Daniel Caligiuri fand's ziemlich doof.
"Ganz, ganz bitter", nannte der Mittelfeldspieler des FC Augsburg die 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München am Mittwochabend: "Wir sind enttäuscht, dass wir hier nichts mitgenommen haben." So ging's wohl allen, die es mit dem FCA halten. Denn: "Wir haben ein super Spiel gemacht, haben super dagegengehalten, hatten Mut im Spiel nach vorne. In der zweiten Halbzeit hätten wir den Ausgleich verdient gehabt."
In der Tat hatte man ein Duell mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten erlebt. Im ersten Durchgang dominierte Bayern, hätte auch höher als 1:0 (Lewandowski, 13./Elfmeter) führen können. Nach der Pause kam aber Augsburg immer besser ins Spiel und hätte den Ausgleich durchaus erzielen können - Alfred Finnbogason verschoss jedoch einen Elfmeter (76.).
Bundesliga
"Kriegen's wie so oft nicht hin": Bayern hadert mit Zittersieg
20/01/2021 AM 23:19
Drei Dinge, die uns beim Bayern-Duell am letzten Hinrunden-Spieltag auffielen.

1. Konstanz ist eine Stadt am Bodensee

Und eben kein Prädikat, dass den FC Bayern 2020/2021 auszeichnet. Die Münchner brannten in Augsburg eine der besten ersten Halbzeiten der Saison auf den Rasen, um nach der Pause unerklärlicherweise wieder nachzulassen.
Eingedenk der Tatsache, dass die Bayern trotz 12:0 Torschüssen, 60 Prozent Ballbesitz und einiger guter Chancen nach dem ersten Durchgang nur mit 1:0 führten, war das ein Spiel mit dem Feuer.
Spielten sich die Münchner in der ersten Halbzeit noch einige gute Möglichkeiten heraus, wirkten scharf im Gegenpressing, aufmerksam in direkten Duellen und immer hart am Mann, war davon nach der Pause nur noch wenig übrig.
Je länger das Spiel dauerte, umso fahriger wirkten die Münchner, umso weniger giftig in den Zweikämpfen. Das baute die Hausherren auf: Im zweiten Durchgang kehrte Augsburg das Torschussverhältnis der ersten Halbzeit beinahe um (9:1).
"Das war in der zweiten Halbzeit wirklich dünn, was wir angeboten haben", bemängelte Joshua Kimmich: "Wie so oft kriegen wir es nicht hin, souverän weiterzuspielen und müssen wieder fighten. Wir spielen auch nicht auf das zweite oder dritte Tor."
Dass Robert Lewandowski schon nach 65 Minuten mit leichten Oberschenkelbeschwerden runter musste, half den Bayern dabei absolut nicht. Mit Thomas Müller in der Sturmspitze strahlten die Gäste in den letzten 25 Minuten gar keine Torgefahr mehr aus. Die eingewechselten Corentin Tolisso, Leroy Sané (beide 66.) und Jamal Musiala (71.) spielten ungenau, sorgten für wenig Entlastung.

Joshua Kimmich - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Augsburg zog in der Schlussphase sogar ein kleines Powerplay um den Bayern-Strafraum auf, konnte die optische Überlegenheit aber nicht mehr zum Punktgewinn ummünzen. "Die zweite Halbzeit gibt uns Anlass, das Ganze kritisch zu sehen – aber auch die erste, da mussten wir das Spiel für uns entscheiden", tadelte Bayern-Coach Flick.

2. Neuer ohne Zutun zum Rekord

Wissen Sie noch, was Sie am 24. Oktober getan haben? Manuel Neuer weiß es noch – das letzte Mal in der Bundesliga zu Null gespielt nämlich (5:0 gegen Eintracht Frankfurt). Zumindest bis zu diesem Abend in Augsburg.
Mit nun insgesamt 196 Zu-Null-Spielen in der Bundesliga – gewertet werden nur Einsätze über 90 Minuten - schloss er damit zu Bayerns heutigem Vorstand Oliver Kahn auf, allerdings brauchte Neuer dafür 135 Bundesliga-Spiele weniger (422 zu 557).
Dass Neuer nicht noch länger auf die Einstellung des Kahn Rekords warten muss, lag vor allem an Finnbogason. Der eingewechselte Augsburger Stürmer hatte in der 76. Minute bei einem Elfmeter, Benjamin Pavard hatte zuvor ungeschickt mit der Hand gespielt, Neuer zwar in die falsche Ecke geschickt, aber nur den linken Pfosten getroffen.
"Das ist sehr bitter", sagte der Isländer über seinen ersten vergebenen Elfmeter im Augsburg-Trikot: "Den muss ich machen, da gibt es keine Entschuldigung." Zuvor hatte der 31-Jährige in der Bundesliga neunmal in Folge vom Punkt getroffen.
Zum anderen lag es aber auch an der generellen Ungenauigkeit der Hausherren, die zwar neunmal Richtung Bayern-Tor feuerten, Neuer damit allerdings zu keiner einzigen Parade zwangen.
"Das ist deshalb besonders, weil wir nur ein Tor vorne gemacht und damit die drei Punkte gesichert haben", sagte Neuer über seinen Rekord: "Wir haben kaum Großchancen zugelassen und dementsprechend haben wir's es uns auch verdient."

3. Schau den Lucas

David Alaba wird den FC Bayern München aller Voraussicht nach im Sommer verlassen – und die Bayern brauchen einen Nachfolger. Möglicherweise trägt der aktuell schon das Bayern-Trikot und heißt Lucas Hernández.
Der war jedenfalls mal, als er 2019 für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid verpflichtet wurde, primär für die linke Innenverteidigerposition geholt worden, muss aber nun, da Alaba sich unter Flick als Abwehrchef in der Innenverteidigung festgespielt hat, die Linksverteidigerrolle mit Alphonso Davies teilen.
Gegen Augsburg durfte Hernández wieder links hinten ran und machte seine Sache unter dem Brennglas der Öffentlichkeit vor allem in der ersten Halbzeit bemerkenswert gut.
Der Franzose überzeugte durch kompromissloses Spiel, schob oft furchtlos nach vorne und hatte einige Ballgewinne in der Augsburger Hälfte. Dazu führte Hernández die meisten Zweikämpfe auf dem Platz (19), von denen er elf gewann.
Hernández war es auch, der nach zwölf Minuten den Elfmeter für Bayern rausholte, weil er gegen Rani Khedira gewitzt in den Zweikampf ging und zur Belohnung am Fuß getroffen wurde. "Sehr gut, Lucki!", lobte nicht nur Müller immer wieder die Aktionen des 24-Jährigen.
"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, war sehr aggressiv, hat auch nach vorne Akzente gesetzt", lobte Flick: "Er hat seine Sache richtig gut gemacht."

Flick lobt Hernández: "War sehr aggressiv"

Dass Hernández nach der Pause nicht mehr so auffällig spielte, lag vor allem daran, dass er sich angesichts der generell nachlassenden Bayern vor allem auf die Defensive konzentrieren musste. Sein Manko bleibt zudem das Passspiel – gegen Augsburg verlor er 18 Mal den Ball und damit am häufigsten bei Bayern. Ein Makel, den er ablegen muss, will er 2021/2022 den Abwehrchef geben.
Und auch, wenn Hernández neulich als Alaba-Ersatz in der Innenverteidigung die Pokal-Niederlage bei Holstein Kiel (2:2, 5:6 i.E.) nicht verhindern konnte: In der Bundesliga ist der Franzose bemerkenswerterweise eine echte Bank. Seine persönliche Bilanz lautet dort nämlich: 25 Siege, vier Remis – und keine Niederlage.
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