Es könnte eigentlich kaum besser laufen für Julian Nagelsmann und den FC Bayern. Bevor der neue Trainer am vergangenen Samstag, während der Länderspielpause, die Hundert-Tage-Marke passierte, trumpfte seine Mannschaft sowohl in der Bundesliga als auch auf internationalem Parkett groß auf.
Die deutlichen Siege gegen den FC Barcelona (3:0) und Dynamo Kiew (5:0) in der Champions League sowie das souveräne 4:1 gegen RB Leipzig und die Schützenfeste gegen Hertha BSC (5:0) und den VfL Bochum (7:0) dürften Nagelsmann in besonders schöner Erinnerung geblieben sein.
Der Münchner Himmel hängt voller Geigen, daran änderte auch die unglückliche Niederlage zuletzt gegen Eintracht Frankfurt nicht viel. Nagelsmann ist es binnen kurzer Zeit gelungen, Fans und Experten zu begeistern, lange mussten die Anhänger seinem erfolgreichen Vorgänger Hansi Flick jedenfalls nicht nachtrauern.
Bundesliga
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Das Gros der Spieler entwickelt sich unter seiner Ägide prächtig, einige FCB-Profis straucheln allerdings noch.
Die Verlierer der bisherigen Nagelsmann-Ära:

Marcel Sabitzer

Neben Dayot Upamecano und Nagelsmann fand mit Marcel Sabitzer ein weiterer Leipziger den Weg nach München. Kurz vor Transferschluss tüteten die Bayern den Wechsel ein, überwiesen rund 15 Millionen Euro an die Roten Bullen. Der Österreicher galt als Wunschspieler seines ehemaligen Trainers.
Zu einem Startelf-Einsatz reichte es bislang allerdings nicht, an seinen potenziellen Konkurrenten Joshua Kimmich und Marcel Sabitzer kommt er nicht vorbei. Ex-Bayern-Profi Dietmar Hamann kritisierte seinen ehemaligen Arbeitgeber vor wenigen Tagen für den Transfer: "Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich hätte ihn nicht geholt", sagte er im Interview mit "Spox" und "Goal".
Hamann begründete: "Er ist zu undiszipliniert. Die Frage ist auch, was seine beste Position ist. Auf der Acht schießt er wahrscheinlich nicht genug Tore, auf der Sechs ist er mir zu hitzköpfig."

Marcel Sabitzer (links) und Julian Nagelsmann - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Als Nagelsmann in der vergangenen Woche auf Sabitzers Situation angesprochen wurde, ließ er aufhorchen. Zwar sei der 27-Jährige ein "herausragender Spieler", der "seine Einsatzzeiten bekommen" werde. Aber: "Er hat natürlich große Konkurrenz, das wusste er auch."
Sabitzer sei "nicht mit dem Selbstverständnis hergekommen, jedes Spiel von Beginn an zu machen oder sofort einen der anderen beiden auf dieser Position zu verdrängen." Das scheint in absehbarer Zeit auch nicht möglich zu sein, bisher hat Sabitzer von seinem Wechsel nicht unbedingt profitiert.

Omar Richards

Omar Richards kam im Sommer ablösefrei vom englischen Zweitligisten FC Reading. In der Vorbereitung hatte er prompt die Chance, in Abwesenheite der namhaften Konkurrenz, Überzeugungsarbeit zu leisten. Dies gelang ihm jedoch nicht vollumfänglich, die einzigen Pflichtspielminuten sammelte er bis dato im Rahmen der beiden ungefährdeten Kantersiege gegen den Bremer SV (12:0) und VfL Bochum (7:0).
Warum es noch nicht für mehr reicht, fasste Nagelsmann einigermaßen unverblümt zusammen. "In England haben viele seiner Kollegen überwiegend lange Bälle gespielt und er musste hinterherdackeln", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Wenn er dann mal den Ball hatte, dann hat er versucht, ihn zu behalten, indem er viel gedribbelt ist. Das strahlt noch ein bisschen ab."

Omar Richards im Gespräch mit Julian Nagelsmann

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Tatsächlich wirkte Richards während der Sommervorbereitung ein ums andere Mal etwas zu überhastet, im ersten Testspiel gegen Köln leitete er mit einem leichten Ballverlust den zwischenzeitlichen Ausgleich ein, auch ansonsten wirkte der Engländer nicht immer sattelfest. Richards nehme laut Nagelsmann noch "insgesamt zu viel Risiko in Situationen, in denen man in der Bundesliga kein Risiko nehmen sollte."
Auf das eine oder andere Dribbling zu verzichten sei eben ein Lernprozess. Schreitet dieser in Zukunft voran, bringt Richards seinen von Nagelsmann gelobten "guten, tiefen Körperschwerpunkt" besser ein, könnte er zu einer Option für den gesetzten Alphonso Davies werden. Stand jetzt ist er die noch nicht.

