Foul oder nicht? Diese Frage erhitzte beim BVB nach dem 2:4 gegen den FC Bayern München die Gemüter. Was war passiert? Kurz vor dem 3:2 von Leon Goretzka (88.) hatte Leroy Sané den Dortmunder Emre Can im Mittelfeld umgerempelt. Schiedsrichter Marco Fritz ließ jedoch weiterspielen, Bayern traf, der VAR griff nicht ein.
Eine Entscheidung, die vor allem BVB-Kapitän Marco Reus erzürnte. "Das 3:2 war für mich ein ganz klares Foulspiel", meinte der Dortmunder bei "Sky" und versteifte sich zur These: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er hundertprozentig gepfiffen. Es ist einfach so. Fertig aus."
Beim "ZDF" legte er nach: "Für mich hat der Schiri keine Eier gehabt, da zu pfeifen." Der 31-Jährige wollte zwar nicht von einem Bayern-Bonus sprechen, prangerte aber an, dass Fritz in engen Situationen immer zugunsten der Bayern entschieden habe: "Ich sage einfach nur: bei Bayern wär's gepfiffen worden. Ist so."
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Aussagen, die "Sky"-Experte Lothar Matthäus nicht ganz nachvollziehen konnte. "Der Satz kommt aus der Emotion. Das war ein Körpereinsatz, beide gehen mit dem Oberkörper ran, auch mit dem Arm. Das muss er nicht pfeifen. Für mich ist das kein Foul", sagte der deutsche Rekordnationalspieler.
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Emre Can fand Spielführung einseitig

BVB-Trainer Edin Terzic meinte dagegen: " Für mich ist das auch ein klares Foul. Wir müssen das jetzt leider so akzeptieren."
Ins selbe Horn stieß auch der in die Szene involvierte Can. Der meinte zwar nicht unbedingt, dass die Szene hätte abgepfiffen werden müssen ("Kann er pfeifen, muss er nicht"), fand die Spielführung von Fritz aber auch etwas einseitig.
"Generell hat er in der zweiten Halbzeit zu viel auf Zuruf gepfiffen", meinte der Dortmunder Defensivspezialist: "Das macht uns manchmal den Rhythmus kaputt, wenn er die Fifty-Fifty-Sachen immer für Rot pfeift. Das war heute ein bisschen zu oft, das habe ich ihm auch gesagt. Das darf den Schiri auch nicht passieren, das ist einfach nur bitter."

Müller plädiert pro "laufen lassen"

Ganz anders bewertete logischerweise Thomas Müller auf Seiten der Bayern die strittige Szene. "Für mich ist das kein Foul", sagte er im "ZDF": "Leroy hat den Zweikampf relativ sauber geführt. Kann man diskutieren, aber am Ende der Diskussion steht glaube ich, dass es nicht für ein Foul reicht."
Er könne Reus verstehen - "wenn man ein Spiel verloren hat, ist es klar, dass man sich vielleicht diese Szene rausnehmen kann", meinte der Bayer bei "Sky", urteilte aber:
"Da gehen beide mit dem Körper zum Ball und natürlich ist das im Mittelfeld auch mal gepfiffen worden, aber diese Partie hatte so viele intensive Zweikämpfe und ich glaube nicht, dass wir wollen, dass solche Duelle an der Mittellinie abgepfiffen werden, sonst haben wir immer nur noch 'Stop and Go', 'Stop and Go'."
Zudem betonte Müller, dass die Szene zwischen Can und Sané "direkten Einfluss auf die nächste Situation" – sprich das Tor – gehabt habe. Laut "ZDF" lagen ganze 32 Sekunden zwischen Sané-Kontakt und Bayern-Treffer.

"Rassige" Zweikämpfe erwünscht

"Ich hätte es auch gegen uns nicht als Foul gesehen – das könnt ihr mir jetzt glauben oder nicht", sagte er Moderator Sebastian Hellmann und Matthäus im "Sky"-Studio.
Am Ende sei Fritz' Spielführung, die ihn an Martin Gräfe erinnert habe, "genau richtig" gewesen: "Diese Art, Fußballspiele zu leiten gefällt mir viel, viel besser, denn auf diese rassigen Zweikämpfe kommt's am Ende auch an."
Müller, der zuletzt wegen einer Sars-CoV-2-Infektion vier Pflichtspiele gefehlt hatte und erst am vergangenen Wochenende als Joker zurück ins Bayern-Spiel gekommen war, habe in den vergangenen Wochen zuhause "viele Fußballspiele angeschaut und es gibt nichts Schlimmeres, als wenn immer alles gleich abgepfiffen wird".
Rein statistisch pfiff Fritz übrigens 13 Fouls gegen den BVB und "nur" acht gegen Bayern. Die Münchner hatten aber auch deutlich mehr Ballbesitz (66 Prozent) – also normale Werte.

Reus sieht Schuld auch beim BVB

Eine weitere strittige Szene beurteilte dann übrigens auch Reus zu Ungunsten des BVB. Er selbst war kurz nach der Halbzeitpause im Strafraum der Bayern von Joshua Kimmich zu Fall gebracht worden. Auch hier blieb Fritz' Pfeife stumm, der VAR schritt nicht ein.
Reus fand das okay. "Ich würde sagen: kein Foul", sagte er nach dem Spiel: "Es sah im ersten Moment nach mehr für mich aus, weil ich ganz klar am Ball bin und er kommt mit dem Körper. Aber: das ist kein Foul."
Die Niederlage habe sich der BVB indes auch selbst zuzuschreiben, kritisierte der Kapitän. Dass Bayern noch vor der Pause von 0:2 auf 2:2 zurückkommen konnte, wäre zu verhindern gewesen. "Das erste und zweite Tor kannst du locker verteidigen, weil wir in Überzahl waren. Die haben wir zu schnell bekommen", sagte der 31-Jährige.
Nach der Pause sei dann wenig zu holen gewesen: "Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig Torgefahr gehabt." Spielerisch habe dem BVB Tiefe und längere Ballbesitzphasen zur Entlastung gefehlt. Reus: "Dann kommt die zweite, dritte, vierte Welle und das ist schwierig, das alles zu verteidigen. Wir haben es lange eng gehalten. Am Ende entscheidet so eine Kleinigkeit – das ist bitter."
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