Die Nachrichten häuften sich am Montag, fast im Minutentakt liefen sie über die Agenturen.
Nachdem Bayern-Präsident Herbert Hainer am Sonntagabend bei "Blickpunkt Sport" den nächsten Gang im Vertragspoker um David Alaba eingelegt hatte, äußerten sich am Tag danach die übrigen Hauptdarsteller.
Der Österreicher selbst wählte deutliche Worte und sprach davon, vom Verhalten des FC Bayern München "enttäuscht und verletzt" zu sein.
Bundesliga
"Ein Schlag ins Gesicht": Bayern wollte Alaba wegtauschen
02/11/2020 AM 16:03
Auch Trainer Hans-Dieter Flick hätte sich einen anderen Umgang mit der Personalie gewünscht.
Es bleiben Fragen.

Sind die Verhandlungen wirklich beendet?

Der Vorstoß des Klubs ist ein Wirkungstreffer für David Alaba. Als endgültiger Schlussstrich unter die Verhandlungen ist er aber nicht zu verstehen.
Der Ball liegt jetzt im Feld des Innenverteidigers und seiner Berater. Pini Zahavi und Davids Vater George werden ihren nächsten Schritt gut überlegen müssen. Der Rekordmeister jedenfalls hat klar gemacht, sich nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen.

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An der Säbener Straße macht der Verein die Regeln und dealt nach seinen Vorstellungen. Sollten Alaba und seine Entourage um weitere Verhandlungen auf dem jetzt gesetzten Niveau bitten, dürfte man sich wieder an einen Tisch setzen.
Denn sportlich ist Alaba über jeden Zweifel erhaben und in der Kabine - laut Flick - immer ein gern gesehener Gast. "Was David anbetrifft wäre ich natürlich sehr froh, wenn er dem FC Bayern über die Saison hinaus erhalten bliebe", so der 58-Jährige.
Andernfalls werden sich die Münchner in Richtung eines Ersatzes orientieren.

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Hat der FC Bayern eine Alternative?

Natürlich würde ein Abgang des Verteidigers den FC Bayern treffen. Allerdings ist der Triple-Sieger alles andere als unvorbereitet. Zwei potentielle Nachfolger stehen sogar schon im Kader.
80-Millionen-Mann Lucas Hernández ist derzeit als Linksverteidiger eingespannt, auch weil Alphonso Davies verletzt ausfällt. Der Franzose soll aber auf lange Sicht ohnehin den linken Part der Innenverteidigung ausfüllen. Hier könnte er Alaba sofort ersetzen.
Auch Tanguy Nianzou Kouassi, den der Rekordmeister im Sommer aus Paris holte, kann ganz hinten spielen. Der 18-Jährige gilt als großes Talent und dürfte schon in der laufenden Saison zu Einsätzen kommen. Aktuell fehlt er allerdings noch verletzt.
Auf dem Transfermarkt fühlte man obendrein schon bei diversen Spielern vor. Zu nennen sind hier Dayot Upamecano von RB Leipzig und Inters Milan Skriniar. Beide könnten im kommenden Sommer wieder zum Thema werden.

Dayot Upamecano von RB Leipzig im Spiel gegen Hertha BSC

Fotocredit: Getty Images

Was will Alaba erreichen?

Das Zauberwort für die Alaba-Seite scheint "Wertschätzung" zu sein. Diese wird im Profifußball nicht erst seit gestern vornehmlich in Geld aufgewogen.
Für den Österreicher geht es im Zuge der Verhandlungen also darum, seinem Status in der Mannschaft entsprechend bezahlt zu werden. Sprich: In einer Liga mit Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Thomas Müller.
ZU WEM HALTEN SIE IM VERTRAGSSTREIT?
Der Verein ging die Verhandlungen - das jedenfalls ist Alabas Sichtweise, die er bei "Sky" schilderte - nicht dementsprechend an. Zu spät habe man sich gemeldet, dann sei das Angebot mehrfach nicht angemessen gewesen, später schlug man offenbar einen Tausch mit Leroy Sané vor, was Alaba als "Schlag ins Gesicht" empfand. Nun zu allem Überfluss der vorzeitige Abbruch der Verhandlungen.
Der 28-Jährige reagierte sichtlich angefasst auf die neuste Entwicklung und betonte nicht nur einmal, dass er "dem Verein dankbar" und stolz sei, "für den FC Bayern spielen zu können". Auch deshalb ist ihm abzunehmen, dass er grundsätzlich verlängern und bleiben will.
Allerdings nicht zu jedem Preis. Sollten sich die Münchner nicht bewegen, scheint Alaba bereit, ein Abenteuer bei einem großen Klub im Ausland zu wagen.

Flick übt Kritik am Alaba-Poker und äußert persönlichen Wunsch

Welche Optionen hat Alaba?

"Wie es jetzt weiter geht, ist schwer zu beurteilen", sagte Alaba auf der Pressekonferenz und wirkte dabei doch einigermaßen ratlos. Bis dato sei Bayern sein erster Ansprechpartner gewesen. Mit anderen Vereinen habe er nicht gesprochen.
Eine Behauptung die schwer zu be-, aber eben auch schwer zu widerlegen ist. Es ist allerdings anzunehmen, dass Grundideen bestehen und erste Sondierungsgespräche - vermutlich von Beraterseite - bereits geführt wurden.
Glaubt man Medienberichten, könnte sich Alaba einen Wechsel zu einem der zwei spanischen Großklubs FC Barcelona oder Real Madrid gut vorstellen. Beide sind aber nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie eher klamm.
Immer öfter wird auch der FC Liverpool genannt, wenn es um einen potentiellen neuen Arbeitgeber für den Linksfuß geht. Die Reds verpflichteten in Thiago gerade erst einen langjährigen Bayern-Spieler.
So oder so: Alaba darf ab Januar offiziell mit anderen Klubs verhandeln. Es ist davon auszugehen, dass er einen Verein findet, der das Gesamtpaket aus Gehalt und Handgeld bezahlt - und ihm damit die gewünschte Wertschätzung zukommen lässt.

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