Seine Chefs hatte Hans-Dieter Flick schon unmittelbar nach dem Aus im Viertelfinale bei Paris Saint-Germain am Dienstag von seiner Entscheidung unterrichtet. Mit seinem öffentlichen Statement nach dem 3:2-Sieg beim VfL Wolfsburg am 29. Bundesligaspieltag dürfte er den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, dessen designierten Nachfolger Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic aber kalt erwischt haben.
"Ich habe der Mannschaft nach dem Spiel gesagt, dass ich nach der Saison gerne aus meinem Vertrag raus möchte. Das ist Fakt", sagte der 56-Jährige gegenüber "Sky" und sorgte damit für Klarheit in der seit Monaten geführten Debatte um seine Zukunft.
"Mir war es aber wichtig, dass die Mannschaft das nach knapp zwei erfolgreichen Jahren von mir erfährt, weil es das ein oder andere an Flurfunk schon gegeben hat", begründete der Trainer sein Vorpreschen, mit dem er den Druck auf die Entscheidungsträger beim Rekordmeister nun erhöht.
Bundesliga
Schock für den FC Bayern: Flick will im Sommer gehen
17/04/2021 AM 16:05
Denn nicht mal ein Jahr nach dem zweiten Triple der Vereinsgeschichte, nach dem einmaligen Sextuple (Deutsche Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League, DFL-Supercup, UEFA-Supercup, Klub-WM) werden die Münchner am 1. Juli ohne den Vater dieses Erfolgs auskommen müssen.

Genauso viele Titel wie Niederlagen: Die Bayern-Ära unter Flick

Warum aber gibt Flick seinen Job beim erfolgreichsten Klub Deutschlands, bei dem er noch einen laufenden Vertrag bis zum 30. Juni 2023 hat, auf, wie reagieren Spieler und Verantwortliche und wer könnte den Job des 56-Jährigen übernehmen?
Eurosport.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten.
WER SOLL DEN FC BAYERN 2021/22 TRAINIEREN?

Warum will Flick weg?

"Die Gründe, warum ich die Entscheidung getroffen habe, habe ich mit dem Verein besprochen und die bleiben jetzt erstmal intern", blockte Flick jegliche Nachfragen nach den Gründen für seine Entscheidung zunächst ab. Längst scheint jedoch klar, dass die Ehe zwischen Trainer und Klub vor allem an internen Differenzen scheiterte.
Das Verhältnis zu Sportvorstand Hasan Salihamidzic ist zerrüttet, daraus machen beide keinen Hehl. In den rund 18 Monaten, die Flick nun Cheftrainer beim Rekordmeister ist, gerieten beide immer wieder aneinander. Vor allem in Transferfragen herrschte nicht selten Uneinigkeit.
Flick fühlte sich zu wenig mitgenommen in Transferentscheidungen des Klubs, Salihamidzic sieht diesen Bereich jedoch klar als den seinen an. Ein Konflikt, der Flick laut "Sky"-Experte Lothar Matthäus zunehmend zusetzte.

Hansi Flick vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

"Er fühlt sich nicht mehr so wohl wie in den ersten Monaten, er hat das alles mit sich rumgetragen", sagte der kürzlich 60 Jahre alt gewordene ehemalige Bayern-Kapitän. Dass sich Flick nun klar positionierte, sei "eine Erleichterung für ihn", so Matthäus weiter. Auffällig auch, dass sich Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel namentlich bei den Personen bedankte, die ihm einst das Vertrauen schenkten. "Ich bin dem Verein dankbar. Ob das Kalle (Rummenigge, Anm. d. Red.), Uli (Hoeneß, Anm. d. Red.) oder Herber Hainer sind", sagte der gebürtige Heidelberger, ließ den Namen Salihamidzic aber weg.
Zusätzlich dürfte der Umstand, dass es gleichzeitig auch die Chance gibt, den Job des Bundestrainers von Joachim Löw nach der Europameisterschaft im Sommer zu übernehmen, Flicks Entscheidung beeinflusst haben.
"Reisende soll man nicht aufhalten", sagte Rummenigge kürzlich noch im Hinblick auf David Alaba. Das gilt dann natürlich auch für den Trainer.

Wie reagieren die Bayern-Bosse?

Am Samstagaben hielten sich die Vereinsoberen bedeckt. Ein klares Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen von der öffentlicher Kundgabe des Trainers kalt erwischt wurden. Weder Rummenigge, noch Salihamidzic oder Kahn äußerten sich bislang öffentlich.
Laut Informationen der "Bild" wurden die Bosse auf dem Weg zum Flughafen von Flicks Vorstoß überrascht. Der ehemalige Präsident Uli Hoeneß gab sich in einem Telefonat mit "Sky"-Reporter Uli Köhler unwissend, behauptete, nicht im Bilde zu sein.
Ob das so stimmt, darf bezweifelt werden. Der 69-Jährige hat noch immer engen Kontakt zu allen Entscheidungsträgern im Verein und wurde höchstwahrscheinlich auch informiert, nachdem Flick im Anschluss an das Champions-League-Aus seine Vorgesetzten informierte.
Am Sonntag reagierten die Verantwortlichen dann mit einer schriftlichen Stellungnahme, indem sie ihren Unmut mitteilten: "Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick", hieß es darin. Die Gespräche über die Zukunft werde man wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz am 24. April fortsetzen.
FLICK WILL BAYERN VERLASSEN - WIE FINDET IHR DIE ENTSCHEIDUNG?

