FC Bayern: Kritik von Nagelsmann, Stress mit Pogba - Benjamin Pavard kämpft um seine Rolle
Benjamin Pavard hat in der laufenden Saison beim FC Bayern unter Julian Nagelsmann einen schweren Stand. Nach überstandener Verletzung fand der 25-Jährige noch nicht zurück in die Spur. Jüngst geriet er im Rahmen der Länderspielpause mit Frankreich-Kollege Paul Pogba aneinander - und wurde für seine Leistung kritisiert. Passt er aktuell nicht ins präferierte System seiner Trainer?
Benjamin Pavard im Gespräch mit Julian Nagelsmann
Fotocredit: Imago
Benjamin Pavard hat viel Liebe für Silberware übrig.
Regelmäßig sind auf Instagram Bilder von dem französischen Defensivmann zu sehen, auf denen er mit Trophäen posiert, gerne gibt er ihnen ein Küsschen – eine typische Pose für erfolgreiche Sportler.
Am Montagabend war es wieder so weit: Pavard lud ein Foto hoch, das ihn mit dem Nations-League-Pokal zeigte. Er versah den Beitrag mit einem Küsschen-Smiley, einem Trophäen-Emoji, der Frankreich-Flagge und einem "+1."
Der nächste Pott. Harmonie pur.
Doch so harmonisch war das, was sich zuvor auf dem Platz zugetragen hatte, gar nicht. Zwar hatte die französische Nationalmannschaft im Finale dank eines kontrovers diskutierten Treffers von Kylian Mbappé über die Auswahl Spaniens 2:1 triumphiert, während der Partie war Pavard allerdings mit seinem Teamkollegen Paul Pogba aneinandergeraten.
Dem Mitteldspieler von Manchester United hatte offensichtlich ein Laufweg Pavards nicht behagt. Pogba warf dem Profi des FC Bayern vor, sich in eine Position gebracht zu haben, in der er unmöglich hätte angespielt werden können. Trainer Didier Deschamps versuchte, Pogba zu beruhigen – im Wissen, dass das Weltmeister-Duo nicht zum ersten Mal in Streit geraten war.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/12/3235749.jpg)
Benjamin Pavard und Paul Pogba
Fotocredit: Getty Images
Bereits im Juli, nachdem die favorisierte Équipe Tricolore im EM-Achtelfinale überraschend gegen die Schweiz ausschied, soll es übereinstimmenden französischen Medienberichten zufolge zu einem verbalen Gefecht zwischen Pogba und Pavard und Verteidiger Raphael Varane gekommen sein. Letzterer habe Pavard vorgeworfen, nicht ausreichend zu verteidigen, woraufhin dieser die Schuld auf Pogba schob. Als Pogba den ehemaligen Stuttgarter zur Rede stellte, soll Pavard mit Beleidigungen geantwortet haben.
Pavard kommt Frankreichs 3-4-2-1 nicht entgegen
Wer damals letztlich für die mangelnde Defensivarbeit verantwortlich war, ist mittlerweile obsolet. Im neuerlichen Fall verwunderte Pogbas Reaktion hingegen nicht. Pavard sollte in einem 3-4-2-1-System als Schienenspieler die rechte Seite beackern, wusste allerdings nicht zu überzeugen. Pavard gewann nur ein Drittel seiner Zweikämpfe, offensiv brachte er zudem kaum Nennenswertes zustande. Als er nach 79 Minuten für Léo Dubois weichen musste, schien er von Deschamps‘ Entscheidung nicht sonderlich angetan zu sein.
Die französische Sportzeitung "L’Équipe" schrieb jüngst, dass Pogba sich für sein Verhalten entschuldigt hatte, Pavard sei nach Informationen des Fachblattes jedoch alles andere als unumstritten bei Les Bleus.
Ein ganz ähnliches Dasein fristet der 25-Jährige in der laufenden Saison bei seinem Klub in München. Zu Beginn der neuen Spielzeit noch an einer Sprunggelenksverletzung laborierend, findet Pavard seit seiner Rückkehr Anfang September nicht wirklich in Tritt.
Pavards Rote Karte sorgt bei Nagelsmann für Unmut
Erst vier Pflichtspieleinsätze stehen zu Buche, über 90 Minuten kam er bislang nicht zum Einsatz. Auch, weil er bei seinem jüngsten Auftritt bei Greuther Fürth (3:1) nach einem einigermaßen unnötigen Foul am Ex-Münchner Julian Green in der 49. Minute die Rote Karte gesehen hatte. Vom DFB wurde er dafür mit einer Sperre von zwei Partien belegt.
