Erling Haaland saß im cremefarbenen Pullover mit unkonventioneller, überdimensionaler Kapuze auf der Tribüne und durfte erstmals nach zehn Minuten jubeln: Raphaël Guerreiro hatte ihn, den etatmäßigen Strafstoßschützen, am Elfmeterpunkt hervorragend vertreten und locker zur Führung für Borussia Dortmund eingeschoben.
Im Anschluss zeigten sich die Schwarz-Gelben nicht mehr allzu gefährlich vor dem Augsburger Tor, die Fuggerstädter kamen überraschend zum Ausgleich, Julian Brandt stellte später den alten Abstand wieder her, ehe der BVB etliche Großchancen ausließ.
Großchancen, die der angeschlagene Norweger mutmaßlich im gegnerischen Kasten untergebracht – und somit für einen souveräneren Sieg gesorgt hätte. Letztlich reichte Brandts Treffer, die Hausherren gewannen mit 2:1. Der zweite Sieg binnen weniger Tage, nachdem Dortmund unter der Woche Sporting in der Champions League bezwungen hatte, der zweite Sieg in Haalands Abstinenz. Es geht zwar etwas weniger spektakulär zu, letztlich funktionieren die Westfalen aber offensichtlich auch ohne den Dauer-Knipser.
WM-Qualifikation
Haaland fällt wahrscheinlich für WM-Qualifikation aus
02/10/2021 AM 16:31
Aber: Trotz des Sieges, trotz des zwischenzeitlichen Sprungs auf Platz zwei, offenbarte die Mannschaft von Trainer Marco Rose einmal mehr Probleme, die auch er bisher nicht beheben konnte. In der Defensive präsentierten sich die Dortmunder bisweilen fahrig und unkonzentriert, ein ums andere Mal waren enorme Lücken zwischen den beiden Innenverteidigern Mats Hummels und Manuel Akanji auszumachen.

"Ein Mensch, keine Maschine": Rose spricht über Haaland-Verletzung

Beim 1:1, das nach einem Latten-Abpraller fiel, schaltete Augsburgs Andi Zeqiri deutlich schneller als seine Widersacher, grundsätzlich stellte der Schweizer die Borussen-Hintermannschaft mehrfach vor Komplikationen, nur wenige Sekunden nach der neuerlichen BVB-Führung brachte Zeqiri die Kugel erneut im Tor unter, wurde jedoch wegen eines Foulspiels zurückgepfiffen. Dennoch: Auch in dieser Szene machte die Defensivabteilung keinen sonderlich sattelfesten Eindruck.

BVB stellt drittschwächste Defensive der Liga

Ein Umstand, der sich ins bisherige Bild der Saison fügt. Mit nun 13 Gegentoren in sieben Bundesliga-Partien stellen die Dortmunder die drittschwächste Verteidigung der deutschen Beletage, nur die Torhüter von Hertha BSC (20) und Tabellenschlusslicht Greuther Fürth (19) mussten häufiger hinter sich greifen als Gregor Kobel. Der amtierende Pokalsieger kassierte in bislang jedem der sieben ausgetragenen Liga-Spieltagen mindestens einen Treffer.
Selbst gegen den FCA, der vor der Reise ins Ruhrgebiet lediglich zwei Tore zustande gebracht hatte und dementsprechend die harmloseste Bundesliga-Offensive stellt, änderte sich nichts daran, hielt Dortmund an der Gegentor-Tradition der laufenden Spielzeit fest.

Dortmund siegt gegen Augsburg

Fotocredit: SID

"Der Ausgleich hat uns ein bisschen die Beine weggezogen", sagte Rose nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. "Augsburg hat uns vieles abverlangt, sie waren immer unangenehm zu verteidigen. Wir mussten ständig auf Kontersituationen aufpassen."
Dies gelang nicht vollumfänglich, vor allem zu Beginn des zweiten Durchgangs machte Augsburg Druck, setzte sich bisweilen sogar vor dem Strafraum fest, weil die BVB-Protagonisten, allen voran das Innenverteidiger-Duo Hummels/Akanji und Axel Witsel Fehler im Spielaufbau produzierten.

FCA ärgert sich: "Wäre mehr drin gewesen"

FCA-Torschütze Zeqiri ärgerte sich im Nachgang, dass es nicht für einen Punkt gereicht hatte. "Hier wäre mehr drin gewesen", erklärte die Leihgabe von England-Klub Brighton & Hove Albion. Die bayrischen Schwaben machten allerdings zu wenig aus den Abstimmungsproblemen aufseiten der Dortmunder, nutzten die sich bietenden Lücken viel zu selten. Sprich: Die Augsburger untermauerten, warum sie das bislang ungefährlichste Team der Liga sind.
Rose, der während der Vorbereitung mit einem personellen Aderlass in der Defensive zu kämpfen hatte, hat mit Blick auf die Defensive noch reichlich Arbeit vor sich. Vorne richtet es ja für gewöhnlich Erling Haaland. Doch selbst wenn nicht - für Tore ist der BVB immer gut. Für Gegentore aber eben auch.
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