In der 26. Minute war der Moment da, den Fußball-Fans in Deutschland nach dem Dreierpack vergangene Woche gegen Mönchengladbach erhofft, erwartet oder auch befürchtet hatten: Robert Lewandowski erzielte in Freiburg sein 40. Tor dieser Bundesliga-Saison.
Clever trat der Stürmer des FC Bayern München beim SC Freiburg zum Elfmeter an, verzögerte, guckte den Torhüter aus und verwandelte sicher in die rechte untere Ecke.
Tor-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72: eingestellt.
Bundesliga
Bayern nur remis - Lewandowski vergibt Mega-Chance zum 41. Tor
15/05/2021 AM 15:24
An der Seitenlinie fanden sich prompt seine Mitspieler und die komplette Bank des FC Bayern zusammen und standen für den Polen Spalier.

Lewandowski "sehr, sehr stolz"

"Das ist eine große Ehre für mich und etwas Besonderes für die moderne Geschichte der Bundesliga", meinte der Rekordmann im Anschluss an die Partie bei "Sky".
Dass Bayern den Sieg beim 2:2 im Breisgau verpasst hatte, war da schon längst Nebensache. "Ich bin sehr, sehr stolz. Alles, was gerade passiert, kann ich noch gar nicht so wirklich glauben. Dafür brauche ich noch einen Moment", erklärte der amtierende Weltfußballer.
Auch Kollege Thomas Müller, der den Elfmeter für Lewandowski herausgeholt hatte, war voll des Lobes. "Das Verrückte bei Lewy ist, dass das irgendwie normal ist wie er Dreierpacks schießt oder traumwandlerisch diese Tore macht. Gut, 40 hat er noch nie geschafft, aber er hat schon extrem viele Tore in den letzten Jahren gemacht. Das ist schon verrückt", so der 31-Jährige, der dem Torjäger sieben seiner 40 Tore aufgelegt hatte.
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Müller: "Ohne Gerd würden wir vielleicht immer noch zu Fuß anreisen"

Ohne eine Huldigung für seinen Namensvetter, der den Rekord 49 Jahre inne hatte und ihn sich seit Samstag mit Lewandowski teilt, wollte Müller sein Statement aber nicht stehen lassen. "Ich kann es gar nicht in diesen geschichtsträchtigen Kontext setzen, weil Gerd Müller diesen Verein mit seinen Toren überhaupt erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen. Ohne Gerd Müller würden wir vielleicht immer noch zu Fuß anreisen", meinte der Bayern-Star und ergänzte:
"Der Verein ist durch solche Spieler wie Gerd Müller groß geworden. Dass sich Lewy jetzt auf eine Stufe stellt, da kann man den Hut ziehen, aber das versteht sich von selbst. Die Mannschaft hat es ihm nicht nur gegönnt, sondern die würdigt das auch, was er für uns leistet."
Auch Lewandowski habe "nie gedacht", dass er einmal an diesen Fabel-Rekord herankommen würde: "Was Gerd Müller gemacht hat, ist unglaublich."
Im Moment des Torjubels vergaß der Pole seinen Vorgänger nicht. "4ever Gerd" war auf seinem schwarzen T-Shirt, das er unter seinem Trikot trug, zu lesen. Darüber prangte das Konterfei des legendären Bayern-Torjägers aus den 60ern- und 70ern. Eine schöne Geste, mit der Lewandowski auch seine Extraklasse neben dem Platz darlegte.

Robert Lewandowski stellt den Rekord von Gerd Müller ein

Fotocredit: Getty Images

Die Lobeshymnen von der Konkurrenz aus Freiburg ließen nicht lange auf sich warten. "Er ist für mich über Jahre hinweg der beste Stürmer auf dem Planeten", meinte Torschütze Christian Günter: "Von ihm kann jeder Stürmer und jeder Spieler etwas lernen."

Löw und Flick adeln Lewandowski

Das fand auch Bundestrainer Joachim Löw, der die Partie im Schwarzwald-Stadion auf der Tribüne mitverfolgte. "Es ist imponierend, so eine Anzahl an Toren zu erzielen. In der heutigen Zeit ist das noch schwieriger als es früher war", sagte er bei "Sport1":
"Gerd Müller war einmalig in Deutschland, aber irgendwann kommt jemand, der noch besser ist. So ist es mit allen Rekorden. Selbst wenn Lewandowski 41 Tore macht, wird auch dieser Rekord vielleicht irgendwann mal gebrochen werden. Aber überhaupt mal in die Nähe von 40 Toren in der Bundesliga zu kommen, ist überragend."
Noch beeindruckender: Lewandowski brauchte für die magische Marke gerade einmal 28 Spiele. Während Müller 71/72 verletzungsfrei durch die Saison kam und alle 34 Spiele absolvierte, verpasste der Pole im April verletzungsbedingt vier Partien. Zu diesem Zeitpunkt (26. Spieltag) stand er bereits bei 35 Toren. Schon am 6. Spieltag war der 32-Jährige aufgrund des Corona-bedingt engen Spielplans in Köln geschont worden.
Dafür erzielte Lewandowski insgesamt sieben seiner 40 Tore per Elfmeter, der "Bomber" dagegen keinen einzigen. Müller verschoss in seiner Rekordsaison sogar drei Strafstöße.
Auch Bayern-Trainer Flick reihte sich in die Liste an Gratulanten ein: "In den vergangenen Jahrzehnten hätte man nie daran geglaubt, dass dieser Rekord eingestellt wird", sagte der 56-Jährige, der die Münchner nach anderthalb Jahren und sieben Titeln verlassen wird: "Er wird diesen Rekord sicher eine Zeit lang haben. Aber wie lange, das liegt an der Konkurrenz. Man wird sehen, welche Granaten zukünftig in der Bundesliga auftauchen."

Lewandowski lässt beste Chancen zum alleinigen Rekord aus

Dass sich der 32-Jährige den alleinigen Rekord nicht schon am Samstag schnappte, lag auch an der für Lewandowskis Verhätnisse schlampigen Chancenverwertung. In der 78. Minute "klärte" er SC-Keeper Mark Flekken freistehend aus einem Meter in die Hände. Kurz zuvor hatte er bereits aus guter Position vergeben, genau wie sechs Minuten später per Kopf.
"Ich hätte heute mindestens noch ein Tor mehr schießen können, aber vielleicht kann man so einen Rekord nicht direkt brechen", meinte Lewandowski schmunzelnd. "Am Schluss hat man gesehen: Er ist auch nur ein Mensch", fand Müller.
Am kommenden Samstag wird Lewandowski im die Saison abschließenden Heimspiel gegen den FC Augsburg noch eine weitere Chance bekommen, sich die alleinige Bestmarke zu sichern. Und damit einer schon jetzt historischen Saison die Krone aufzusetzen.
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