Julian Nagelsmann war um eine unaufgeregte Darstellung der Sachlage bemüht. Robert Lewandowski sei "ganz normal in meinen Planungen drin", versicherte der Bayern-Trainer. Der Angreifer habe "sehr gut trainiert" und stehe beim Bundesliga-Finale in Wolfsburg (Samstag ab 15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) in der Startelf.
Nur: Unaufgeregt und normal ist bei Lewandowski derzeit nichts.
Der 33-Jährige bestimmt mit seinem möglichen Transfer zum FC Barcelona die Schlagzeilen. Die Frage, ob er seinen bis 30. Juni 2023 laufenden Vertrag erfüllt oder schon in diesem Sommer München verlässt, wird in den Medien und bei den Fans heiß diskutiert.
Bundesliga
Medien: Lewandowski nur noch einmal für den FC Bayern
13/05/2022 AM 05:48
Wie nicht anders zu erwarten bei einer solchen Gemengelage, wird bereits munter über einen potenziellen Nachfolger für den Ausnahmestürmer diskutiert. Illustre Namen machen die Runde.
Eurosport.de stellt die Kandidaten vor:

Der Smart Deal: Patrik Schick

Man stelle sich für einen Moment vor, Patrik Schick wäre zum Vorstellungsgespräch an der Säbener Straße und müsste darlegen, warum der FC Bayern gerade ihn einstellen sollte. Schick würde einmal tief Luft holen und seine Qualifikationen aufzählen: 24 Saisontore in 26 Ligaspielen für Bayer Leverkusen, 17 Treffer in 33 Partien für Tschechien, robustes Auftreten bei einer Körpergröße von 1,91 m, bestes Fußballeralter mit 26 Jahren, Gewinner des silbernen Schuhs bei der EM 2021, Bundesliga-Spieler des Monats im Dezember desselben Jahres.

Patrik Schick von Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic würde auf der anderen Seite des Tisches ein Pokerface aufsetzen und nach effektvollem Zögern mitteilen, dass man sich melden werde. Wohlwissend, dass der Job soeben vergeben wurde. Zugegeben, so läuft es im Fußballgeschäft nicht ab - dass Schick aber über exzellente Referenzen verfügt, steht außer Frage. Der Bayer-Profi, der in Leverkusen noch bis 30. Juni 2025 unter Vertrag steht, würde nach eigenen Angaben bei Bayern in die größten Fußstapfen treten, die es im Weltfußball gibt.
"Für mich gibt es weltweit keinen Besseren", schwärmte Schick im März von Lewandowski. "Er steht einfach immer genau da, wo er sein muss. Seine traumhafte Sicherheit im Abschluss, seine Bewegungen im Strafraum, seine Verbindung zu den Mitspielern. Einfach unglaublich, wie er Woche für Woche performt und abliefert." Schick muss aber klar sein, dass das auch von ihm erwartet wird, sollte er tatsächlich in München landen.
  • Geschätzte Ablöse: 40 Millionen Euro

Der logische Transfer: Christopher Nkunku

Julian Nagelsmann hat ja gerne alles im Blick, gilt als detailversessen und extrem analytisch. Ein Transfer von Christopher Nkunku wäre insofern praktisch, als dass der Bayern-Coach den Franzosen bestens kennt. Es war Nagelsmann, unter dem Nkunku in der Saison 2019/2020 bei RB Leipzig sein Debüt im deutschen Fußball-Oberhaus gab. Im dritten Jahr bei den Sachsen startet der 24-Jährige nun durch. 20 Ligatreffer stehen zu Buche, dazu war Nkunku siebenmal in der Champions League und sechsmal in der Europa League erfolgreich.

Glänzt derzeit im Trikot von RB Leipzig: Christopher Nkunku

Fotocredit: Getty Images

Ein Transfer nach München wäre nur logisch, zumindest auf den ersten Blick. Denn: Nkunku ist nicht in dem Maße Mittelstürmer wie Lewandowski, dafür aber variabler einsetzbar. Leipzigs Trainer Jesse Marsch bot den französischen Nationalspieler allein in dieser Saison auf sechs offensiven Positionen auf - allerdings nur dreimal als klassischen zentralen Angreifer. Vertraglich ist der 24-Jährige noch bis 30. Juni 2024 an die Sachsen gebunden.
  • Geschätzte Ablöse: 65 bis 70 Millionen Euro

Der Brocken: Romelu Lukaku

Die Variante Romelu Lukaku wäre der Griff ins oberste Regal, die Bayern müssten sich finanziell auf die Zehenspitzen stellen und vielleicht sogar ein wenig hüpfen, um ranzukommen. Ist nicht unbedingt zu erwarten. Zu monetären Hochrisikogeschäften lassen sich die Verantwortlichen nur selten hinreißen. Einerseits.