Wie zuletzt Frankreichs Nationalmannschaft waren die Bayern gegen die Kleeblätter mit einer Dreierkette, beziehungsweise Fünferkette angetreten, wie Deschamps hatte FCB-Trainer Julian Nagelsmann den gelernten Innenverteidiger auf der rechten Außenbahn aufgestellt. Eine Position, die Pavard offenbar nicht zusagt. Keine seiner ohnehin schon wenigen Flanken fand einen Mitspieler, zudem verlor er alle direkten Duelle, ehe seine mäßige Leistung in besagtem Platzverweis gipfelte.
Nagelsmann zeigte sich im Anschluss am "DAZN"-Mikrofon angefressen und urteilte: "Das ist eine Rote Karte. Ich weiß nicht, ob die Grätsche unbedingt nötig war." Der 34-Jährige ärgerte sich zudem, dass Pavards Ausscheiden dazu geführt hatte, dass der Rekordmeister beim Außenseiter im Frankenland schlecht organisiert auftrat. "Wir haben eine Halbzeit verloren, in der wir die Grundordnung noch besser hätten reinkriegen können."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/12/3235753.jpg)
Benjamin Pavard
Fotocredit: Getty Images
Ob Pavard essentieller Bestandteil dieser Grundordnung sein wird, ist derzeit offen. Nagelsmann gilt als Fan des 3-4-2-1, zuletzt musste er – auch mangels Alternativen – jedoch zurück zum 4-2-3-1 kehren, das von seinem Vorgänger Hansi Flick präferiert wurde. Niklas Süle, in Nagelsmanns Idealwelt rechts in der Dreierreihe eingeplant, rückte nach außen. Gegen Dynamo Kiew hatte der formstarke Innenverteidiger, der einst in einem Artikel der "SZ" aufgrund seiner Körpermaße liebevoll als "Kühlschrank" bezeichnet wurde, sogar den Vorzug als Rechtsverteidiger gegenüber Pavard erhalten.
Nach seiner Ankunft aus Stuttgart vor zwei Jahren hatte Pavard, bei Frankreich seinerzeit auf rechts gesetzt, sich auf ebenjener Position etabliert, überraschte viele Experten mit guten Darbietungen. Im Vergleich zu seiner potenziellen Rolle im Nagelsmann’schen System traten die Unzulänglichkeiten im Spiel nach vorne - wie beispielsweise die mangelnde Geschwindigkeit - nicht allzu deutlich zutage.
Bayern auf der Suche nach neuen Rechtsverteidigern
Dass Pavard in anderen Bereichen deutlich stärker aufgestellt ist, bringt Nagelsmann ein wenig in die Bredouille: Aktuell passt keine Rechtsverteidiger-Alternativen in seine bevorzugte 3-4-2-1-Schablone. Nicht umsonst wurden im Sommer immer wieder mögliche Rechtsverteidiger-Kandidaten mit etwas ausgeprägterem Offensiv-Profi gehandelt.
Fündig wurden die Münchner nicht, bei Danilo blitze der Klub ab, wie der Brasilianer Anfang Oktober verriet. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass Sergino Dest vom FC Barcelona das Interesse der Bayern geweckt haben soll, auch Wolfsburgs Ridle Baku wurde medial ein ums andere Mal thematisiert.
Sollten die Verantwortlichen im Winter tatsächlich einen neuen Transfer-Angriff wagen, dürfte Pavard hauptsächlich wieder für die Innenverteidiger-Position infrage kommen. Obwohl die Kette, bestehend aus Süle, Dayot Upamecano und Lucas Hernández, gesetzt scheint, wäre er die perfekte Option, sollte einer der drei in einer langen, aufreibenden Saison eine Pause brauchen oder verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Wieviele Pokale er künftig als Stammkraft küssen darf, ist aber offener denn je.
Das könnte Dich auch interessieren: Donnarumma: Vom EM-Helden zum Bankdrücker und "Dreckskerl"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/10/11/3235253-66222328-2560-1440.jpg)
Dembélé bei Barça vor dem Aus - neue Chance bei Klopp?
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)