Wie reagieren die Spieler?

Manuel Neuer (Kapitän): "Die Gründe sind für uns in erster Linie nicht so wichtig. Es ist eine emotionale Geschichte für uns alle, die wir als Mannschaft jetzt auch erstmal so aufnehmen und verarbeiten müssen, weil wir ja doch eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit gemeinsam hatten. Für ihn war es auch wichtig, dass er es uns persönlich sagt. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir ein sehr gutes Verhältnis haben."
Thomas Müller: "Er hat es uns nicht begründet. Er hat nur gesagt, dass er auch sehr viel Energie gelassen hat in den letzten extrem intensiven eineinhalb Jahren. Um Trainer beim FC Bayern zu sein, braucht man natürlich grundsätzlich ein dickes Fell. Genau begründet hat er es uns nicht, aber das muss er auch nicht."
David Alaba (verlässt den Verein im kommenden Sommer ablösefrei): "Große Schritte gemeinsam. Letzte Schritte gemeinsam. Wir kämpfen bis zum Ende, Coach."

Was macht der DFB?

Wenn nicht ohnehin schon geschehen, werden sich die Oberen des DFB nun mit Flick in Verbindung setzen, um dessen Bereitschaft, die Nachfolge von Joachim Löw anzutreten, abzufragen. "Beim DFB steht Flick ganz oben auf der Liste und dann kommt lange nichts", sagte Matthäus am Dienstag nach dem Champions-League-Aus bei "Sky". "Alle kennen ihn beim DFB, alle mögen ihn beim DFB. Jeder wird sich ihn wahrscheinlich wünschen", legte er am Samstag nach.
Flick beteuerte, dass seine noch "überhaupt nicht klar" sei. Mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff habe es noch kein Gespräch zum Thema Bundestrainer gegeben, allerdings sei der DFB "natürlich eine Option, die sich jeder Trainer überlegen" müsse.
Bierhoff und DFB-Präsident Fritz Keller hatten zuvor bereits klargemacht, dass sie keinen Trainer mit einem laufenden Vertrag ansprechen würden. Dies würde, sollten die Bayern dem Wunsch des Triple-Trainers entsprechen und ihm im Sommer aus seinem Arbeitspapier lassen, auf Flick dann auch nicht mehr zutreffen.

Hansi Flick (vorne) möchte den FC Bayern München im Sommer verlassen

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Allerdings könnte der Klub von einem neuen Arbeitgeber eine Ablöse fordern - was für den DFB zum Problem werden könnte: "Ich glaube die Ablöse, die der DFB bezahlen kann, wird ganz sicher nicht in der Höhe möglich sein, wie es nun bei Bundesliga-Trainern üblich ist – wenn man das mal mit Marco Rose (für 5,0 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund) und Adi Hütter (für 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach) vergleicht", glaubt Matthäus.
EIne Lösung würde sich wohl aber auch bei diesem Problem finden lassen. In welcher Form auch immer.

Wer sind die Kandidaten?

Bereits am vergangenen Dienstag hatte der Name Julian Nagelsmann Schalgzeilen in Verbindung mit dem FC Bayern gemacht. Grund war die Aussage Matthäus', die Münchner hätten bereits mit dem Leipzig-Trainer in Bezug auf eine Flick-Nachfolge telefoniert und auch schon "über wirtschaftliche" Dinge gesprochen. Am Samstag befeuerte er dieses Gerücht weiter und brachte sogar gleich einen neuen Mann für die Sachsen auf die Agenda: "Meine Meinung ist: Flick zum DFB, Nagelsmann zu Bayern und Jesse Marsch zu Leipzig."

Gespräche mit dem FC Bayern? Nagelsmann über Matthäus verwundert

Nagelsmann selber dementierte die Gerüchte über seine Person tagsdrauf umgehend. "Es gab und gibt keine Gespräche", sagte der 33-Jährige, der seinerseits noch bis 2023 bei RB unter Vertrag steht.
Erik ten Haag in ein weiterer Name, der immer wieder in Verbindung mit dem Rekordmeister genannt wird. Schon vor der Verpflichtung von Niko Kovac sollen die Münchner sich mit dem Niederländer, der aktuell Ajax Amsterdam trainiert beschäftigt haben. Auch über Mark van Bommel, zuletzt in Diensten der PSV Eindhoven und mit Bayern-Stallgeruch versehen, wurde bereits spekuliert.
Und dann ist da noch Ralf Rangnick, der zuletzt Eintracht Frankfurt absagte und dessen auch rund um die Nachfolge von Bundestrainer Löw beim DFB kursierte. Allerdings ist der 62-Jährige bekannt dafür, bei seinen Arbeitgebern gerne alle Zügel in der Hand zu haben und besonders das Transfergeschehen maßgeblich mit bestimmen zu wollen.
Ein Umstand, der nicht wirklich mit Salihamidzic zusammenpasst. Das haben die letzten Monate eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
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