Romelu Lukaku

Fotocredit: Getty Images

Andererseits drohen die Münchner international den Anschluss zu verlieren, wenn man bei einem Lewandowski-Abgang nicht in die Vollen geht. Bereits in dieser Champions-League-Saison wurde im Viertelfinale gegen den FC Villarreal deutlich, dass der FCB seinen Schrecken verloren hat in Europa.
Mit Lukaku würde der deutsche Rekordmeister ein Zeichen senden, man hätte wieder einen echten Mittelstürmer von Weltruf im Kader. Die Klasse des 29-jährigen Belgiers ist unstrittig, auch wenn es in dieser Saison beim FC Chelsea, wo er noch bis 2026 unter Vertrag steht, nicht optimal läuft. Der bullige Angreifer ist aber mit allen Wassern gewaschen, gestählt durch neun Jahre Premier League und zwei Spielzeiten bei Inter Mailand in der Serie A.
  • Geschätzte Ablöse: 85 bis 90 Millionen Euro

Der alte Bekannte: Sébastien Haller

Einst walzte Sébastien Haller als Teil der Frankfurter "Büffelherde" die Gegner in Bundesliga, DFB-Pokal (Titel 2018) und Europa League (Halbfinale 2018/2019) nieder. Über West Ham United landete der Ivorer schließlich bei Ajax Amsterdam, wo er nach schwierigen Jahren in der Premier League wieder aufblühte. Die Torjägerliste führt er mit 21 Treffern an, Meister mit Ajax ist seit vergangenem Wochenende. Kehrt Haller jetzt in die Bundesliga zurück?

Sébastien Haller (Mitte) bei Ajax Amsterdam

Fotocredit: Imago

Denkbar. Neben den Bayern wird der Offensivstar aber auch mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Körperlich robust und 1,90 m groß, wäre der 27-Jährige für beide Vereine eine Option für die Zentrale ganz vorne.
Zumal er das Gerücht, es ziehe ihn wie Ajax-Trainer Erik ten Hag zu Manchester United, dementierte. "Ich werde ihm nicht folgen", bekräftigte Haller, der offiziell noch bis 2025 an Amsterdam gebunden ist. Ob der Nationalspieler, der sich in England bei West Ham nicht etablieren konnte, die richtige Kragenweite für die Bayern hat, ist fraglich.
  • Geschätzte Ablöse: 30 bis 35 Millionen Euro

Der DFB-Kandidat: Timo Werner

Ja, warum eigentlich nicht Timo Werner? Ein pfeilschneller Mittelstürmer, der auch über links oder rechts kommen kann. 26 Jahre alt, erfahren, deutscher Nationalspieler. Und: Nicht unbedingt darauf erpicht, seinen Vertrag beim FC Chelsea bis 2025 zu erfüllen. Allerdings: In der Währung, die für Stürmer zählt, ist Werner seit Längerem knapp bei Kasse. Ganze vier Tore gelangen dem Schwaben in 21 Premier-League-Spielen dieser Saison.

Timo Werner

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In London hat Werner einen schweren Stand, gerät ob seiner niedrigen Torquote immer wieder in die Kritik. Dass er es besser kann, bewies der ehemalige VfB- und Leipzig-Profi in der Nationalmannschaft. Sechs Tore aus den vergangenen sieben Partien sprechen eine andere Sprache als die Bilanz in England. Aber ob das reicht, um die Bayern zu überzeugen?
  • Geschätzte Ablöse: 50 Millionen Euro

Die große Lösung: Sadio Mané

Es wäre ein Husarenstreich, wenn es den Bayern gelänge, einen der Superstars aus der Offensive des FC Liverpool loszueisen. Nichts anderes wäre eine Verpflichtung von Sadio Mané, der mit den Reds im Finale der Champions League steht und noch immer das historische Quadruple schaffen kann. Und dennoch machte vor ein paar Tagen das Gerücht die Runde, die Bayern hätten ihre Fühler Richtung Anfield ausgestreckt. Frei nach dem Motto: Think big!

Jürgen Klopp (l.) und Sadio Mané

Fotocredit: Getty Images

Klar scheint aber auch, dass Mané gar nicht wegwill aus Liverpool. "Ich versuche, jeden Moment zu genießen, Tore zu schießen und meinen Teamkollegen Vorlagen zu geben", erzählte der 30-Jährige unter der Woche bei "Sky Sports UK". Er sei "sehr, sehr glücklich" in Liverpool. Darüber hinaus sollten die Münchner bedenken, dass der Senegalese kein klassischer Mittelstürmer ist und seine Stärken auf dem linken Flügel hat. Allerdings: Manés Vertrag läuft im Juni 2023 aus, die Zukunft ist offen.
  • Geschätzte Ablöse: 80 Millionen Euro

Der Perspektivstürmer: Darwin Núñez

Es wäre sehr verwunderlich, wenn Darwin Núñez seinen Vertrag bei Benfica bis 2025 erfüllen würde. Der 22-Jährige aus Uruguay erzielte trotz einer schwachen Meisterschaft des Lissabonner Traditionsklubs 26 Tore in 28 Partien. In der Champions League war Núñez mit sechs Treffern eine der Schlüsselfiguren beim überraschenden Einzug ins Viertelfinale. Dort scheiterten die Portugiesen zwar mit 1:3 und 3:3 an Liverpool, das Offensivtalent trug sich aber in beiden Partien in die Torschützenliste ein. Kurzum: Der Mann hat auf sich aufmerksam gemacht.

Darwin Núñez (Benfica) im Viertelfinale gegen Liverpool

Fotocredit: Getty Images

Ob die Bayern einem 22-Jährigen ohne die ganz große Erfahrung die Verantwortung der Lewandowski-Nachfolge übertragen, scheint unwahrscheinlich. Núñez könnte aber eine Option sein, wenn es um einen Perspektivstürmer geht, der zusätzlich zu einem arrivierten Angreifer an die Säbener Straße geholt wird.
  • Geschätzte Ablöse: 40 Millionen Euro
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