Ein "Nein" war das nicht. Auf die "Sky"-Frage, ob er für das Bundestraineramt im Sommer zur Verfügung stehe, antwortete Hans-Dieter Flick am Samstag ausweichend. "Ich habe Vertrag bis 2023 beim FC Bayern und alles dazu gesagt", meinte der 56-Jährige: "Zu diesem Thema gibt es nichts zu verkünden." Kein Ja, kein Nein. Abwarten. Taktik.
Eine schlaue Antwort, aber eben deutlich unverbindlicher als beispielsweise Jürgen Klopp, der unter der Woche zwar ebenfalls in erster Linie auf seinen Vertrag beim FC Liverpool hinwies, aber eben auch klar artikulierte, dass er sich ein Ja zum Nationaltrainerjob in seiner aktuellen Situation nicht wirklich vorstellen kann, sollte ihn der DFB denn überhaupt fragen. Außerdem schlug Klopp dann auch noch Ralf Rangnick als neuen Bundestrainer vor.
Bei Flick, der sich am Freitag proaktiv auf der Spieltagspressekonferenz der Bayern zum Thema Bundestrainer äußerte und dabei viel, aber definitiv nicht 'Nein' sagte, klang das schon anders.
Bundesliga
Bayerns Hernández macht Druck: Die Zukunft ist französisch
14/03/2021 AM 09:46
"Ich kümmere mich um die Dinge außen rum aktuell nicht, weil ich hier einen Vertrag bis 2023 habe", meinte der Bayern-Trainer und beschränkte sich im Grunde darauf zu erzählen, wie viel Spaß er zwischen 2006 und 2017 beim DFB gehabt habe, dass das jetzt beim FC Bayern aber genauso sei: "Ich habe eine Mannschaft, die absolut top ist, und einen Staff, mit dem ich sehr viel Spaß habe - genauso wie es beim DFB war."

Bayern wechselt alle 18 Monate den Trainer - der DFB nicht

Zwischen 2006 und 2014 unterstütze er dort Joachim Löw als Co-Trainer ("eine sehr, sehr schöne Zeit" – Flick am Freitag), zwischen 2014 und 2017 wirkte er als Sportdirektor, ehe er sich der TSG 1899 Hoffenheim in seiner Heimatregion anschloss.
Kein Geheimnis ist, dass Flick nicht nur gerne für den DFB gearbeitet hat, sondern auch dessen langfristige Verlässlichkeit schätzt.

Jogi Löw (rechts) und Hansi Flick wurden zusammen 2014 mit Deutschland Weltmeister

Fotocredit: SID

Während sie beim FC Bayern ihren Cheftrainer in den letzten 30 Jahren im Schnitt alle eineinhalb Jahre tauschten, ist ein Job beim DFB schon langfristiger angelegt – der neue Bundestrainer dürfte im ersten Schritt zumindest mal das Mandat bis zur Heim-EM 2024 bekommen, und müsste, um bis dato im Amt zu bleiben, "nur" die Winter-WM 2022 in Katar einigermaßen heil überstehen.
Auch das wird Flick aktuell berechnen. Ebenso wird ihn die Frage, wie oft man in seinem Leben wohl die Chance bekommt, Bundestrainer zu werden, beschäftigen – und was es wohl bedeutet, wenn man ein solches Angebot ausschlägt.
Ob dieses zu erwarten ist, wird Flick bald wohl schon erfahren. Mit Oliver Bierhoff, dem Direktor Nationalmannschaften und Akademie, telefoniert der Bayern-Trainer regelmäßig. "Oliver Bierhoff und ich sind befreundet und tauschen uns immer aus", bestätigte er am Samstag.

Flick kann nicht gut mit Salihamidzic

In Bezug auf den FC Bayern wird sich Flick aber ebenso überlegen, wie ihm die Tatsache, dass er öffentlich als Bundestrainerkandidat gehandelt und möglicherweise auch vom DFB favorisiert wird, zum Vorteil gereichen kann.
Kein Geheimnis ist, dass sich der Trainer intern mehr Mitspracherecht bei Transfers und der Kaderzusammenstellung wünscht – hier bestehen mitunter unterschiedliche Ansichten gegenüber dem Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Das Verhältnis zwischen den beiden sportlich Verantwortlichen ist professionell, aber unterkühlt.
Dass die Bayern im Sommer David Alaba und Jérôme Boateng ablösefrei ziehen lassen, gefällt Flick nicht besonders. Zudem zeigte die laufende Saison, dass er nur wenig mit den von Salihamidzic getätigten Transfers Alexander Nübel, Bouna Sarr, Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting und Douglas Costa anzufangen weiß. Für Flick ist der qualitative Abstand zur Stammbesetzung zu groß.

Transfers: Bei Bayern gibt es (zu) viele "Alphas"

Inwieweit Flick durch ein DFB-Interesse jedoch seine interne Machtposition bei Bayern stärken kann, ist schwer zu erahnen. Gerade bei Transfer- und Personalentscheidungen reden an der Säbener Straße schon genügend "Alphas" mit, ab Sommer will Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nun auch noch seinen designierten Nachfolger Oliver Kahn vermehrt einarbeiten.
Als Bayern-Trainer wird Flicks Status auch immer vom kurzfristigen Erfolg der Mannschaft abhängig sein; eine wacklige Position. Was zudem die Frage aufwirft, welche großen Ziele der 56-Jährige mit den Bayern nach der Ausnahmesaison 2019/20 noch anstreben und erreichen kann.
Meisterschaft und DFB-Pokal zu gewinnen, ist beim FCB ja fast schon zur Pflicht geworden; und in Sachen Champions League müsste ja schon fast der Titel-Hattrick in drei aufeinanderfolgenden Jahren her, um die Strahlkraft des Sextuples noch zu toppen.
Auch das weiß Flick, der sich deshalb alle Kanäle offenhält.
WER SOLLTE NACH DER EM NEUER BUNDESTRAINER WERDEN?

FC Bayern ist alarmiert - der DFB am Zug

Und die Bayern? Die sind durch die öffentliche Debatte nach Löws Rücktritt natürlich alarmiert, können sich aber in erster Instanz auf Flicks Vertragslaufzeit bis 2023 berufen. Verständigt sich der DFB intern auf Flick als Ideallösung, müsste er aktiv auf die Münchner zugehen und eine Freigabe des Trainers erbitten, möglicherweise gegen eine Ablöse – und/oder andere Zugeständnisse.
Sich zu sperren und Flick nicht freizugeben, sollte der DFB anfragen, könnte dagegen dem Image der Bayern schaden. Dann wäre zwar auch eine Kompromisslösung denkbar, sprich Flick zu einem späteren Zeitpunkt für das Bundestraineramt freizugeben – dazu bietet sich aber eigentlich nur der Zeitpunkt nach der WM 2022 an, die blöderweise mitten in der Vereinssaison stattfindet.
Es ist also durchaus kompliziert. Für alle Seiten. Positiv für Flick ist: Sein Signal an den DFB ist ausgesendet, die Bayern sind alarmiert - jetzt sind Bierhoff und die DFB-Gremien am Zug.
Das könnte Dich auch interessieren: Verstärkung im Sommer: Bayern baggert an 150-Millionen-Mann

Goretzka-Tor war einstudiert: Flick dankt Klose für Ecken-Trick

Bundesliga
Kurioser Schuhwechsel bei Lewandowski: Mit der alten Marke klappt's
13/03/2021 AM 23:11
Bundesliga
Drei Dinge, die auffielen: Müller in EM-Form macht den Unterschied
13/03/2021 AM 17:54