Der 1. FC Köln muss nach einer bitteren Niederlage im Relegations-Hinspiel ernsthaft um den Klassenerhalt in der Bundesliga bangen.
Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel verlor gegen den Favoritenschreck Holstein Kiel mit 0:1 (0:0) und steht im zweiten Duell am Samstag (18:00 Uhr im Liveticker) bei den Norddeutschen unter enormem Druck. Ein Abstieg, es wäre der siebte der Vereinsgeschichte und würde den FC empfindlich treffen.
Simon Lorenz (59.) traf nur 20 Sekunden nach seiner Einwechslung für den Dritten der 2. Bundesliga, der in dieser Saison im DFB-Pokal bereits den FC Bayern München geschlagen hat und nun dicht vor dem Aufstieg steht.
Bundesliga
Der Joker sticht: Kiel gewinnt Hinspiel in Köln
26/05/2021 AM 18:24
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Kiels Coup mit altem Ecken-Trick

Es war das "goldene Tor" an diesem Mittwochabend: Nach einer hohen Ecke von links gewann Lee Jae-Sung das Kopfballduell am zweiten Pfosten und legt quer Richtung Fünfmeterraum, dort sprang der frisch eingewechselte Simon Lorenz heran, überrumpelte Jonas Hector und köpfte ein. Wer die Kieler Erfolgsstory dieser Saison zuletzt verfolgt hatte, wird gewusst haben: Das war einstudiert und genauso gewollt.
Der Treffer war eine 1:1-Kopie des 2:2-Ausgleichtores gegen Jahn Regensburg im Nachholspiel des 28. Spieltags (Endstand 3:2 für Holstein) - auch dort hatte Lorenz getroffen. FC-Trainer Friedhelm Funkel ärgerte sich deshalb schwarz. "Wir hatten extra davor gewarnt! Da haben wir ein Mal nicht aufgepasst", meinte er bei "DAZN".

Simon Lorenz köpft ein zum 1:0 für Kiel - 1. FC Köln vs. Holstein Kiel

Fotocredit: Imago

"Der Kopfball in die Mitte, das Querlegen von Lee - das darf nicht passieren!" Die Schlafmützigkeit bei diesem Standard - eine der wirklich wenigen Chancen von Kiel in Köln - sie war symptomatisch für die unglückliche Saison des Effzeh, der nun im Rückspiel am Samstag (18:00 Uhr im Liveticker) unter noch höherem Druck steht als ohnehin schon.
"Lore hat ein sehr gutes Kopfballspiel. Ich bin hochzufrieden mit der kämpferischen Einstellung und mit der Defensivarbeit. Wir freuen uns auf das Rückspiel", lächelte Kiels Trainer Ole Werner derweil in die Kameras. Sein Team knüpfte in Köln an das an, was es zuletzt auszeichnete: Zusammenhalt und Entschlossenheit.

2. Hector trägt den Effzeh huckepack

Viele rieben sich die Augen: War Jonas Hector nicht Außenverteidiger? Oder zumindest: Mittelfeldspieler? Warum ist er dann die ganze Zeit vorne? Die Antwort war einfach: Funkel beorderte seinen Führungsspieler dorthin, wo er Alarm machen konnte. Und Hector lieferte als verkappte "Neun" eindrucksvoll ab.
Der 30-Jährige schien die ganze Last zu tragen und in der Lage, damit umzugehen. Hector ging voran, dirigierte, kommandierte und kreierte. Er rieb sich auf, sagte an, wann seine Kollegen ins Pressing gehen sollten und wann nicht. Ermüdungserscheinungen? Bei ihm nicht!

Jonas Hector

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Drei Torschüsse verbuchte der ehemalige Nationalspieler selbst, zwei bereitete er vor. Nur ein Treffer hätte noch zur Krönung seiner überzeugenden Leistung gefehlt. Nach der Partie war er dafür komplett am Ende mit den Nerven.
"Gefühlt wäre ein Unentschieden gerecht gewesen", sagte er noch sachlich, um dann aber den Reporter nur noch anzublaffen: "Immer diese Scheißfragen. Dumme Fragen stellen, das machen Sie gut", zürnte Hector und brach das Interview bei "DAZN" schnell ab. Nehmen sich seine Kollegen an ihm ein Beispiel, ist die Chance, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen, durchaus noch groß.

3. Schiri Zwayer und seine fragwürdige Linie

Ganz unbelastet ist der Name Felix Zwayer seit seiner Verstrickung in den Wettskandal von 2005 um Robert Hoyzer nicht. Allein deshalb steht der Schiedsrichter in wichtigen Spielen unter extremer Beobachtung und wird immer wieder Zielscheibe von Frust der Fans von vermeintlich benachteiligten Mannschaften.
Vor allem eine Szene erhitzte am Mittwoch die Gemüter der Effzeh-Anhänger: Kurz vor dem Seitenwechsel grätschte Kiels Aleksandar Ignjovski seinen Gegenspieler Duda böse an der Grundlinie ab und traf den Slowaken dabei mit offener Sohle am Knöchel.
Alexander Feuerherdt von "Collinas Erben", der Instanz im Netz, wenn es darum geht, strittige Entscheidungen zu kommentieren, schrieb dazu: "Volltreffer mit den Stollen oberhalb des Knöchels mit ziemlicher Intensität, der Ball war auch nicht mehr spielbar. Aus meiner Sicht eine Rote Karte."
Wie es das Schicksal will, erzielte später mit Lorenz ausgerechnet der Spieler das 1:0, der für Ignjovski eingewechselt wurde.

Jonas Hector

Fotocredit: Getty Images

Davon abgesehen, war aber auch die gesamte Linie von Zwayer fragwürdig. Es war klar, was er wollte, nämlich jegliche Aggressivität im Keim ersticken. Er pfiff viel ab (41 Fouls) und zückte viele gelbe Karten (7). Ein FußballSPIEL kam so nicht zustande, was den kämpferischen Kielern wiederum in die Karten spielte.
Es mag regelkonform gewesen sein, mehr Spielfluss wäre dennoch wünschenswert gewesen. Dass der in der zweiten Hälfte gänzlich und ein Hauch von Kreisliga durch Müngersdorf wehte, lag auch an Zwayer.
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