Drei Dinge, die bei BVB gegen Eintracht Frankfurt auffielen: Roses Taktik-Kniff leitet die Wende ein

Borussia Dortmund hat dank einer fulminanten Aufholjagd einen hochemotionalen 3:2 (0:2)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt eingefahren. Ausschlaggebend dafür war ein taktischer Kniff von Trainer Marco Rose. Dennoch konnte der Sieg nicht über die alten Probleme des BVB, der insbesondere mit dem starken Filip Kostic alle Hände voll zu tun hatte, hinwegtäuschen. Drei Dinge, die uns auffielen.

Die Spieler von Borussia Dortmund bejubeln den Siegtreffer von Mahmoud Dahoud in Frankfurt

Fotocredit: Imago

Während Marco Rose seinen Assistenten völlig euphorisiert um den Hals fiel, begruben seine Schützlinge Siegtorschütze Mahmoud Dahoud auf dem Rasen des Frankfurter Deutsche Bank Parks unter sich.
Borussia Dortmund hat dank einer fulminanten Aufholjagd einen 3:2 (0:2)-Erfolg zum Rückrunden-Start bei Eintracht Frankfurt eingefahren und damit den Rückstand auf Tabellenführer Bayern München auf sechs Punkte verkürzt.
"Es war schön und wichtig, aber mit Fans wäre es noch emotionaler geworden. Ohne Fans fehlt in diesem Sport eigentlich alles", erklärte Rose im Anschluss am "Sky"-Mikrofon.
Dabei hatte es nach dem Doppelpack des Frankfurter Angreifers Rafael Borré (15./24.) lange Zeit nach der zweiten Ligapleite in Serie für die Schwarz-Gelben ausgesehen. Joker Thorgan Hazard (71.), Jude Bellingham (87.) und eben Dahoud (89.) sorgten jedoch mit ihren Treffer für die späte Wende.
Drei Dinge, die uns bei der Dortmunder Aufholjagd in Frankfurt auffielen.

1. Roses Taktik-Kniff leitet die Wende ein

Erling Haaland winkte verzweifelt ab.
"Weiter Erling, weiter!", versuchte BVB-Coach Rose seinen Starstürmer zu Beginn der zweiten Halbzeit energisch anzutreiben. Doch es waren nicht nur die Worte, sondern vielmehr die Taten des 45-Jährigen, die Wirkung zeigen sollten.
Nachdem die Schwarz-Gelben aufgrund teils eklatanter Abwehrfehler früh mit 0:2 in Rückstand geraten waren (Borré, 15./24.) und im Spiel nach vorne lange Zeit sowohl die Ideen als auch das Tempo fehlten, um den Frankfurter Abwehrriegel aus den Angeln zu heben, versuchte Rose von der Bank aus, das Spiel in andere Bahnen zu lenken.
Der ehemalige Gladbach-Trainer brachte nach etwas mehr als einer Stunde Edel-Joker Hazard für den stets bemühten, aber insgesamt glücklosen Julian Brandt und stellte das System von 4-3-3 auf 4-2-3-1 um (65.). Ein Glücksgriff, wie sich im Nachgang herausstellen sollte.
Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung verkürzte der Belgier nach Ballgewinn von Marco Reus und Vorarbeit von Haaland freistehend vor SGE-Keeper Kevin Trapp auf 1:2 (71.) - der Auftakt einer fulminanten Aufholjagd, an dessen Ende Bellingham (87.) und Dahoud (89.) mit ihren Toren für den 3:2-Erfolg sorgten.
Speziell Reus kamen die Änderungen seines Chefs entgegen. Der Kapitän rückte nach Roses taktischer Umstellung von der Position des Linksaußen ins Zentrum auf die Zehn, von wo aus er sofort Akzente setzen konnte. "Nachdem er ins Zentrum gerückt ist, war er deutlich wirkungsvoller. Außerdem war der Flügel mit Hazard dadurch stärker besetzt", brachte es "Sky"-Kommentator Wolff-Christoph Fuss auf den Punkt.
So konnte der 32-Jährige, der bei beiden Gegentreffern eine eher unglückliche Figur abgab, bis zu seiner Auswechslung in der Nachspielzeit (90.+2 für Axel Witsel) doch noch maßgeblich zum Sieg seiner Mannschaft beitragen.
picture

Thorgan Hazard (l.) und Marco Rose - Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

2. Frankfurt lässt Dortmund am Leben

"Eintracht - Frankfurt! Eintracht - Frankfurt!", schallte es immer wieder durch den Deutsche Bank Park. Dass aufgrund der Corona-Bestimmungen in Deutschland lediglich 250 Zuschauer in der Arena Platz nehmen durften, tat der Stimmung lange Zeit keinen Abbruch.
Grund dafür war der über weite Strecken couragierte Auftritt der Hausherren, die sich nach einer rund 15-minütigen Schwächephase zu Beginn der Partie förmlich in einen Rausch spielten. "Sie sind bereit, die Wege zu gehen und stehen kompakt in der Defensive. Auf der anderen Seite haben sie dank ihrer schnellen Spieler immer wieder gute Kontergelegenheiten", lobte "Sky"-Experte Lothar Matthäus.
An dieser Stelle ist der überragende Filip Kostic zu nennen, der nicht nur die Führung der Hausherren mit einer maßgenauen Freistoßflanke vorbereitete, sondern auch seinem Gegenspieler auf der linken Außenbahn, Thomas Meunier, ein ums andere Mal die Rücklichter zeigte. Auch der zweite Frankfurter Treffer resultierte aus einer Hereingabe von Kostic, an dessen Ende Borré nach unglücklichem Klärungsversuch von Reus einnetzte.
"Die zwei Aktionen von Kostic auf der linken Seite sind Weltklasse. Er ist der Schlüsselspieler der Frankfurter", schwärmte Matthäus vom 29-Jährigen. Dass es letztendlich trotz einer komfortablen Zwei-Tore-Führung doch nichts mit dem vierten Bundesliga-Sieg in Serie wurde, lag daran, dass den Hausherren im Schlussabschnitt die Kräfte fehlten.
"Wir hatten nach der Pause noch gute Chancen und verpassen es, das Spiel zu entscheiden. Wir haben dann die Struktur und auch die Power verloren. Wir haben keine Bälle mehr gehalten und haben es nicht mehr geschafft, unsere Konter auszuspielen. Wir hatten viel zu große Lücken und haben ein Stück weit kopflos agiert", ärgerte sich Timothy Chandler im Anschluss.
In der Tat hatte die Eintracht gleich mehrfach die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Die mangelnde Chancenverwertung, gepaart mit einer zunehmenden Passivität im zweiten Durchgang wurde den Hessen schließlich zum Verhängnis.
picture

Gregor Kobel (r./Borussia Dortmund) pariert gegen Jesper Lindström (Eintracht Frankfurt)

Fotocredit: Imago

3. Neues Jahr - alte Probleme

Mats Hummels legte den Finger gnadenlos in die Wunde.
"Wir dürfen keine Gegentore herschenken. Wir kassieren ständig Tore aus Situationen, aus denen keine Tore fallen dürfen. Das war heute bei beiden Toren der Fall, das ist in Berlin (2:3) und auch gegen Bayern (2:3) passiert. Das passiert uns viel zu oft. Die Stabilität müssen wir uns ganz oben auf die Fahne schreiben, wenn wir etwas erreichen wollen", forderte der Dortmunder Abwehrchef bei "Sky" und traf damit den Nagel auf den Kopf.
Um ein Haar hätte sich der BVB aufgrund eigener Unzulänglichkeiten im Meisterrennen einmal mehr selbst um Punkte gebracht. Beim 0:1 nach Freistoßflanke von Kostic (im Übrigen das zehnte Gegentor nach einer Standardsituation in der laufenden Spielzeit) fehlte es an der Zuteilung. Der zweite Frankfurter Treffer resultierte aus einer unglücklichen Defensivaktion von Reus.
"Wir hatten wieder eine Viertelstunde, in der wir nicht auf der Höhe sind und zu einfache Gegentore kassieren", kritisierte Hummels, der im Anschluss jedoch die Moral seines Teams lobte: "Die gesamte zweite Halbzeit war eine starke Reaktion. Wir haben einen geilen und emotionalen Sieg eingefahren."
Ähnlich lautete auch das Fazit von Rose. "Wir sind sehr gut reingekommen, bekommen ein Standardgegentor und machen zu viele Fehler. Es ist zu einfach gegen uns torgefährlich zu werden, dass muss man ehrlich zugeben. Wir wollten dranbleiben und das haben die Jungs gut gemacht. Nach dem Anschlusstreffer war der Glaube wieder da und dass wir das Spiel gedreht haben, sollte den Jungs zeigen, dass sich das Thema Haltung sehr lohnt. Bei diesem Thema fordere ich auch Nachhaltigkeit."
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung