Drei Dinge, die bei Stuttgart gegen Bayern auffielen: Julian Nagelsmann hat sich bei Marc Roca getäuscht
Der FC Bayern überrollt den VfB Stuttgart und tütet mit einem souveränen 5:0 die Herbstmeisterschaft vorzeitig ein. Dauerreservist Marc Roca sammelt ordentlich Argumente, um künftig mehr Spielzeit zu erhalten und drängt seinen Trainer damit zu einem selbstkritischen Statement. Serge Gnabry liefert Antworten und der VfB macht fünfmal den gleichen Fehler. Drei Dinge, die auffielen.
Serge Gnabry (l.) und Marc Roca vom FC Bayern
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"Das hatte nicht zwingend Bundesliga-Niveau", sagte Julian Nagelsmann im Anschluss ans Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und seinem FC Bayern. Gemeint war weder die Leistung des Gegners noch die Darbietung des eigenen Teams. Der Zustand des Rasens stieß dem 34-Jährigen sauer auf.
Trotz des "Ackers", wie Nagelsmann den Platz liebevoll bezeichnete, spielten die Münchner gefällig, erzielten zahlreiche sehenswerte Tore - am Ende derer fünf. Serge Gnabry steuerte in seiner Geburtstadt einen Dreierpack bei, Robert Lewandowski erzielte seine Saisontreffer 17 und 18.
Während sich die Stuttgarter über wiederkehrende Negativ-Muster ärgerten, erfreute sich der Gäste-Coach daran, dass Dauerreservist Marc Roca das Vertrauen eindrucksvoll zurückzahlte. So imposant, dass sich Nagelsmann zu einem selbstkritischen Statement gezwungen sah.
Drei Dinge, die auffielen.
1. Roca belehrt Nagelsmann eines Besseren
Die bisherigen Einsatzzeiten in der laufenden Saison waren ernüchternd. Vor dem Duell mit dem VfB standen für den Spanier lediglich 78 Minuten zu Buche - zusammengenommen. Am Dienstagabend verdoppelte Marc Roca den Wert beinahe: 75 Minuten durfte er in Stuttgart mitmischen.
Weil mit Joshua Kimmich (Infiltrationen in der Lunge), Leon Goretzka (Probleme mit der Patellasehne), Marcel Sabitzer (Wadenverletzung) und Corentin Tolisso (Oberschenkelprobleme) gleich vier defensive Mittelfeldspieler passen mussten, blieb der Dauerreservist als einzig verbliebene Alternative für die Sechs übrig. Der erste Startelf-Einsatz in dieser Spielzeit war also aus der größtmöglichen personellen Not geboren.
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Marc Roca
Fotocredit: Imago
Dieser Tatsache zum Trotz lieferte Roca beeindruckend ab. Der 25-Jährige spielte zahlreiche kluge Pässe, brachte 92 Prozent seiner Zuspiele an den Mitspieler. Zudem gewann er 60 Prozent seiner Zweikämpfe, verbuchte die wenigsten Ballverluste (4) und spulte mehr als zehn Kilometer ab. Sichtlich beseelt machte er bei seiner Auswechslung Platz für Tanguy Nianzou. Als Belohnung gab es eine extra lange Umarmung vom Coach.
Nagelsmann war von der Leistung des ewigen Bankdrückers begeistert. "Ich habe ihn heute in der Kabine gelobt. Ich lobe einzelne Spieler vor der Mannschaft nur selten", verriet Nagelsmann. Ihm habe nicht nur Rocas großer Einfluss aufs Spiel imponiert, sondern vor allem die charakterliche Stärke.
Roca hadere nicht mit seiner Situation, obwohl er aufgrund der bis dato geringen Spielzeit "allen Grund hätte, sauer auf den Trainer zu sein", sagte Nagelsmann und ergänzte: "Ich liebe Spieler, die selbstlos sind und dem Trainer zeigen, dass es ein Fehler war, ihn so selten einzusetzen."
Eine enorme Lobeshymne. Doch dabei blieb es nicht, Nagelsmann sah sich sogar veranlasst, sich selbst zu hinterfragen. "Da bin ich selbstkritisch genug", sagte der Bayern-Trainer: "Er hat mir heute gezeigt, dass es ein Fehler war, ihn so wenig zu bringen."
