Reus: Ist der BVB ohne seinen Kapitän besser dran?

An Marco Reus scheiden sich aktuell die Geister. Seit seinem Wechsel von Gladbach nach Dortmund im Jahr 2013 galt der Nationalspieler als unverzichtbar beim BVB, aktuell entbrennt jedoch aufgrund der zuletzt gezeigten Leistungen eine Debatte über den Stellenwert des 31-Jährigen bei der Borussia. Ist der BVB ohne seinen Kapitän vielleicht sogar die bessere Mannschaft?

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Dass Marco Reus einer der besten deutschen Fußballer ist, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Dass der mittlerweile 31-jährige Familienvater Zeit seiner Karriere immer wieder von langwierigen Verletzungen heimgesucht wird, ist ebenfalls zur Genüge beschrieben.
Reus wäre vermutlich Weltmeister in Brasilien 2014 geworden, hätte die EM 2016 in Frankreich miterlebt - stattdessen kommt er auf gerade einmal 44 Länderspieleinsätze in den vergangenen neun Jahren. Eigentlich unglaublich.
Im Moment, die neue Spielzeit ist fünf Bundesliga- und einen Champions-League-Spieltag alt, ist Reus fit. Seine letzte Verletzung kostete ihn in der vergangenen Saison die komplette Rückrunde und Teile der Sommervorbereitung, doch der BVB-Kapitän meldete sich rechtzeitig zum Saisonauftakt im DFB-Pokal beim MSV Duisburg (5:0) fit und erzielte nach wenigen Sekunden mit seinem ersten Ballkontakt den Treffer zum Endstand.
Typisch, denn genau wie für seine häufigen Ausfallzeiten, ist Reus dafür bekannt, nach Verletzungen in Rekordzeit wieder der Alte zu sein. Der Alte, das heißt schlicht unverzichtbar.
Doch in dieser Saison ist das anders - und dafür gibt es Gründe.

BVB ohne Reus: Es gibt mehr Alternativen

Reus ist längst nicht mehr der alles überstrahlende Superstar beim BVB. Klar, er ist Identifikationsfigur und Leader, jemand, zu dem die vielen jungen Spieler aufschauen und von dem sie lernen. Aber im Rampenlicht stehen inzwischen meist andere.
Jadon Sancho zum Beispiel, der in der vergangenen zwei Bundesliga-Spielzeiten 29 Tore und 34 Assists auflegte und dessen Wert der BVB im Sommer (trotz Corona) auf 120 Millionen Euro festlegte. Dann wären da die beiden 17-Jährigen Giovanni Reyna und Jude Bellingham, die trotz ihres Alters regelmäßig in der Startelf stehen und in beeindruckender Art und Weise auf höchstem Niveau mithalten, mitunter sogar Leistungsträger sind.
Das Gesicht des neuen Borussia Dortmund ist derzeit aber sicherlich Erling Haaland. Die norwegische Naturgewalt ist DAS Stürmertalent in Europa. Der 20-Jährige traf 23 Mal in den ersten 26 Spielen für den BVB.
Reus wird ob der vielen leuchtenden Talente im Dortmunder Kader schlicht weniger vermisst. Zumal das Team auch ohne ihn in der Lage ist, Top-Leistungen abzurufen. Das war nicht immer so.

Auch ein Marco Reus wird älter

Reus war über Jahre der absolute Superstar beim BVB und wurde diesem Status auch mit sportlichen Leistungen auf dem Platz gerecht. Im Jahr 2019 erst wurde der gebürtige Dortmunder zum zweiten Mal zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekührt.
Dem BVB fehlte ohne Reus nicht selten die Durchschlagskraft, profitierte enorm von dessen Offensivkraft und scheinbar auch puren Präsenz auf dem Feld. Reus nahm den Druck von den Schultern seiner Kollegen und lieferte - über einen sehr langen Zeitraum.
Nun, es ist nicht gesagt, dass er genau das nun nicht mehr tut - In Hoffenheim z.B. sorgte er erst kürzlich nach seiner Einwechslung in Zusammenarbeit mit Haaland (ebenfalls eingewechselt) für den 1:0-Siegtreffer. Es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn Reus mit inzwischen 31 Jahren und über 1.000 (!) Verletzungstagen in seiner Zeit beim BVB deutlich seltener zum entscheidenden Mann avanciert.

Marco Reus und die Kapitänsfrage beim BVB

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht das grundsätzlich anders: “Dietmar Hamann analysiert oft sehr zutreffend. Hier liegt er aber komplett falsch”, konterte der 61-Jährige am Dienstag in der "Bild" und führte aus: "Wie will er auch mannschaftsinterne Vorgänge beurteilen können? Marco ist ein guter Kapitän."
Zudem gebe es inter keinen Kampf um die Binde: "Marco und Mats verstehen sich bestens. Dass Marco nach dieser langen Verletzungspause Zeit benötigt, seine Leistung zu stabilisieren, ist ja wohl einleuchtend. Wir wissen jedenfalls, was wir an ihm haben."
Dem ist von außen betrachtet wenig entgegenzusetzen, nur spricht im Moment auch einiges dafür, dass sich die Rolle des Kapitäns langsam aber sicher zu der eines Jokers entwickelt. So zumindest können die Aussagen von Trainer Favre auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit Zenit St. Petersburg (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) interpretiert werden: "Wichtig ist, dass er langsam zurückkommt. Er war sechs Monate verletzt. Das ist sehr lang. Normalerweise brauchen Spieler drei, vier Monate, um zurückzukommen. Wir müssen weiter aufpassen mit ihm. Es kommt nicht in einer oder zwei Wochen zurück. Das ist unmöglich."
Die Vergangenheit beim BVB hat jedoch auch gezeigt: Marco Reus ist ein Stehaufmännchen, dem alles zuzutrauen ist..
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Quelle: SID

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