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Der LIGAstheniker - Nach der Bochum-Sensation gegen den FC Bayern: Warum die Bundesliga dennoch Play-Offs braucht
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Publiziert 14/02/2022 um 12:07 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern München verliert sensationell beim Aufsteiger aus Bochum (2:4), während sich Dortmund im Auswärtsspiel bei Union Berlin souverän durchsetzt (3:0). Die Borussen liegen damit nur noch sechs Punkte hinter dem Spitzenreiter aus München. Für den LIGAstheniker braucht die Bundesliga dennoch Play-Offs. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Der FC Bayern verlor am Wochenende in Bochum
Fotocredit: Getty Images
Liebe FußballfreundInnen, ist die Bundesliga also gar kein reines Stochastik-Modell, in dem die statistischen Werte von 18 Einheiten Woche für Woche neu miteinander verglichen werden? Sondern womöglich gar ein sehr lebhaftes Gebilde mit einem pulsierenden Eigenleben, das wir so immer übersehen haben?
Da diskutiert das übliche Spitzenfunktionärspersonal seit Tagen über die nähere Zukunft der Liga, über Playoff-Modus, eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder oder Supercup-Spiele in Saudi-Arabien, nur was die Liga selbst will, danach wird mal wieder nicht gefragt. Und endlich gibt die Liga selbst eine Antwort, dann lesen sich die Einzelergebnisse dieses 22. Spieltags in seiner Gesamtwürdigung wie ein deftiger Verriss an all diesen Gedankenspielen am grünen Tisch.
Von wegen Langeweile, von wegen schon alles entschieden. Bayern verliert hochkant gegen einen besseren Absteiger, Dortmund zeigt sich souverän wie lange nicht und selbst Fürth steht von den Toten auf. Plötzlich scheint alles wieder offen, Meisterschaft wie Abstieg, die Liga lebt, das will uns dieser 22. Spieltag wohl sagen. Also Diskussion beendet?
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Marco Reus trifft und Dortmund bleibt Bayern-Verfolger
Fotocredit: SID
Mitnichten! Der 22. Spieltag bestätigt nur, was wir sonst so gut wie nicht erleben. Die berühmte Ausnahme von der Regel, die die Regel aber nicht aufhebt. Bochum kann punktuell mal eine Sensation schaffen, auf eine lange Saison hin sind sie nicht im gleichen Maße wettbewerbsfähig wie sie das in einer gemeinsamen Liga sein müssten.
Bochum ist dabei nur Synonym für ein halbes Dutzend Klubs. Und so bleibt zu vermuten, dass das wundersame Bochumer Fußballfest weniger große Effekte haben wird als die "schlechteste Saisonleistung" der Bayern (Joshua Kimmich). Die wiederum dazu führen wird, dass der Rekordmeister noch mehr Geld in seinen Kader pumpen wird als ehedem.
Geld, das Bochum gar nicht hat. Frage: Muss echte Wettbewerbsfähigkeit ohne Wunder auskommen?
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Joshua Kimmich (FC Bayern) ist nach der Niederlage gegen Bochum bedient.
Fotocredit: Getty Images
Eine der langweiligsten Ligen
Solange Bochum-Siege gegen Bayern die Möglichkeit fehlen, jenseits eines Wunders stattfinden zu können, bleibt die Liga eine Zwei- oder Drei-Klassengesellschaft, die es so nicht bleiben kann, will man das eigene Produkt nicht nachhaltig beschädigen. Nach zehn Meisterschaften des FC Bayern in Folge kann man sagen, dass die ehemals spannendste Liga Europas längst eine der langweiligsten, vorhersehbarsten geworden ist.
Nur mal zum Vergleich: In den USA würde sich das keiner mehr anschauen, die TV-Verträge verlören rapide an Wert, der Sponsorendruck, etwas zu ändern, wäre im amerikanischen Unterhaltungsbetrieb der großen Sportligen immens. Und hierzulande?
Dass der nicht mehr ganz neue Bayern-Chef Oliver Kahn die Stichworte der neuen DFL-Chefin Donata Hopfen zu einer möglichen Einführung eines Play-Off-Modus‘ durchaus positiv aufnahm, überraschte viele, liegt aber natürlich in der Sache begründet.
Die Bayern wollen und müssen immer noch mehr Geld erlösen und gleichzeitig ihren Status als einzig nahbaren Wohlfühlklub mit so einer Art Gewissen in der internationalen Spitzenriege festigen. Das ginge mit einem Play-Off-Modus, der nach einem langen, regulärem Vorgeplänkel etliche K.o.-Spiele im Sinne eines zweiten Pokalwettbewerbs völlig anders verwerten ließe.
Mit einer gerechteren Verteilung der Fernsehgelder (Bayern bekommt rund 90 Millionen Euro, Bochum ein Drittel davon), de facto also weniger Geld für die Bayern, oder Showauftritten in der absoluten saudischen Monarchie, was ebenfalls ins Spiel gebracht wurde, ginge das nicht.
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Vorstandschef Oliver Kahn vom FC Bayern
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Mehr Geld oder mehr Gerechtigkeit?
Allein an der politischen Stoßrichtung der Vorschläge kann man sehen, wie sehr die Liga herumirrt, wenn es um ihre eigene Zukunft geht. Will man eine gerechtere und damit eine bessere, weil ausgeglichenere Liga, muss man die Verteilung der Gelder neu justieren. Die Premier League macht vor, wie das gehen kann, die Bayern werden dem so nie zustimmen, weil es für sie weniger bedeutete.
Und auch deshalb wird das nicht passieren. Oder will man auf Teufel komm raus einfach mehr Geld generieren, so musste man die DFL-Chefin Hopfen verstehen, dann kann man auch in Saudi-Arabien, China oder Russland spielen. Was Fans, Sponsoren und Zeitgeist – siehe Olympia – kaum zu vermitteln wäre.
Bliebe noch die Play-Off-Frage als möglicher Mittelweg aus mehr Geld und mehr Gerechtigkeit. Und wer sagt denn, dass Bochum nicht doch mal in einem K.o.-Spiel die Bayern um die 30. Meisterschaft in Folge bringen könnte…
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Quelle: Perform
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