Drei Baustellen für den FC Bayern: Vor diesen Aufgaben steht der Triple-Sieger

Der FC Bayern München schließt 2020 als Bundesliga-Tabellenführer ab und freut sich auf ein paar Weihnachtstage auf der Couch. Will man allerdings auch 2021 um alle Titel mitspielen, müssen die Münchner ab Trainingsstart am 29. Dezember ein paar Baustellen angehen. "Wir müssen uns in einigen Bereichen deutlich verbessern", fordert nicht nur Thomas Müller.

Thomas Müller (l.) und Kingsley Coman - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Das Ende hatte etwas von Hollywood.
Bis in die Nachspielzeit hatte Bayer Leverkusen am Samstag noch die Tabellenführung gegen den FC Bayern verteidigt – dann eroberte Joshua Kimmich den Ball von Jonathan Tah und Robert Lewandowski tat das, was er immer tut: knipsen.
Durch den Last-Minute-Sieg zum Jahresende auf Platz eins der Bundesliga gehievt, ließen die Bayern in der Kabine ihrer Freude freien Lauf. "Es war wie unter dem Weihnachtsbaum, wenn du die Geschenke aufmachst", berichtete Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag bei "Sport1" von ausgelassenen Szenen im Bauch der BayArena.
48 Pflichtspiele haben die Bayern 2020 hinter sich gebracht. 42 Mal waren sie als Sieger vom Platz gegangen, verloren hatten sie nur ein einziges Spiel – bei einem Torverhältnis von 149:46.
"Wir haben extrem viel investiert und manchmal kommt's dann auch zurück", meinte Thomas Müller zum glücklichen Ende in Leverkusen: "Jetzt stehen wir oben und können unter dem Christbaum entspannen." Wobei: Ganz so entspannt dürfen die Bayern auch die Weihnachtstage nicht angehen. "Wir müssen uns in einigen Bereichen deutlich verbessern und da muss sich auch jeder an die eigene Nase packen und auch in der kurzen Urlaubszeit die Beine nicht zu sehr hochlegen", meinte Müller wiederum.
Will der FC Bayern nämlich auch 2021 um alle Titel mitspielen, muss er ein paar Baustellen angehen.

1. Triple-Rezept nachkochen

Beim FC Bayern haben sie in der extrem gestauchten Hinrunde 2020/21 stets betont, wie fordernd der Spielplan für Geist und Körper ist. Beschwert haben sie sich jedoch nie; und dass man mit nur einer Niederlage, dem 1:4 in Hoffenheim, durch die Runde kam, grenzt trotz aller Wettbewerbsvorteile schon fast an ein Wunder. "Ich bin ein noch größerer Fan dieser Mannschaft geworden", meinte Bayern-Boss Rummenigge am Sonntag stolz.
Fußballerisch, auch das betonten alle Bayern, war das jedoch meist kein Lehrbeispiel. Zu oft waren die Siege der Münchner getragen von individuell herausragenden Leistungen, zu selten ein Produkt mannschaftstaktischer und spielerischer Klasse.
"Es hat sich durchgezogen, dass es bei uns gerade nicht einfach von der Hand geht, aber dass wir auch Nehmerqualitäten haben", stellte Müller in Leverkusen fest.
Vor allem im Spiel gegen den Ball zeigten die Bayern doch erhebliche Abnutzungserscheinungen; in Pressing- und Gegenpressing-Situationen fehlte zuletzt merklich die geistige und körperliche Frische, was Bayerns Defensive wenig kompakt und anfällig erscheinen ließ.
"Wir brauchen jetzt ein paar Tage Ruhe und die Jungs werden sich das auch gönnen: einfach mal auf der Couch liegen und nichts machen", meinte Sportvorstand Hasan Salihamidzic.
Hier den Hebel wieder anzusetzen, wird allerdings auch 2021 kein Leichtes. Gerade mal acht Tage Weihnachtspause sind den Bayern gegönnt, ehe man ab 29. Dezember schon wieder auf die am 3. Januar startende zweite Halbserie hintrainiert. "Dann werden wir wieder angreifen. Wir wollen natürlich alles", so Salihamidzic.
Der Trainingsrhythmus, eigentlich nur bestehend aus Regeneration und Spielvorbereitung, wird zunächst mal so bleiben. Im Januar stehen schon wieder sieben Spiele auf dem Programm. Dennoch weiß Müller: "Wir werden im neuen Jahr schon noch eine Schippe drauflegen müssen, um gegen diese dichte Bundesliga-Spitze auch zu bestehen."

