Genau 295 Tage lang hielt der Nimbus der Unbesiegbarkeit des FC Bayern.

Die letzte Mannschaft, die den Rekordmeister wettbewerbsübergreifend in die Knie zwingen konnte, war Borussia Mönchengladbach (2:1) vor fast zehn Monaten, genauer am 7. Dezember des vergangenen Jahres.

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Seitdem starteten die Münchener eine beispiellose Erfolgsserie, an dessen Ende 31 Siege in 32 Partien und nicht zuletzt vier Titel standen. Am Sonntagnachmittag nahm jener Fabellauf schließlich ein krachendes Ende.

Die TSG Hoffenheim verpasste den Münchnern eine 4:1 (2:1)-Abreibung und ließ die Bundesliga kollektiv aufatmen: Der FC Bayern kann doch noch verlieren!

FC Bayern: Flick beklagt Terminhatz

"Es war ja klar, dass wir irgendwann verlieren. Wir haken dieses Spiel ab und vertrauen immer noch in unsere Stärke", gab sich Hansi Flick trotz der Klatsche an alter Wirkungsstätte bei "Sky" durchaus gelassen.

Selbstverständlich ist die Pleite des Triple-Siegers eine faustdicke Überraschung, betrachtet man jedoch die Strapazen der vergangenen Monate, ist ein Leistungsabfall jedoch nur allzu verständlich.

"Ich bin kein Trainer, der gerne in der Vergangenheit lebt. Wir leben im Hier und Jetzt und wir müssen das Beste aus der Situation machen. Aber die Mannschaft hat zwei Wochen Pause nach dem Pokalfinale gehabt, dann war Vorbereitung auf die Champions League, dann wieder zwei Wochen Urlaub, dann eine Woche Mannschaftstraining, dann das erste Bundesligaspiel", klagte Flick und fügte an: "Ganz so vorbereitet wie andere Mannschaften sind wir nicht, das ist ganz normal."

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Müller und Neuer wollen von fehlender Frische nichts wissen

Kein Wunder, immerhin liegt der letzte Auftritt seiner Mannschaft - der kräftezehrende 2:1-Sieg nach Verlängerung im Supercup gegen den FC Sevilla - lediglich drei Tage zurück. Als Vorwand wollten die Bayern-Stars dies jedoch keineswegs gelten lassen.

"Wir suchen keine Ausreden, das erwartet uns in diesem Jahr. Man hat es schon öfter gemerkt in der Vergangenheit, dass alle paar Tage ein Spiel ist und wir als Mannschaft wissen, was uns erwartet. Dementsprechend können wir nicht so viel darüber sprechen, dass wir nach dem Spiel kaputt sind, sondern wir müssen das annehmen", forderte Manuel Neuer bei "Sky".

Munas Dabbur (TSG Hoffenheim) überlupft Manuel Neuer zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen den FC Bayern

Fotocredit: Imago

In die gleiche Kerbe schlug auch Thomas Müller. "Der Akku ist natürlich nicht zufrieden, aber ich denke nicht, dass das heute an körperlichen Geschichten lag. Ich denke, dass wir genug Kraft hatten. Wir haben ja auch ein paar frische Kräfte gebracht, die Diskussion brauchen wir nicht anstoßen", betonte der ehemalige Nationalspieler in aller Deutlichkeit."

Tatsächlich lag die Ursache für die deutliche Niederlage im Kraichgau vielmehr an der erzwungenen Startelf-Rotation.

FC Bayern: Reichen Zirkzee und Tolisso als Backup?

In der Offensive schenkte Flick wie schon beim letzten Aufeinandertreffen in Hoffenheim (6:0) Youngster Joshua Zirkzee das Vertrauen für den angeschlagenen Robert Lewandowski. "Joshua hat eine sehr gute Entwicklung gemacht, er ist torgefährlich, im Training zeigt er, wozu er fähig ist", begründete der Triple-Trainer die Nominierung des 19-Jährigen.

Einzig auf Wettkampfebene konnte er dies nur bedingt unter Beweis stellen. Der Niederländer probierte viel (vier Torschüsse), letztlich fehlte ihm jedoch sowohl die Bindung zum Spiel (25 Ballkontakte) als auch die Durchschlagskraft (29 Prozent gewonnene Zweikämpfe), um in die astronomischen Fußstapfen des Polen zu treten.

Nach nicht einmal einer Stunde musste Zirkzee dann wieder für Platzhirsch Lewandowski weichen (57.). Obwohl der junge Angreifer zweifelsohne seine Qualitäten hat, stellt sich doch die Frage, ob er in seiner Entwicklung weit genug ist, um dauerhaft als alleiniger Lewandowski-Ersatz herzuhalten.

Corentin Tolisso und Joshua Zirkzee - FC Bayern München

Fotocredit: Imago

Eine Reihe dahinter durfte Corentin Tolisso anstelle von Leon Goretzka von Beginn an ran. Der französische Weltmeister konnte seine Chance aber einmal mehr nicht nutzen. Eine Verstärkung im zentralen Mittelfeld wäre nach dem Abgang von Thiago (FC Liverpool) daher weiterhin dringend von Nöten.

Genau wie auf der Außenbahn, wo Leroy Sané zum jetzigen Zeitpunkt der Saison bereits einen großen Teil der Offensivlast schultern muss, obwohl er nach seinem überstandenen Kreuzbandriss noch nicht bei 100 Prozent ist, wie er zuletzt selbst betonte.

Nach 73 Minuten humpelte der Neuzugang gegen Hoffenheim vom Feld. Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei der Auswechslung (für Kingsley Coman) nur um eine Vorsichtsmaßnahme handelte.

FC Bayern: Flick fordert erneut Verstärkungen

Zweifelsohne verfügt der FC Bayern in der aktuellen Besetzung über einen der besten Kader in Europa. Möglicherweise hat das Starensemble aber derzeit noch zu wenig Substanz, um in allen Wettbewerben dauerhaft bestehen zu können. So ist es nicht verwunderlich, dass Flick seine Forderung nach Verstärkungen im Anschluss an das Debakel gegen die TSG noch einmal erneuerte.

"Wir brauchen noch ein bisschen Qualität in der Breite, um dem einen oder anderen Spieler noch eine Pause zu geben. Wir gucken nach vorne, bereiten uns intensiv auf Dortmund (DFL-Supercup am Mittwoch, 20:30 Uhr im Liveticker) vor, schauen, dass wir uns 100 Prozent erholen. Es bleibt uns nichts anderes übrig. Wir müssen Wege finden, Erfolg zu haben", erklärte Flick fast schon etwas verzweifelt.

An dieser Stelle kommt Sportdirektor Hasan Salihamidzic ins Spiel. Der 43-Jährige ist nun gefordert, den Kader der Bayern punktuell mit Neuzugängen zu verstärken.

"Wir lassen uns viele Optionen offen, sind im ständigen Austausch mit dem Trainerteam und schauen, was möglich ist", versicherte Salihamidzic am "Sky"-Mikrofon. Bis zum 5. Oktober ist das Transferfenster noch geöffnet - viel Zeit bleibt ihm somit nicht mehr.

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