Liebe FußballfreundInnen, wäre Adi Hütter ein Spieler, müsste man ihn auf die Bank setzen. Ach ja: Da sitzt der Gladbach-Coach ja schon!
Was also macht man mit einem Fußballtrainer, der keine Ergebnisse liefert und den man dennoch nicht entlassen will? Die Frage ist in der Tat neu, weil sie in diesem hochgezwirbelten Profibusiness so selten vorkommt. In der Bundesliga hat sich eingebürgert, dass nur - und durchaus anders als etwa in der Premier League in England - sofortige Erfolgserlebnisse zählen.
Die gibt es, das kann man konstatieren, bei den Fohlen unter Hütter nicht: In den letzten zehn Spielen acht zum Teil krachende Niederlagen, darunter fünfmal zu Hause, darunter das peinliche Aus im Pokal in der vergangenen Woche, in der Liga Platz zwölf nur vier Punkte Abstand auf einen Abstiegsplatz (zur Bundesliga-Tabelle).
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Allerdings: Gäbe es ein eigenes "Wer hat die Bayern geschlagen"-Ranking wären die Gladbacher Erster! Am Wochenende nun ein passables Spiel, eine unglückliche Niederlage bei Union (1:2). Berlins Max Kruse meinte danach, man habe Glück gehabt, aber 34 Punkte nach 20 Spieltagen seien harter Arbeit geschuldet und könnten kein Glück sein.

In Gladbach krankt vieles

Bei Gladbach ist es wohl genau umgekehrt: Da ist nicht alles pures Unglück, sondern es krankt auch an vielem.
Ganz physisch lässt sich das an Gladbachs Hausimpresario, Sportdirektor Max Eberl sehen, der seit vier Wochen fehlt und keiner weiß, was er hat und wann er wieder kommt. Das ist in Coronazeiten in der Kommunikation nach außen unglücklich, weil es Unruhe bringt.
Tatsächlich bröckelt das Lebenswerk Eberls, wenn Gladbach in den Abstiegskampf und alle Ambitionen auf europäischen Fußball aufgeben muss. Über die Fehler von Eberl selbst kann man so kaum diskutieren, soll er doch erst mal gesund werden.

Matthias Ginter wird Borussia Mönchengladbach spätestens im Sommer verlassen

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Vier Gladbach-Stars auf dem Absprung

Was aber, wenn bis zum Ende der aktuellen Transferperiode (31. Januar) wirklich gleich vier Stammspieler den Verein verlassen sollten, wie der "Kicker" munkelt? Eben nicht nur Denis Zakaria und Matthias Ginter, wie zuletzt kolportiert, sondern auch Marcus Thuram und Alassane Pleá?
Die Verträge, die das zulassen, sind seit Langem bekannt und von Eberl verhandelt. Seit die Namen der möglichen neuen Anwerber kursieren, ob Inter Mailand oder Real Madrid, wird ein Leistungsgefälle in der Bundesliga offenbar. Wer will sich vor dem möglichen neuen Vertrag seines Fußballerlebens schon noch verletzen?
Im Fall Ginter kam es zum offenen Streit mit Adi Hütter, der den Spieler prompt auf die Bank setzte. Sollten binnen Wochenfrist gleich vier Spieler den Klub verlassen, kann er das nicht verkraften. Das könnte kein Klub.

Fohlen ohne Führung

Aber auch in der aktuellen Schwebe ist die Situation kaum zu bewältigen. Gerade jetzt, wo es für Gladbach um die Saison geht, fehlt die Führungsfigur auf dem Platz. Nominell ist Denis Zakaria der Vornewegspieler und Feldleader Hütters, doch könnte man aktuell auf den Verdacht kommen: Hier will sich keiner mehr für seinen Nochklub zerreißen, wenn der neue schon im Kopf herumspukt.
Noch dazu kommt den vier Abwanderungswilligen die internationale Länderspielpause, in der in Europa allerdings keine Partien ausgetragen werden, wie gerufen: Durchaus möglich, dass Zakaria und die anderen, ohne dass es groß aufgefallen wäre, schon ihr letztes Spiel im Trikot der Fohlen hinter sich haben und am 5. Februar beim Auswärtsspiel in Bielefeld gar nicht mehr im Kader stehen.

Denis Zakaria hat seinen Vertrag bei der Borussia ebenfalls nicht verlängert

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Ein kranker Manager, von dem keiner weiß, wann er wieder kommt und wie er noch Einfluss nehmen kann? Vier Spieler, die offensichtlich wegwollen, aber wer organisiert rechtzeitig den Ersatz, wenn es so kommt? Ein angezählter Trainer, der das alles nicht so erfolgreich wegmoderieren kann, dass er selbst nicht infrage steht?

Ist Max Eberl das Problem?

Ligakritiker Didi Hamann brachte am Wochenende die These auf, dass der Klub allein deshalb an Trainer Adi Hütter festhalten müsse, weil der wegen seiner Ablöse teuer war. Das liebe Geld also sticht alle sportlichen Gründe aus.
Einen Trainer nach 20 Spieltagen zu feuern, für den Max Eberl 7,5 Millionen Euro auf den Tisch gelegt hat (um ihn aus seinem Vertrag bei Eintracht Frankfurt herauszubekommen), würde in der jetzigen Situation vor allem Max Eberl schwächen.
Vielleicht sollte man gar nicht soviel über Hütter oder die Spieler reden, die so oder so weggehen, wenn sie es können, sondern über den Hausimpresario, wenn er wieder gesund ist. In jedem Fall gilt: Gute Besserung, Borussia!
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