Drei Dinge, die bei Dortmund gegen Stuttgart auffielen: So wird der BVB nicht zum Bayern-Jäger
VonThomas Gaber
Publiziert 20/11/2021 um 21:13 GMT+1 Uhr
Borussia Dortmund rückt dem FC Bayern München auf die Pelle. Nach dem knappen 2:1-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart beträgt der Rückstand des BVB auf den Tabellenführer nur noch ein Punkt. In zwei Wochen kommt es zum großen Duell zwischen Dortmund und Bayern im Signal Iduna Park. In der aktuellen Form sind die Schwarz-Gelben jedoch nicht in der Lage, dem Rekordmeister ernsthaft Paroli zu bieten.
Borussia Dortmund hat den Rückstand auf den FC Bayern bis auf einen Punkt verkürzt
Fotocredit: Getty Images
Der FC Bayern München hatte Borussia Dortmund am Freitagabend einen großen Gefallen getan. Nach der überraschenden Niederlage der Münchner beim FC Augsburg (1:2) war die Chance des BVB riesig, punktemäßig richtig ranzuschnuppern an den Tabellenführer. "Mission erfüllt" hieß es nach 94 nervenaufreibenden Minuten gegen den VfB Stuttgart.
Bis auf einen Zähler ist Schwarz-Gelb nun dran am Rekord- und Serienmeister. Und wenn am nächsten Samstag im Spiel beim VfL Wolfsburg nicht wieder auswärts gepatzt wird, könnte Dortmund den FC Bayern mit einem Sieg im direkten Duell am 4. Dezember vom Bundesliga-Thron stoßen.
Trainer Marco Rose und die Spieler waren mit der Leistung zufrieden, dennoch gibt der Auftritt des BVB gegen Stuttgart Rätsel auf.
Drei Dinge, beim Spiel zwischen Dortmund und Stuttgart die auffielen.
1. Dortmund muss endlich besser kicken
Der BVB begann mit viel Schwung und hatte in den ersten sieben Minuten zwei gute Torchancen durch Marco Reus und Donyell Malen. Das war's dann aber auch schon mit der Dortmunder Herrlichkeit für eine lange Zeit.
Die Angriffe wurden eindimensional durch die Mitte aufgebaut, darauf war der VfB bestens eingestellt. Die Schwaben verteidigten in einem kompakten 4-4-1-1 und hielten die Dortmunder mit relativ wenig Mühe vom eigenen Tor weg.
Das Flügelspiel der Gastgeber war dagegen quasi nicht existent. Jude Bellingham versuchte auf links für Betrieb zu sorgen, lief sich aber immer wieder fest. Bis 30 Meter vor dem VfB-Tor sah das noch einigermaßen vernünftig aus, im letzten Drittel fiel Dortmund aber nichts ein.
Die Folgen waren viele überhastete, ungenaue Pässe. "Wir haben in der ersten Halbzeit beim Spiel mit Ball zu viele Fehler gemacht", sagte Rose.
Dem BVB gelang es zu keinem Zeitpunkt, Stuttgart wirklich unter Druck zu setzen. Im Gegenteil: Der VfB hätte vor der Pause in Führung gehen können, als BVB-Torwart Gregor Kobel mit einem starken Reflex gegen Tanguy Coulibaly rettete (38.). Auch das eher schmeichelhaften Führungstor durch Donyell Malen (56.) gab dem BVB keine Sicherheit. Torchancen blieben Mangelware und nach einem Fehler von Manuel Akanji erzielte Roberto Massimo den verdienten Ausgleich für die Gäste (63.).
Die Protagonisten hatten eine etwas eigenwillige Sicht der Dinge. Mats Hummels war alles in allem "sehr zufrieden" mit der Leistung des BVB. "Wir haben das Spiel angenommen, waren gut im Spiel, vor allem im Gegenpressing. In der ersten Halbzeit haben wir viele gute Ballgewinne gehabt. Wir waren giftig, zwar nicht so super torgefährlich, aber mit ein paar Chancen mehr können wir dann auch sehr zufrieden sein", sagte er.
Auch Trainer Rose betonte, dass seine Mannschaft die "Intensität des Spiels angenommen" habe. Wenn man die Chance hat, den Bayern auf die Pelle zu rücken, ist der nötige Einsatz das Mindeste, was man erwarten kann. Aber Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim BVB doch etwas auseinander.
"Die Dortmunder gewinnen ihre Spiele irgendwie, das muss man anerkennen. Aber wenn sie nicht endlich anfangen, besser Fußball zu spielen, werden sie ihre Ziele nicht erreichen", sagte "Sky"-Experte Dietmar Hamann.