2. Gnabry aus dem Schatten ins Licht
Es schien zuletzt so, als gerate Serge Gnabry im Konkurrenzkampf mit Leroy Sané und Kingsley Coman ins Hintertreffen. Fünf Spiele hintereinander musste er seinen Teamkollegen den Vorzug lassen (zweimal davon gesundheitlich bedingt), in den vergangenen drei Bundesliga-Partien stand der Nationalspieler nur 69 Minuten auf dem Platz.
Nagelsmann begründete die zuletzt geringen Einsatzzeiten mit anhaltenden Rückenschmerzen und spieltaktischen Zwängen: "Er hat einen Tick weniger Minuten bekommen als er eigentlich verdient hätte." Ausgerechnet in seiner Heimatstadt, ausgerechnet gegen seinen Ausbildungsklub VfB trat Gnabry nun zurück ins Licht.
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Gnabry-Verlängerung nach Dreierpack? Das sagt Nagelsmann
Quelle: Perform
Der Flügelstümer trat nicht nur als dreifacher Torschütze in Erscheinung, sondern bereitete die restlichen beiden Treffer sehenswert vor. Zum zweiten Mal in seiner Karriere war der 26-Jährige in einem Spiel an fünf Treffern beteiligt - erstmals war ihm das beim 7:2 in Tottenham 2019 geglückt (vier Tore, eine Vorlage).
"Sehr, sehr gut" sei Gnabry gewesen, schwärmte Nagelsmann entsprechend: "Er hat ein herausragendes Tor in der ersten Halbzeit gemacht und in der zweiten noch zwei Tore nachgelegt. Darüber hinaus hat er zwei Assists gegeben. Besonders der erste Pass war herausragend. Den so hereinzuspielen, ist sehr schwer. Er ist ein herausragender Spieler."
Der Held des Abends postete im Nachgang ein Bild, das ihn in typischer Koch-Jubelpose zeigt. Sein Resümee in der "ARD Sportschau": "Heute lief es einfach. Für die Mannschaft und für mich."
3. Fünf Umschalt-Watschn für lernresistenten VfB
"Ich glaube, es gibt viel Positives, das wir mitnehmen können", sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo am "ARD"-Mikrofon. Er führte aus: "Die ersten 52 Minuten waren positiv, wir haben gut mitgehalten, gut verteidigt, guten Fußball gespielt." Einigermaßen kühne Aussagen, wenn im Hintergrund ein 0:5 auf der Anzeigetafel prangt.
Natürlich brachen erst nach dem 0:2 alle Dämme, bis dahin hatten die Stuttgarter nicht schlecht gespielt. Allerdings erweckten die Hausherren zu keinen Zeitpunkt den Eindruck, den Bayern ernsthaft gefährlich werden zu können. Und das, obwohl hoch verteidigt und früh gepresst wurde.
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Marc-Oliver Kempf war bedient
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Zum Verhängnis wurde den Stuttgartern, dass Nagelsmann einen ähnlichen Ansatz gewählt hatte, dessen Team aber deutlich effektiver umschaltete. Alle fünf Gegentore fielen nach dem gleichen Muster: VfB-Ballverlust im Spielaufbau, fehlende Restverteidigung, offene Räume, technisch anspruchsvoll ausgespielte Konter.
"Stuttgart hat ein couragiertes Spiel gemacht, sehr mutig und hoch verteidigt", fasste Thomas Müller hinterher bei "Sky" zusammen. Jedoch: "In den Umschaltmomenten konnten wir unseren Top-Speed ausspielen."
"Couragiert" und "mutig" kann man aber auch als Lob verpackte Umschreibungen für "naiv" sehen. Es gab nämlich reichlich Umschaltmomente, das Ganze hätte noch deutlicher ausfallen können.
Der bemitleidenswerte Stuttgarter Schlussmann Florian Müller haderte: "Wenn man solche Geschenke verteilt, tut es weh - weil es vermeidbar war. Aber Bayern nutzt das eiskalt aus." Nicht nur der Rasen in Bad Cannstatt war am Mittwochabend weit von Bundesliga-Niveau entfernt, die Defensivabteilung des VfB war es zwischenzeitlich ebenfalls.
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"Wäre, wäre Fahrradkette": Nagelsmann gibt Update zu Coman
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