Kingsley Coman

Er war der große Held des Champions-League-Finals 2020, Coman köpfte die Bayern gegen PSG in Lissabon zum zweiten Triple der Klubhistorie. Ein merklicher Karriereboost, in der Folgesaison blühte der Franzose auf, legte mit acht Toren und 15 Vorlagen seine wohl beste Bayern-Saison hin.
Coman, der sein großes Potenzial seit seinem Wechsel von Juventus Turin im Sommer 2015 immer wieder andeutete, aber nie komplett abzurufen schien, war plötzlich Flügelstürmer Nummer eins bei Hansi Flick. Der Erfolgstrainer hielt seine restlichen Außenbahnspieler Serge Gnabry, Leroy Sané und Douglas Costa sogar an, sich ein Beispiel an dem 25-Jährigen zu nehmen.
Die Wertschätzung seines Trainers, das Wissen, endlich gesetzt zu sein, nahm Coman in der Folge zum Anlass, monetär in höhere Gefilde steigen zu wollen. Gemeinsam mit seinem Berater Pini Zahavi, der in München spätestens seit der Verlängerungsposse um David Alaba kein allzu gern gesehener Gast ist, soll Coman ein Jahresgehalt von über 20 Millionen Euro gefordert haben. Ein Gebaren, dass bei den FCB-Verantwortlichen für Kopfschütteln sorgte.

Kingsley Coman vom FC Bayern München

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Mittlerweile hat sich Comans Verhandlungsposition verändert. Von Zahavi hat er sich getrennt, seinen Status als überzeugendster Flügelstürmer ist ebenfalls dahin. Verantwortlich ist Coman dafür nicht, er hatte schlicht großes Pech.
Mitte September musste Coman sich einer routinemäßigen Herz-Operation unterziehen, kleine Rhythmusstörungen seien der Auslöser dafür gewesen, wie Nagelsmann damals auf einer Pressekonferenz verriet. Seitdem absolvierte er kein Spiel mehr, er nutzte die Länderspielpause, um sich auf sein Comeback vorzubereiten. Am Sonntag könnte es in Leverkusen (15:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport) so weit sein.
Während seiner Abwesenheit spielte sich das DFB-Duo um Gnabry und dem deutlich erstarkten Sané fest, auch Jamal Musiala befindet sich in guter Form, Coman muss sich erst einmal zurückarbeiten, was sich mit Blick auf die aktuellen Umstände schwierig gestalten könnte.
Seine Zukunft ist indes immer noch nicht geklärt. Die Vertragsverhandlungen sollen weiterhin stocken, 2023 könnte Coman, sollte es zu keiner Einigung kommen, ablösefrei gehen. Wie die "Sport Bild" berichtet, stehe er auch einem Wechsel im kommenden Sommer offen gegenüber. Dann würden die Bayern immerhin noch eine Ablöse für Coman einstreichen.

Tanguy Nianzou

Das französische Top-Talent schien sich nach seinem schwierigen Premierenjahr endlich stabilisiert zu haben. Tanguy Nianzou, der die gesamte Vorbereitung problemlos absolvierte, war eigentlich einer der großen Gewinner des Sommers.
Ralf Rangnick, ehemaliger Trainer und Sportdirektor bei RB Leipzig, beglückwünschte die Bayern im Herbst 2020 für den Coup, Nianzou ablösefrei aus Paris geholt zu haben. "Ich lege mich mal fest: Wenn er einigermaßen gesund bleibt, wird er innerhalb eines Jahres Stammspieler beim FC Bayern", sagte Rangnick damals im "Doppelpass" bei "Sport1".

Tanguy Nianzou (l.) im Test gegen Gladbach

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Nun ist ein Jahr vergangen, Nianzou aber längst kein Stammspieler. Womöglich ein Grund dafür: Die von Rangnick vorausgesetzte Variable namens Gesundheit wurde nicht eingehalten. Der 19-Jährige wurde in der Vorsaison regelmäßig zurückgeworfen, immer wieder in verletzungsbedingte Zwangspausen geschickt.
Nun ist er über einen längeren Zeitraum fit, auf viel Einsatzzeit wartet er allerdings noch vergeblich. Im DFB-Pokal durfte er gegen Fünftligist Bremer SV über die volle Distanz ran, in der Bundesliga kommt er allerdings bisher nur auf drei Einwechslungen.
"Tanguy fehlt noch der Rhythmus", begründete Nagelsmann die wenigen Spielminuten seines Abwehr-Juwels. Zwar ist die Saison noch lang, die Bayern haben noch viele englische Wochen vor der Brust – dass Nianzou schon bald in besagten Rhythmus findet, wirkt aktuell aber etwas unwahrscheinlich.

Corentin Tolisso

Die Geschichte zu Corentin Tolisso ist recht schnell erzählt. Das Pech, das ihn schon während der gesamten Vorsaison begleitete, haftet weiterhin an seinen Stollen. Corona-Erkrankung und anschließende Quarantäne im Sommer, nach seiner Rückkehr drei Einsätze, im Anschluss machte die Wade Probleme.
Am Dienstag stand er erstmals seit Anfang September wieder mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Dass Tolisso, dessen Konkurrenten aktuell Kimmich, Goretzka und Sabitzer heißen, schon bald eine tragende Rolle einnimmt, ist unwahrscheinlich. Schon im Winter dürfte Tolisso (Vertrag läuft im Sommer aus) ein Wechselkandidat sein, es wäre die letzte Möglichkeit, noch ein wenig Ablöse zu bekommen.
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