"Wir sind nicht zufrieden mit dem Punkt", klagte Edin Terzic nach dem Spiel seiner Borussia gegen Hoffenheim, das nach 90 wilden Minuten mit zwei Toren für jede Mannschaft zu Ende gegangen war.
Damit stand der BVB zwar mit etwas zählbarem da, zum Angriff auf die vor den Borussen platzierten Teams taugte der durchwachsene Auftritt gegen die TSG aber ganz und gar nicht.
Nur eins der vergangenen sechs Bundesligaspiele hat der 38-Jährige Neu-Coach mit seiner Mannschaft siegreich gestalten können. Zu wenig für die hohen Ansprüche.
Bundesliga
Wieder kein Sieg: BVB patzt auch gegen Hoffenheim
13/02/2021 AM 16:27
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Die Sache mit Marco Reus

Der Kapitän hat in einer Fußballmannschaft eine Sonderrolle. Er ist verlängerter Arm des Trainers, Leistungsträger, Führungsspieler und Antreiber. Zumindest in einer perfekten Welt.
In der Realität sieht das Ganze ab und zu auch anders aus. Dann nämlich kann der Spielführer - weil er eben auch nur ein Profi ist, der Schwankungen unterliegt - eine oder mehrere der oben genannten Erwartungen nicht erfüllen.
Bei Marco Reus ist das derzeit so der Fall. In den vergangenen Wochen performte der Nationalspieler weit unter Normalform. Gegen Hoffenheim nun spielten zunächst andere. Der Trainer hatte dies als einzige Änderung in der eigenen Startelf so festgelegt.
Das sah dann schon nach einer Degradierung aus.
Eine Stunde lang ließ BVB-Coach Terzic den 31-Jährigen auf der Ersatzbank schmoren, ehe er ihn brachte. Da stand es 1:2 und die Borussia stand mit dem Rücken zur Wand.
"Wir haben uns dafür entschieden, dass Marco nicht beginnt. Er kann das Spiel gerne beenden, er kann das Spiel gerne für uns entscheiden, da sind wir sehr offen", hatte Terzic vor der Partie bei "Sky" gesagt, bevor er nachschob, Reus sei schon qua Kapitänsamt "wichtig für die Mannschaft. Er hat die Rolle für das Spiel akzeptiert."
Auch Sportdirektor Michael Zorc wies darauf hin, dass er die Entscheidung nicht für die Saison, sondern für das aktuelle Spiel verstehe.
Reus selbst konnte die Partie nach seiner Einwechslung nicht mehr vollends in Richtung Schwarz-Gelb drehen. Zum Interview stellte er sich - ganz Kapitän - natürlich trotzdem.
"Wir hätten gern gewonnen, das haben wir nicht geschafft. Dementsprechend sind wir sehr enttäuscht", sagte er. Seinen eigenen Bankplatz erklärte er kurz und knapp mit Schonung auf Grund der hohen Belastung.
"Wir haben eine englische Woche vor uns", meinte Reus. Gegen Sevilla unter der Woche sollte er dann wohl wieder in der Startelf stehen.
Mal sehen, ob das so einfach ist.

Marwin Hitz gegen Ilhas Bebou - Borussia Dortmund gegen TSG Hoffenheim

Fotocredit: Getty Images

2. Das Ding mit den Torhütern

Seit einigen Wochen wird rund um die Borussia ausgiebig diskutiert. Über den alten, aktuellen und auch den (vermutlich) kommenden Trainer. Über den Zustand der Mannschaft, die Ziele und wirtschaftlichen Kennzahlen. Aber natürlich auch über Transferziele und eventuelle Verkäufe.
Dabei im Fokus steht Stammtorhüter Roman Bürki. Dessen Vertrag läuft zwar noch bis ins Jahr 2023, sein Platz steht aber - allem Anschein nach - mehr denn je zur Disposition.
Und weil Bürki derzeit verletzt ist, wollte sich auch die eigentliche Nummer zwei, Marwin Hitz, in dessen Abwesenheit für den Job bewerben. Mit mäßigem Erfolg.
Wie schon gegen den SC Freiburg vor Wochenfrist sah der 33-Jährige auch gegen 1899 bei einem Gegentor alles andere als gut aus. Im Breisgau hatte er einen Pfostenschuss mit dem eigenen Rücken ins Tor gelenkt.
Sieben Tage später faustete der Schweizer Ihlas Bebou den Ball nach einer Flanke gut einen Meter vor der eigenen Torlinie gegen den Kopf - Tor. Es war das 1:2 nach 51 Minuten und Dortmund fortan im Hintertreffen.
Die Diskussion wird also bleiben und sicherlich nicht abklingen. Zu wichtig wäre ein Keeper, der die ohnehin verunsichert wirkende Defensive in diesen vorentscheidenden Saisonwochen stabilisiert.
Den gibt es momentan in Terzics Elf aber nicht. Und so wird nun - angesichts von Hitz‘ Flattrigkeit - Bürki wieder zum Hoffnungsträger. Zumindest bis zum Sommer.

Edin Terzic - Trainer von Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

3. Die Angst um die Champions League

13 Spiele sind noch zu absolvieren in dier Bundesligasaison. Das klingt viel, ist es aber nicht wirklich.
Sollte sich die Negativserie der Dortmunder noch weiter fortsetzen, könnten Mats Hummels und Co. langsam aber sicher die Gelegenheiten ausgehen, um Platz vier (oder besser) doch noch zu erreichen.
Im Moment präsentiert sich der BVB eher wie ein Mittelfeldklub ohne klare europäische Ambitionen, als ein klarer Anwärter auf die Königsklasse. Diese wäre aber - gerade in finanziell schweren Corona-Jahren - bitter nötig.
Wie also soll der Kurs doch noch geändert und das Ruder auf der Zielgeraden herumgerissen werden?
Die Bosse wollen nicht erneut auf der Trainerposition eingreifen. Deshalb stärken sie dem Mitte Dezember für Lucien Favre eingesetzten Terzic demonstrativ den Rücken. Auch Mats Hummels stimmt mit ein.
"Wir haben gefightet, wild gespielt und gekämpft aber nicht zwingend gut gespielt. Am Ende war das 2:3 für Hoffenheim näher als für uns", sagte der Innenverteidiger ehrlich. Gleichzeitig betonte er aber:
"Ich stehe zu meiner Meinung. Wir sind auf dem Weg der Besserung, entwickeln uns weiter. Wir wollen einen aktiveren Stil gegen den Ball spielen. Aber solche Dinge passieren nicht über Nacht. Unter keinem Trainer der Welt ist nach zwei Wochen alles so, wie er es sich vorstellt. Das war unter Jürgen Klopp nicht so und auch nicht unter Edin (Terzic)."
Hummels war sich aber sicher, "dass wir belohnt werden. Wenn man hart arbeitet, kommt der Erfolg immer - zu einhundert Prozent". Auch Terzic selbst verteidigte die teilweise völlig unkontrollierte Spielweise seiner Mannschaft mit den angedachten Umstellungen im Kollektiv.
"Wir haben versucht, einige Dinge zu verändern. Dass das nicht auf Knopfdruck geschieht, haben wir auch schon tausend Mal gesagt", meinte der Trainer.
In den kommenden Tagen stehen das Champions-League-Spiel gegen Sevilla und das Derby gegen Schalke 04 auf dem Programm. Zwei Partien, die zeigen dürften, in welche Richtung es geht.
Auch für Terzic selbst.
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