Im Fußball geht es oft sehr schnell – das ist nichts Neues. An einem Tag bist du der Depp, am anderen der gefeierte Held. Letzterer war Donyell Malen, der im Sommer für 30 Millionen Euro von der PSV Eindhoven zu Borussia Dortmund gewechselt war, im Trikot seines neuen Vereins erst einmal.
Im zweiten Gruppenspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon, als er einen genialen Steilpass von Jude Bellingham mit viel Übersicht und unbestreitbarer Klasse ins lange Eck beförderte. Der BVB gewann 1:0, der Knoten bei Malen, das ist vier Pflichtspiele später Fakt, platzte an jenem lauen Septemberabend aber nicht.
Bisher, so ehrlich muss man sein, ist Königstransfer Malen klar hinter den Erwartungen der Öffentlichkeit – und sicher auch den eigenen - zurückgeblieben.
Bundesliga
BVB-Horrorszenario: Fällt Haaland bis 2022 aus?
25/10/2021 AM 07:34
Dennoch verbietet es sich, trotz der mageren Ausbeute an Zählbarem von Enttäuschung oder gar Fehleinkauf zu sprechen.

Malens magere Bilanz hat mehrere Gründe

14 Pflichtspiele absolvierte der 22 Jahre alte Niederländer bislang im schwarz-gelben Trikot. Ein einziger Treffer gelang dem Stürmer in seinen Auftritten – und dass, obwohl er zehn dieser Pflichtspiele sogar in der Startelf stand.
Das liegt zum einen daran, dass der klare Zielspieler im Sturm der Borussia Erling Haaland heißt, das Spiel komplett auf den physisch starken Norweger ausgerichtet ist. Zum anderen muss man dem Nationalspieler der Niederlande selbstverständlich eine gewisse Eingewöhnungszeit eingestehen.

Donyell Malen

Fotocredit: Imago

Malen kommt aus der schwächeren Eredivisie – daran ändert auch die deutliche Niederlage in der Champions League bei Ajax Amsterdam (0:4) nichts – und muss sich an neue Mitspieler und Sprache gewöhnen. Zudem steckt auch in seinen Knochen ein anstrengender Sommer, in dem er mit den Niederlanden bei der Europameisterschaft gefordert war und infolgedessen vier Tage verspätet ins Sommer-Trainingslager in Bad Ragaz einstieg.

Donyell Malen: Wieviel Zeit ist genug?

"Natürlich fehlt ihm aktuell vielleicht das eine oder andere Erfolgserlebnis. Aber man sollte nicht sofort den Stab über jemanden brechen, wenn er erst kurz da ist", wurde Sportdirektor Michael Zorc von den "Ruhr Nachrichten" nach dem 3:1-Erfolg in Bielefeld, bei dem Malen erneut unglücklich agierte, zitiert.
Doch trotz aller Widrigkeiten, mit denen Malen sicher nicht als einziger Spieler derzeit kämpft, und trotz allem Verständnis, das man neuen Spielern entgegenbringen muss; die Geduld der Öffentlichkeit - und sicher auch der Klub-Verantwortlichen - schrumpft mit jedem schwächeren Spiel. Mit anderen Worten: Der Ton wird rauer.

Donyell Malen im Champions-League-Spiel bei Ajax Amsterdam

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Ausgerechnet in Amsterdam, bei seinem Jugendverein Ajax, bekam der Neuzugang seinen ersten schmerzhaften Denkzettel von Trainer Marco Rose verpasst. Nur acht Minuten war die zweite Halbzeit alt, als Malen zum wiederholten Male einen Defensivsprint nicht mitging und seinem Chef daraufhin der Kragen platzte.
In einer Hau-Ruck-Aktion winkte dieser Thorgan Hazard herbei und nahm den sichtlich enttäuschten Malen vom Feld.

Malen muss Haaland-Ausfall nutzen

So unglücklich der Niederländer bisweilen in der Offensive agiert – das Hauptproblem seines Spiels ist bislang die Arbeit gegen den Ball. Diese lebt traditionell davon, dass alle mitmachen. Malen nimmt sich hier und da raus, spart Meter und Kraft, was nicht immer gut ankommt.
Und dennoch wird Malen in den kommenden Wochen als Stürmer Nummer eins beim BVB gesetzt sein und deshalb jede Menge Gelegenheiten haben, sich zu verbessern. Haaland könnte aufgrund seiner Hüftbeugerverletzung noch bis zum Jahresende fehlen, Backup Youssoufa Moukoko fällt ebenfalls seit Mitte Oktober mit einer Muskelverletzung aus. Bleibt noch Steffen Tigges, der gegen Bielefeld seine ersten Einsatzminuten der Saison bekam, jedoch keine ernsthafte Konkurrenz für den Startplatz auf der Neun ist.

Donyell Malen (links) und Erling Haaland - Borussia Dortmund

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Haalands Verletzung bietet somit eine große Chance für Malen, sich als neuer Zielspieler in der Offensive festzuspielen - auch wenn er wegen eines Magen-Darm-Infekts im Pokalspiel am Dienstag gegen Ingolstadt (ab 20:00 Uhr im Liveticker) fehlen könnte.
Dass er knipsen kann, hat er in den Niederlanden schon bewiesen. 27 Tore und zehn Assists legte er in der vergangenen Spielzeit in 45 Pflichtspielen für PSV auf. Ganz so viele müssen es in seiner Debütsaison in Dortmund gar nicht werden, um selbige als gelungen zu beenden.
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