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Der LIGAstheniker: Was der BVB im Zweikampf mit dem FC Bayern vom SC Freiburg lernen kann
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Publiziert 08/11/2021 um 11:30 GMT+1 Uhr
Der SC Freiburg hat dem BVB gezeigt, wie man ein Spitzenspiel angeht: Während Borussia Dortmund gegen RB Leipzig ein Topteam mit Angst vor der eigenen Courage war, trat der Sportclub beim FC Bayern ganz anders auf. SCF-Trainer Christian Streich hatte eine konkrete Ahnung davon, wie man in München gewinnen kann, davon ist Marco Roses BVB noch weit entfernt. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Julian Nagelsmann (l.) mit Christian Streich - FC Bayern München vs. SC Freiburg
Fotocredit: Eurosport
Liebe FußballfreundInnen, an diesem Wochenende habe ich jeden laufenden Meter Bundesliga-Fußball gesehen, das passiert mir sonst eher selten, ist ja auch ein echtes Martyrium für Familie, Kind und Schoßhündchen. Eine schwere Grippe hatte mich auf die Wohnzimmercouch geschweißt, wie gesagt Ausnahmezustand.
Danach habe ich mir den Spaß erlaubt, den gezeigten Fußball auf die Verbaltaktiken der Protagonisten abzuklopfen und kam zu der Erkenntnis:
Das hätte ich mir auch sparen können.
Worte verraten oft soviel mehr als Auftritte auf dem Spielfeld, die einen ratlos zurücklassen. Zum Beispiel der Auftritt von Borussia Dortmund in Leipzig.
Was ist die wahre Potenz des BVB?
Ein Spitzenspiel, ein Big Game, wie die Amerikaner sagen würden, auch hier geht es nur um drei Punkte, aber ein Spiel, in dem man seine wahre Potenz zeigen kann. Muskeln spielen lassen, Säbel rasseln, einen direkten Konkurrenten in die Schranken weißen. Und was passiert dann? Dortmund findet in der ersten Halbzeit gar nicht statt. Waren zwar auch irgendwie auf dem Feld und dann doch wieder nicht. Fast wirkte es so, als hätte der Mannschaftsrat vorher darum gebeten, heute nicht auflaufen zu müssen. Grippe, wie der LIGAstheniker, indisponiert oder einfach überfordert.
Da ich auch das tatsächliche Spitzenspiel des Spieltags der Freiburger bei den Bayern gesehen hatte, konnte ich gar nicht glauben, was sich mir darbot: Borussia Dortmund, ein Spitzenklub mit der Angst vor der eigenen Courage.
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Marco Rose im Gespräch mit Marco Reus und Julian Brandt
Fotocredit: Getty Images
Therapiesitzung mit Millionenpublikum
Ich hatte schon sowas geahnt. Vor dem Spiel hatte Dortmunds Coach Marco Rose das handelsübliche Pre-Game-Interview in eine eigenartige Therapiesitzung mit angeschlossenem Millionenpublikum verwandelt. Man wolle in keiner Form Ausreden suchen und gegen die Widerstände angehen, so Rose. Wieso spricht er vor einem so wichtigen Spiel von Ausreden? So als wäre es schon nicht mehr zu gewinnen? Das Wort "Widerstände" wiederholte Rose in zwei Sätzen insgesamt vier Mal. Und immer in dieser leicht demütigen, gebückten Haltung als ahnte er bereits, was da noch kommen könnte.
Der Fußball-Philosoph Lothar Matthäus brachte es nach dem Spiel bei den Kollegen von Sky auf diese Sentenz: "Dortmund war nicht da!" Das war faktisch gesehen natürlich irritierend, denn sie waren ja zu sehen auf dem Feld, elf schwarz-gelbe Hüllen ohne Leben.
Freiburg ein ganz anderer Schlag
Und dann, nur mal im direkten Gegenschnitt, das Auftreten des SC Freiburg bei den Bayern. Die Freiburger sind sowas wie das gute Gewissen der Liga. Solange sie oben mitspielen, kann nicht alles dem Kommerz geschuldet sein. Und neuerdings, im zehnten Jahr des Trainers Christian Streich, sind sie selbst ein Spitzenteam. Und die Fußball-Welt rätselt, was das heißen mag. Das Auftreten von Streich und seinen Freiburger Buben hatte auf und abseits des Platzes einen völlig anderen Schlag. Er hätte doch mal sehen wollen, wenn wir den Anschlusstreffer ein paar Minuten früher erzielt hätten, ärgerte sich Streich nach der knappen Niederlage.
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DerSC Freiburg stellte den FC Bayern vor große Probleme
Fotocredit: Getty Images
Freiburg wie Dortmund verloren 1:2, nur dass die Buben aus dem Schwarzwald dem Unentschieden beim Serienmeister so nah waren wie Dortmund einem 1:5. Gerade wie Freiburg in München aufs Feld stürmte und in den ersten zwanzig Minuten die Bayern zahlreich in Verlegenheit brachte, so dass die gar nicht wussten, wohin mit dem Ball, das hätte sich wohl auch Marco Rose für seinen BVB gewünscht, ja wenn da nur nicht immer so viel "Widerstände" wären.
Eine Ahnung, wie man die Bayern besiegt
Es sind diese Art von Ratloserklärungen, die in Dortmund schon seit Jahren Konjunktur haben. Und man fragt sich: Warum nur? Was soll das bringen? Nur um das Gegenbeispiel Christian Streich noch einmal zu bemühen: Der SC-Coach hätte es sich nach dem Spiel einfach machen können. Wer hatte schon ernsthaft mit einem Sieg der Freiburger in München gerechnet? Also Komplimente einsammeln für einen großen Kampf und wieder ab in den Bus.
Aber nein, Streichs Stimmungslage war ernsthaft angefressen. Er hatte plötzlich eine konkrete Ahnung davon, wie man in München gewinnen kann. Mit Schneid, mit Körpersprache, mit dem Grant, der ihn auch ausmacht. Von einer solchen Vorstellungskraft ist Roses BVB noch weit entfernt.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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