In der letzten Minute der Nachspielzeit (90.+5) spielte sich im Kölner Strafraum die Szene ab, die den Nachmittag aus Sicht des BVB perfekt zusammenfasste.

Youssoufa Moukoko hatte den Ball aus der linken Strafraumhälfte scharf vor an den langen Pfosten gebracht, wo Marco Reus sofort in die Mitte legte. Dort stand mit Erling Haaland einer der derzeit treffsichersten Stürmer Europas zur Stelle, vermochte es aber nicht, den Ball aus einem Meter im Tor unterzubringen und dem BVB doch noch einen Punkt gegen das abstiegsbedrohte Köln zu retten. Kurzum: Es lief einfach nichts zusammen für Schwarzgelb.

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"Ich bin tief enttäuscht, du verlierst zu Hause gegen Köln. Das ist, ja…" Die Sprachlosigkeit war dem bedienten BVB-Trainer Lucien Favre durchaus anzumerken. 29 Jahre lang hatten die Geißböcke in Dortmund nicht mehr gewonnen und selten waren die Verhältnisse auf dem Papier klarer. Der BVB als Tabellenzweiter gegen den Effzeh, der seit dem 6. März, dem 2:1-Sieg beim SC Paderborn, in der Bundesliga nicht mehr gewonnen hatte. Nun wird der Bann ausgerechnet beim BVB gebrochen.

Was sich für die Kölner wie das Purzeln tonnenschwerer Steine von den eigenen Schultern anfühlen muss, ist für die Dortmunder ein herber Rückschritt. Die positive Entwicklung, die dem BVB aufgrund der Auftritte in den vergangenen Wochen sowohl in Bundesliga als auch in der Champions League attestiert wurde, sie war nicht zu erkennen.

Große BVB-Schwäche: Das Verteidigen von Standards

Es war ein Auftritt, der Fragen aufwirft. Die leidige Mentalitätsfrage wird sich der Klub nach dem pomadigen, selbstsicheren, teilweise selbstgefälligen Auftritt erneut gefallen lassen müssen.

Vor allem eine Schwäche kann der BVB scheinbar nicht abstellen - die Verteidigung von Standardsituationen. Beide Gegentore gegen Köln fielen nach Eckbällen von der linken Seite, beide Male verlängerte ausgerechnet der vom BVB an den Effzeh ausgeliehene Marius Wolf am kurzen Pfosten und beide Male drückte Ellyes Skhiri die Kugel am langen Pfosten über die Linie.

Mittlerweile fünf der insgesamt neun Gegentore in der Bundesliga kassierte der BVB nach Standardsituationen. Nicht hinnehmbar für einen Meisterschaftsanwärter, der ganz nebenbei betrachtet gegen Köln auch Vorteile in Sachen Körpergröße hatte.

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Fotocredit: SID

"Ich war nicht im Strafraum dabei, aber wir verteidigen Ecken Mann gegen Mann und da muss man bei seinem Gegenspieler bleiben", versuchte Außenverteidiger Felix Passlack am "Sky-Mikrofon" vergeblich das Abwehrverhalten bei den Gegentoren zu erklären und brachte es dann auf den Punkt: "Wir haben da einfach geschlafen."

Auch der einzige Dortmunder Torschütze des Nachmittags, der eingewechselte Thorgan Hazard, zeigte sich enttäuscht: "Das fühlt sich nicht gut an. Wir müssen das besser machen, bei zwei Ecken bekommen wir zweimal das gleiche Tor. Wir müssen besser verteidigen, aber das kann im Fußball passieren."

Probleme gegen die vermeintlich "Kleinen"

Noch schwerer zu erklären ist jedoch der Fakt, dass die Borussia ausgerechnet gegen die vermeintlich kleinen Gegner zu oft patzt. Drei Niederlagen nach neun Spieltagen, zwei davon gegen Augsburg (0:2) und eben Köln - das ist mit den Ansprüchen des hochveranlagten Kaders eigentlich nicht vereinbar, kommt aber in beunruhigender Regelmäßigkeit vor.

Unter Lucien Favre hat der BVB nun 14 Bundesliga-Spiele verloren. Viermal gegen Rekordmeister FC Bayern, zweimal gegen Hoffenheim, einmal gegen Leverkusen. Doch die Hälfte dieser Niederlagen kassierte der BVB gegen Abstiegskandidaten. Gegner, deren eng gestaffelte Abwehrreihen der BVB knacken muss. Gegner, gegen die der BVB schlicht und ergreifend nicht verlieren darf.

Denn am Ende der Saison wird es die Summe solcher Spiele sein, die über den Meistertitel entscheiden.

Dortmund leistete sich nach neun Spieltagen bereits deren zwei.

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