hier spielt Reus mit seiner Übersicht und seinem Spielverständnis eine entscheidende Rolle. Sein Treffer zum 1:0 gegen RB Leipzig verdeutlichte diese Stärke. Statt einen Pass von Lukasz Piszczek anzunehmen, ließ Reus den Ball zu dem hinter ihm stehenden Thorgan Hazard durchlaufen und startete in die Tiefe. Hazard bediente Reus, der seinem Gegenspieler entwischt war, mit einem feinen Hackenpass.
Der 31-Jährige zog in Richtung des Tores und schloss eiskalt unter die Latte ab.
Es war die Initialzündung für den immens wichtigen Sieg im Rennen um die Champions-League-Plätze, durch den der BVB an Eintracht Frankfurt vorbeiziehen konnte. Und der Treffer belegte eine weitere Stärke von Reus: Er ist ein Mann für die wichtigen Tore. Zum 39. Mal erzielte er im BVB-Trikot bereits den 1:0-Führungstreffer.
Auch am Donnerstag im DFB-Pokal und in den letzten beiden Ligaspielen wird es auf diese Stärken von Reus ankommen. Dann hat er die Möglichkeit, es seinen Kritikern aus der Anfangsphase der Saison endgültig zu beweisen. Löw wird es genau verfolgen - und Reus nimmt es gelassen:
"Wir hatten vor der vergangenen Nominierung ein gutes Gespräch und haben gesagt, wir lassen uns Zeit und werden zu gegebener Zeit noch mal sprechen", sagte Reus im Interview mit der "ARD "und ergänzte: "Ich gehe da ganz locker mit um, aber freue mich natürlich, wenn ich dabei bin."

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