2. Neuzugänge ranführen

Sieben Neuzugänge hat Bayern im Sommer geholt und damit den Kader vor allem in der Breite verstärkt. An den Allesgewinnern der Vorsaison kam in Flicks Hierarchie in der Hinrunde jedoch keiner vorbei, was sich allein an den Aufstellungen in den wichtigen Spielen ablesen lässt.
Gegen Leverkusen vertraute Flick wie in den ersten drei Champions-League-Spielen ausschließlich auf Triple-Gewinner; in Dortmund rutschte Bouna Sarr lediglich ins Team, weil Benjamin Pavard unpässlich war. Gegen Leipzig durfte dagegen Leroy Sané als einziger Neuzugang von Beginn an mitwirken, rechtfertigte aber dieses Vertrauen nicht.
Womit man schon beim prominentesten Fall wäre: Die Worte von Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag machten deutlich, dass der Flügelstürmer 2021 in der Bringschuld steht.
Ihre wenigen Chancen nicht nutzen konnten derweil bislang Douglas Costa und Marc Roca. Letzterer genießt bei Flick (noch) so wenig Vertrauen, dass er nicht mal in der Startelf stand, als gegen Wolfsburg Joshua Kimmich und Leon Goretzka unpässlich waren – der Bayern-Trainer baute um auf 4-1-4-1 und ließ Corentin Tolisso vor der Abwehr spielen.
Gerne mehr gesehen hätte man hingegen von Tanguy Nianzou Kouassi. Der 18 Jahre alte Defensivspezialist fiel mit zwei Muskelverletzungen jedoch fast die ganze Hinserie aus.

3. Neuer, Kimmich und Lewandowski in Watte packen

Dass sich Bayern Weihnachtsmeister der Bundesliga nennen darf, hatte weniger mit mannschaftlich geschlossen starken Leistungen als mit individueller Qualität zu tun, die den Münchnern in vielen Spielen half, als Sieger vom Platz zu gehen.
Joshua Kimmich machte seine Ausnahmestellung im Mittelfeld mit der letzten Aktion in Leverkusen erneut mehr als deutlich. In den fünf Spielen ohne ihn hatten die Bayern dagegen erhebliche Probleme, die Balance zu wahren. Immer gerieten sie in Rückstand.
Mit seinen 17 Treffern war Robert Lewandowski derweil immer gerade dann zur Stelle, wenn Bayern ein Tor benötigte; die letzten fünf Treffer der Bayern erzielte allesamt er. Und wurde es mal hinten knifflig, war Manuel Neuer meist zur Stelle, hielt den Sieg fest. "Die Belastung war extrem, aber in kritischen Punkten haben wir unsere Qualität gezeigt", sagte Lewandowski in Leverkusen.
Neuer, Kimmich, Lewandowski – diese Spieler sind bei Bayern als nicht ersetzbar zu nennen. Nur wenn sie fit bleiben, können die Münchner auch 2021 Triple-Träume hegen.
Wertvolle Add-ons zu diesem Dreigestirn sind gewiss der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz, Thomas Müller, sowie der seit seinem Finaltor in der Champions League förmlich aufblühende Vorlagenkönig Kingsley Coman.
Und dann wäre da noch David Alaba, der, ungeachtet der Posse um das zurückgezogene Vertragsangebot der Bayern, auf dem Platz tadellose Leistungen aneinanderreihte.
Der Österreicher kam in der Hinrunde als Innenverteidiger, Linksverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler zum Einsatz und stellte damit einmal mehr unter Beweis, wie wichtig er für Flick ist – und wie ausgesprochen misslich es entsprechend wäre, würde er die Münchner im Sommer ablösefrei verlassen. Dem Vernehmen nach sind hier die Fronten aber weiter verhärtet.
Eine weitere Baustelle, die der FC Bayern 2021 vielleicht nochmal angehen sollte.
picture

Talentschmiede Salzburg: Szoboszlai auf den Spuren der Stars

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung