Schon wieder der FC Bayern München. Meister. Ach nein? Wie oft jetzt hintereinander? Neun Mal. Ach ja.
Wer sich hier ertappt fühlt, weil er am Samstag nach der Titel-Entscheidung in der Bundesliga auch mit den Schultern gezuckt hat, sollte zumindest jetzt weiterlesen.
Denn der neunten Meisterschaft in Folge, der Tatsache, dass Robert Lewandowski mit 39 Toren auf dem besten Weg ist, den Rekord von Gerd Müller zu brechen und der Dominanz der Konkurrenz gebührt mehr als Gleichgültigkeit.
Bundesliga
39 Tore nach 32 Spieltagen: Lewandowski schnuppert am Müller-Rekord
08/05/2021 AM 20:46
"Lewy" ist das Sinnbild dieser Saison. Der 32-jährige Weltfußballer lebt diszipliniert, liefert auf dem Platz ab wie eine Maschine und vergisst nicht, dass er Teil einer funktionierenden Mannschaft ist. Er trifft alle 59 Minuten, hat jetzt 201 Bundesliga-Tore nach 217 Einsätzen auf dem Konto. "Ich kann dankbar sein, dass ich so viele Vorlagen bekomme", sagte er unter anderem bei "Sky". Es war seine bedeutendste Aussage.

FC Bayern: Echte Freude in den Gesichtern

Eines wurde besonders deutlich bei den "Feierlichkeiten" nach dem eindrucksvollen 6:0 (4:0) am 32. Bundesliga-Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach. Beim Jubel-Kreis in der Mitte, beim Singen von "Campeones!" war echte Freude in den Gesichtern zu erkennen. Trainer Hansi Flick hat den Teamgeist gepflegt, gehegt und zur Basis des Erfolgs gemacht. In einer schwierigen Saison mit engem Zeitplan, Corona-Sorgen und ohne Fans im Stadion war das eine schwere Herausforderung.
"Nach der erfolgreichen letzten Saison hatten wir kaum Urlaub, die Mannschaft hat sehr häufig alle drei Tage gespielt, aber sehr gut performt. Die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel. Wir sind froh, dass es geklappt hat", blickte Flick zurück.
Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge lobte: "Unsere Spieler haben nicht nachgelassen, sie sind hungrig geblieben und haben sich diesen Titel hart erarbeitet. Den fünften Stern, der künftig unsere Trikots schmücken wird, hat sich dieser Club über viele Jahre verdient."
Genau wie die anschließenden Feierlichkeiten. "Ich hab mit Rummenigge angestoßen, der kam zu mir in die Trainerkabine", verriet Flick.

Robert Lewandowski, Thomas Müller und Manuel Neuer mit den Shirts zur neunten Bayern-Meisterschaft in Folge

Fotocredit: Getty Images

Die "Immer-Weiter-Bayern"

Indiz für den Zusammenhalt ist ebenfalls, dass jeder Spieler am Samstag im Bayern-Trikot bereit war, Lewandowski bei seinem Ziel, die 40-Tore-Rekordmarke zu knacken, zu helfen. "Den Eindruck konnte man durchaus gewinnen…", sagte Thomas Müller ironisch mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
Von der grottenschlechten Vorstellung Gladbachs abgesehen, so war die Partie trotzdem ein Beispiel dafür, dass die Bayern das Motto "Immer weiter" leben. Es scheint kein Zufall, dass der Urheber desselben, Oliver Kahn, zum Jahresende den Chefposten von Rummenigge übernimmt.
Die Glückwünsche für die insgesamt 31. Meisterschaft gab es bereits vor dem Anpfiff, weil RB Leipzig bei Borussia Dortmund verlor (2:3), danach aber spielten die Bayern, als sei noch gar nichts entschieden. Lewandowski traf drei Mal (2., 34., 66.), zudem waren Müller (23.), Kingsley Coman (44.) und der eingewechselte Leroy Sané (86.) erfolgreich.

Müller kennt das Erfolgsrezept

"Neunmal in Folge Meister, das ist schon verrückt. Und ich war jedes Mal dabei. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte Müller und fügte an: "Wenn du als kleiner Junge losziehst, denkst du nicht, dass du beim FC Bayern mal in der ersten Mannschaft spielst. Da bist du froh, wenn du Tickets fürs Stadion kriegst."
Durch seine langjährige Erfahrung weiß Müller auch am besten, welche drei Faktoren das Erfolgsgeheimnis des FC Bayern ausmachen. Nämlich Gier, Zusammenhalt und Qualität. In Müllers Worten klang es so:
"Es ist dieses Gefühl, dieser Hunger, jedes Spiel gewinnen wollen. Das gibt dir den Kick. Den wollen wir uns immer wieder holen." Natürlich gebe es Verschleißerscheinungen, aber "am Ende haben wir mehr Durchhaltevermögen". Es sind auch die größten Unterschiede zur "Möchtegern"-Konkurrenz des BVB und RB Leipzig. FCB-Kapitän Manuel Neuer ergänzte: "Es ist eine Genugtuung für uns. Wir wollten zeigen, dass wir der wahre deutsche Meister sind."
Gleichzeitig landete ausgerechnet die Münchner Polizei bei "Twitter" einen Volltreffer, als sie eine "Vermisstenfahndung nach der Konkurrenz" abgaben. Begründung: "Seit ca. neun Jahren wird aus der Bundesliga die Konkurrenz vermisst. Sachdienliche Hinweise bitte an den FC Bayern oder jede Polizeidienststelle."

Kahn gibt die neue Richtung vor

In der Champions League und im DFB-Pokal kamen die Bayern in dieser Saison nicht über die zweite Runde beziehungsweise Viertelfinale hinaus. Grund genug für die hungrigen Bayern, nächstes Jahr dort wieder zu attackieren. Mit Julian Nagelsmann kommt ein motivierter Trainer, Kahn möchte seine Akzente als Vereinsboss setzen.
Mit seinen Ideen und Mentalität dachte er im Moment des Triumphs schon an die Zukunft. "Jetzt können wir in der nächsten Saison etwas schaffen, das noch keine Mannschaft auf der Welt geschafft hat: Zehnmal Meister in Folge zu werden", sagte er mit leuchtenden Augen und kündigte an: "Der Weg dieser Mannschaft ist noch lange nicht zu Ende."
Die Dominanz der Münchner mag so manchen Fan auch dann langweilen und sie ist in dieser Dimension sicher auch ein Armutszeugnis für die Konkurrenz. Großer Respekt gebührt ihr jedoch vor allem.
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(SID)

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