Joachim Löw glaubte schon vor dem Ende der regulären Spielzeit nicht mehr an den BVB. In der 86. Spielminute verließ der Bundestrainer seinen Platz auf der Tribüne des Freiburger Schwarzwaldstadions, nach dem Abpfiff der 1:2 (0:0)-Niederlage flüchtete auch die Mannschaft von Borussia Dortmund zügig vom Feld.
Der nächste herbe Dämpfer im Kampf um die Königsklasse, nun sogar beim Lieblingsgegner, sorgte für Enttäuschung und Ernüchterung.
"Natürlich ist das Ziel Champions League in Gefahr. Dafür müssen wir kämpfen. Das ist das Mindeste, was wir erreichen müssen, das wissen wir", sagte ein zwischen Frust und Trotz schwankender Mats Hummels bei "Sky" nach der ersten BVB-Pleite gegen den SC Freiburg nach 19 Duellen ohne Niederlage.
Bundesliga
Hummels weiß nicht mehr weiter: "Ist das jetzt Können oder Glück?"
06/02/2021 AM 17:52
Drei Dinge, die uns im Schwarzwald-Stadion auffielen.

1. Was ist nur mit Reyna los?

Die Saison hatte so gut angefangen für Giovanni Reyna. Fünf Torbeteiligungen an den ersten drei Bundesliga-Spieltagen, damals noch unter Lucien Favre. Ende November folgte dann die folgerichtige Vertragsverlängerung.
Seitdem hängt der 18-jährige US-Amerikaner allerdings ein wenig durch, um es vorsichtig auszudrücken. In Freiburg war Reyna auf der rechten Seite ein Totalausfall, trabte auf der Außenbahn meist nur lethargisch und lustlos hinterher, statt Freiburgs Linksverteidiger Christian Günter zu beschäftigen.
Positiv in Erinnerung blieb nur seine abgefälschte Flanke auf Erling Haaland (13.), die der Norweger aus bester Position aber nicht in Zählbares umwandeln konnte.
Ansonsten blieb Reyna wie schon in den vergangenen Wochen offensiv wirkungslos. Dass er mit einem schlampigen Pass in die Füße von Nicolas Höfler den Gegentreffer zum 0:1 durch Woo-yeong Jeong einleitete (49.), passte ins Bild. In der 70. Minute wurde er folgerichtig durch Reinier ersetzt. Seine letzte Torbeteilung für die Schwarz-Gelben liegt mittlerweile über anderthalb Monate zurück.

Thomas Delaney (l.) und Marco Reus (r.) sind bedient

Fotocredit: Getty Images

Um das Ganze etwas zu relativieren: Reyna war bei weitem nicht der einzige Dortmunder Offensiv-Akteur, der im Schwarzwald-Stadion auf ganzer Ebene enttäuschte. Julian Brandt (nur 23 Ballaktionen als zentraler Mittelfeldspieler) nahm Coach Terzic bereits nach 45 Minuten vom Feld. Auch Marco Reus vermochte in den ersten 60 Minuten keine Impulse zu setzen.
Dass dadurch Stoßstürmer Erling Haaland lange die Bindung zum Spiel fehlte, ist nur logisch. "Vorne brauchen wir sehr viel Aufwand, um selbst zu treffen", bemängelte Mats Hummels.
In Dortmund sehnt man sich nach der Rückkehr des verletzten Thorgan Hazard. Auch, um beispielsweise Reyna mehr Verschnaufpausen geben zu können. Was bei der ganzen Kritik nämlich nicht vergessen werden darf: Der Junge ist gerade einmal 18 Jahre alt.

2. Dortmund, Hitz und die Schuldfrage

In der Analyse waren sie sich nicht wirklich einig beim BVB. Warum hatte es nach zwei Siegen in Liga und DFB-Pokal schon wieder nicht zu einer kleinen Serie gereicht?
"Wir kassieren heute wieder zwei Tore aus der Distanz wie gegen Mainz", kritisierte Trainer Edin Terzic nach Abpfiff: "Wir können dem Gegner dort einfach nicht so viel Zeit lassen, Entscheidungen zu fällen."
Hummels und der dieses Mal als Rechtsverteidiger aufgebotene Emre Can sahen das anders. Die Mannschaft – und damit meinten sie wohl vor allem die Defensive – hätten sich wenig vorzuwerfen. Die Einstellung habe gepasst.
Stattdessen habe, wie schon so oft, das "Spielglück" gefehlt. "Sie hatten zwei Schüsse. Bei uns geht er an die Latte, bei denen geht er rein", rechtfertigte sich Can, der in der 5. Minute mit einem Distanz-Hammer nur den Querbalken getroffen hatte, etwas plump.
Unstrittig war dagegen die Rolle von Marwin Hitz, der wie schon gegen Augsburg und Paderborn den verletzten Roman Bürki vertrat und eigentlich die entbrannte Torhüter-Diskussion beim BVB nutzen wollte, um sich als Nummer eins festzuspielen.

Marwin Hitz (r.) und ein enttäuschte Jude Bellingham

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Stattdessen goss er mit seiner Slapstick-Einlage beim 0:2 Öl ins Feuer, indem er sich einen relativ harmlosen Fernschuss von Jonathan Schmid aus spitzem Winkel irgendwie selbst ins Tor bugsierte.
"Wenn diese Fernschüsse reingehen... An den Rücken des Torwarts und dann an den Pfosten", sagte Hummels, ohne dabei Hitz direkt kritisieren zu wollen.
Sollten sich die BVB-Bosse trotz anderslautender Medienberichte bislang nicht nach einem neuen Stammkeeper umgeschaut haben, werden sie es spätestens nach diesem Auftritt in Freiburg in Betracht ziehen.

3. Die Moukoko-Wende kommt zu spät

Neben Kreativität in der Offensive ließen die gestandenen BVB-Profis einmal mehr über weite Strecken die viel zitierte Emotionalität vermissen.
Dass es der 16-jährige Youssoufa Moukoko war, der sie der Mannschaft von Terzic ab der 60. Minute injizierte, spricht Bände.
Die Einwechslung des jungen Stürmers hauchte dem harmlosen BVB-Angriff neues Leben ein. Moukoko brauchte gerade einmal 30 Minuten, um genauso viele Torschüsse wie Jadon Sancho, Reus, Haaland und Reyna zusammen zu produzieren.
In der 63. Minute scheiterte er noch am Pfosten, in der 75. Minute machte er es besser und drosch den Ball an Florian Müller vorbei in die Maschen zum 1:2-Anschluss.
Auch Mahmoud Dahoud (kam in der 60. Minute für Thomas Delaney) belebte das Spiel sichtlich. Die emotionale Wende kam allerdings zu spät.
Dennoch dürfte gerade Moukoko bei Terzic einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sich für zukünftige Startelf-Einsätze empfohlen haben.
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