Letztlich war es die individuelle Klasse von Marco Reus, die den Unterschied ausmachte. Der Kapitän leitete sein Siegtor nach einer Ecke des VfB mit einem Pass auf Thorgan Hazard selbst ein und staubte dann zum 2:1 ab (85.). "Das Siegtor haben wir mit viel Wille und viel Wucht erzielt. Das war bezeichnet für unser Spiel", sagte Rose nach dem siebten Heimsieg im siebten Spiel.
Um mit dem FC Bayern auf Dauer mithalten zu können, braucht es aber deutlich mehr.
2. Ein Hoffnungsschimmer für Donyell Malen
Knapp 30 Millionen Euro überwies der BVB der PSV Eindhoven im Sommer für den Angreifer, der die Lücke des zu Manchester United abgewanderten Jadon Sancho schließen sollte.
Im ersten Saisondrittel blieb Malen allerdings vieles schuldig. In 17 Pflichtspieleinsätzen vor dem Stuttgart-Spiel erzielte der 22-Jährige ein mickriges Tor und bereitete zwei Treffer vor. Ob als Flügelspieler auf der linken Seite oder als Vertreter des verletzten Erling Haaland im Sturmzentrum - Malen fiel meistens durch fand sich immer wieder auf der Ersatzbank wieder.
Auch gegen Stuttgart lief es anfangs nicht. In der 7. Minute vergab der Niederländer eine Riesenchance, als er den Ball freistehend aus sieben Metern am Tor vorbeiköpfte.
Positiv war schon in der ersten Halbzeit zu bewerten, dass Malen alles probierte. Er ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen, ging beherzt in die Zweikämpfe und zog das eine oder andere Foul in gefährlichen Zonen.
Und nach der Pause platze dann auch endlich der Bundesliga-Knoten bei Malen. Er erzielte sein erstes Ligator für den BVB mit einem leicht abgefälschten Schuss von der Strafraumgrenze. "Er hat gut gespielt und sich mit seinem Tor belohnt", sagte Trainer Rose.
Ob es der entscheidende Schritt in die richtige Richtung war? Malen wird voraussichtlich noch mehrere Chancen als Nummer neun bekommen. Das Comeback von Erling Haaland wird noch ein Weilchen auf sich warten lassen.
3. Stuttgart hat im Tabellenkeller nichts verloren
Der VfB kassierte in Dortmund die vierte Ligapleite in Folge und rutschte durch den Augsburger Sieg gegen die Bayern auf den 16. Tabellenplatz ab. Die Leistung am Samstag passt indes so gar nicht zu den nackten, harten Fakten.
Stuttgart macht vieles richtig. Defensiv ließen die Schwaben wenig zu, überspielten mit sauberem Pass- und Laufspiel oftmals die erste Dortmunder Pressinglinie und waren insgesamt sehr mutig. Die Dortmunder wurden tief in deren Hälfte attackiert und so zu einigen Fehlern gezwungen.
"Wir haben mit viel Energie, Struktur und Mut Fußball gespielt. Zum Schluss wäre ein Punkt verdient gewesen, weil wir uns Chancen erspielt und gut verteidigt haben. Leider war nicht mehr drin. Man sollte jedoch unterscheiden, wie man verliert. Das war ein Spiel, mit dem man besser leben kann, weil wir alles dafür getan haben, zu punkten", sagte Trainer Pellegrino Materazzo.
So richtig angefressen reagierte Torhüter Florian Müller: "Das war unsere beste Saisonleistung. Es ist eigentlich ein Witz, dass wir hier als Verlierer vom Platz gehen."
Das haben sich die Stuttgarter aber selbst zuzuschreiben. Der Dortmunder Siegtreffer fiel im Gegenzug nach einer eigenen Ecke, weil die Absicherung fehlte. "Naivität ist mir zu schwach, das ist einfach Dummheit. Wenn du 85 Minuten lang kämpfst und gut spielst und dann beim Stand von 1:1 in Dortmund ausgekontert wirst, dann ist das einfach dumm", kommentierte Didi Hamann.
Der VfB kann sich für die gute Leistung im Signal Iduna Park nichts kaufen. Aber die Mannschaft hat (einmal mehr) gezeigt, dass sie richtig gut Fußball spielen kann. Stuttgart kann viel mehr als Tabellenplatz 16. "Wenn sie so weiterspielen, werden sie bis Weihnachten die nötigen Punkte holen, um da unten rauszukommen", sagte Hamann.
Damit muss der VfB aber auch mal anfangen.
Das könnte Dich auch interessieren: Liverpool beherrscht Arsenal - Klopp und Arteta zoffen sich
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/11/20/3257278-66662833-2560-1440.jpg)
BVB-Coach Rose überzeugt: "Sieg gibt uns eine Menge Vertrauen"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung