Thomas Müller hatte gut lachen.
Kein Gegentreffer, dazu der fünfte Bundesliga-Sieg in Folge. Rein vom Ergebnis hätte es für den FC Bayern München im Auswärtsspiel bei Hertha BSC besser kaum laufen können. Der Rekordmeister steigt mit Rückenwind in den Flieger Richtung Klub-WM in Katar.
Dass sich die Münchner für den 1:0-Erfolg im Schneegestöber von Berlin ganz schön strecken mussten, konnte Müller aber nicht abstreiten.
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"Als wir den Platz betreten haben und der Rasen schon so leicht geschmatzt hat, da hat man schon gerochen, dass es ein hart umkämpftes Spiel wird", philosophierte der 31-Jährige mit einem kecken Lächeln auf den Lippen.
Dass es dennoch zum Sieg reichte, lag neben einem bestens aufgelegten Kingsley Coman auch an abschlussschwachen Berlinern.
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Zwei Lichtblicke und ein menschelnder Lewandowski

Es gibt solche Tage. Tage, an denen einfach nicht laufen will. Dass auch der sonst so beständig und fast maschinengleich abliefernde Robert Lewandowski davor nicht gefeit ist, wurde am Freitagabend im Berliner Olympiastadion deutlich.
Bayerns außerirdischer Torjäger, der zuvor in neun Bundesliga-Spielen in Folge getroffen hatte (insgesamt 24 Treffer nach 20 Spieltagen) und auf dem besten Weg ist, Gerd Müllers magische 40-Tore-Marke zu knacken, blieb gegen Herthas starke Innenverteidigung um Kapitän Niklas Stark auffällig blass. 35 Ballkontakte und zwei Schüsse aufs Tor von Rune Jarstein standen am Ende zu Buche.
"Man sieht, er ist auch nur ein Mensch. Das hat er uns jetzt heute bewiesen", analysierte "DAZN"-Experte Sandro Wagner passend, der als ehemaliger Stürmer solche Abende bestens kennt.
Dass selbst ein Elfmeter in der 11. Minute nicht den Weg ins Netz finden wollte, passte ins Bild. Zuvor hatte der Pole elfmal in Folge vom Punkt verwandelt.

Robert Lewandowski vergibt vom Punkt für den FC Bayern

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Gut für Bayern, dass Lewandowski von Wirbelwind Kingsley Coman als Unruheherd in der Offensive bestens vertreten wurde. Der umtriebige Franzose war der auffälligste Akteur im Offensiv-Konstrukt der Roten und hätte neben seinem etwas glücklichen Siegtor (21.) durchaus weitere Treffer beisteuern können (24./45.+4).
Generell fiel auf, dass die Münchner meist über außen gefährlich wurden. Auch der oft kritisierte Leroy Sané, Comans Pendant auf der rechten Seite, zeigte eine ansehnliche Partie. Beide waren im ersten Spielabschnitt von ihren Gegenspielern Peter Pekarík und Maximilian Mittelstädt kaum zu halten, arbeiteten zudem fleißig mit nach hinten. Dass Sané mit 15 Zweikämpfen die meisten aufseiten der Münchner bestritt, unterstrich seine Leistung.
"King hat sich durch die Eins-Gegen-Eins-Situationen, die er immer wieder sucht, selbst belohnt. Das macht er wirklich gut, genau wie Leroy", nahm Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Leistung der beiden Lichtblicke freudig zur Kenntnis.

2. Flick gewinnt das Spiel mit dem Feuer

Wie kompensiert man die Ausfälle von Leon Goretzka und Javí Martínez? Diese Frage musste sich Flick angesichts der coronabedingten Abstinenz der beiden zentralen Mittelfeldspieler stellen.
Wer allerdings mit einer weiteren Bewährungschance für Sommer-Neuzugang Marc Roca rechnete, der wurde vom Bayern-Trainer eines Besseren belehrt.
Statt auf den jungen Spanier oder Corentin Tolisso auf der Sechs zu setzen, brachte Flick mit Serge Gnabry einfach einen weiteren Angreifer.
"Wir haben ein bisschen anders gespielt", erklärte Müller bei "DAZN": "Eine offensive Variante im Mittelfeld mit Joshua Kimmich, Gnabry und Müller. Es war klar, dass Serge oder ich den defensiven Job mit übernehmen müssen, auch wenn es ein bisschen ungewohnt war."
Durch die zusätzliche Option im Angriff konnten die Bayern die Hertha mit ihrem Kombinationsspiel zwar noch besser einschnüren, waren aber mit Kimmich als einzigem Sechser defensiv anfälliger. Verlor der 25-Jährige einmal im Aufbauspiel den Ball, fand sich die Bayern-Verteidigung gerade in Halbzeit eins mehrfach in Unterzahl-Situationen wieder (42./44.).
Dass Flick das Spiel mit dem Feuer dennoch gewann, lag neben einem starken Manuel Neuer vor allem an abschlussschwachen Berlinern.

3. Herthas Matchplan stimmt

Wenn man den Protagonisten der Hertha im Anschluss an die Partie so lauschte, mochte man nicht wirklich den Eindruck gewinnen, als hätte der einst selbst ernannte Big-City-Klub gerade die fünfte Niederlage in den vergangenen sechs Spielen kassiert.
Kapitän Stark ärgerte sich zwar ob der vielen vergebenen Chancen, konnte der Partie aber auch viel Positives abgewinnen: "Dass wir dann mit null Punkten dastehen, ist ärgerlich. Man hat aber gesehen, dass wir Fortschritte machen. So können wir die nächsten Spiele angehen."
Hertha agierte gegen den Rekordmeister von Beginn an viel mutiger als noch vergangene Woche beim 1:3 in Frankfurt, setzte Bayern unter Druck, konterte schnell – nur nicht besonders effektiv.

Sami Khedira (r.) feierte gegen den FC Bayern sein Debüt für Hertha BSC

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"Alles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir gesehen. Deshalb kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen", meinte Coach Pal Dardai und wollte auch dem vergebenen Hochkaräter von Matheus Cunha kurz vor Schluss (89.) wenig Aufmerksamkeit schenken: "Er ist Stürmer. Wenn der Ball reingeht, dann ist das schön. Aber er hatte auch schon ein paar Kilometer in den Beinen. Ich würde ihm nie einen Vorwurf machen."
Dass mit Sami Khedira (kam in der 81. Minute) und Nemanja Radonjic zudem beide Winter-Neuzugänge nach ihrer Einwechslung einen guten Eindruck hinterließen, macht dem Hauptstadt-Klub zusätzlich Hoffnung.
"Wenn wir so arbeiten und spielen, werden wir in den kommenden Wochen sicher die Punkte holen", zeigte sich Khedira zuversichtlich.
Das wäre angesichts von nur 17 Punkten und Platz 15 in der Tabelle auch bitter nötig.
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