Collinas Erben löschen Twitter-Account nach üblen Beleidigungen - Szenen mit Kimmich und Kossounou aus Auslöser

Jahrelang betrieben Klaas Reese und Alex Feuerherdt den Twitter-Account "Collinas Erben", auf dem das Duo im Netz diskutierte Schiedsrichterentscheidungen einordnete. Nun haben Reese und Feuerherdt ihren Account gelöscht. Der Grund: Am Samstag war auf der Seite ein wüster Shitstorm losgebrochen. Feuerherdt sprach gegenüber dem "Express" von Beleidigungen "einer anderen Qualität und Quantität".

Odilon Kossounou bekommt im Spiel gegen Hertha BSC den Ball an die Hand

Fotocredit: Imago

Im Bundesliga-Spiel zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart führte ein VAR-Eingriff nach 51 Minuten zu Diskussionen in den Sozialen Medien. Stuttgarts Chris Führich hatte Joshua Kimmich im Strafraum den Ball abgeluchst und Serhou Guirassy bedient, der den Ball zum vermeintlichen 1:1 nur noch einschieben musste.
Doch Schiedsrichter Christian Dingert nahm das Tor nach einem Eingriff des Videoassistenten zurück. Führich hatte Kimmich leicht am Trikot gezogen, der daraufhin zu Boden gegangen war.
Für Collinas Erben habe es sich um keine eindeutige Fehlentscheidung gehandelt - also kein Grund für einen VAR-Eingriff, das Tor hätte zählen müssen.
Auch zu einer Szene in der Begegnung zwischen Bayer Leverkusen und Hertha BSC äußerten sich die Schiedsrichterexperten. Odilon Kossounou beging im Sechzehner der Hertha ein Handspiel, das Benjamin Brand nicht ahndete. Collinas Erben verteidigten den 33 Jahre alten Referee auf Twitter.

Feuerherdt: "Eine andere Qualität und Quantität"

Unter beiden Beiträgen erntete das Duo daraufhin wüste Beleidigungen und Beschimpfungen, welche die Gürtellinie weit unterschritten - das Fass zum überlaufen brachten aber wohl die Kommentare zum Spiel in der Hauptstadt.
Beim Stand von 2:2 hatte der Herthaner Jean-Paul Boetius Kossounou den Ball an die Hand geschossen. Zwar war der Arm des ivorischen Innenverteidigers nicht am Körper angelegt, eine Absicht sei beim Leverkusener aber dennoch nicht zu erkennen gewesen.
Anhand dieser Szene habe das Duo versucht "zu erklären, warum der Schiedsrichter das nicht geahndet hat", erläuterte Feuerherdt im Nachgang. "Leider ist es oft so: Wenn man regeltechnische Erklärungen anbietet, ist man bei Twitter zu Kürze gezwungen, das kann dann schwierig werden. Twitter ist dann schnell erhitzt."
"Wir sind Kritik gewohnt, auch unsachliche, können damit umgehen und wissen sie einzuordnen. Damit müssen wir auch leben, das ist normal, gerade wenn es um Schiedsrichterentscheidungen geht", erklärte der 53-Jährige, der seit vergangenem Jahr auch als Schiedsrichter-Experte bei "Sky" auftaucht, gegenüber dem "Express".

Feuerherdt berichtet von "über 200 Beleidigungen"

Am Samstag haben die Attacken allerdings eine neue Dimension angenommen. "Was sich gestern zugetragen hat, an Beleidigungen, Herabwürdigungen, persönlichen Angriffen und Aggressionen, hatte eine andere Qualität und Quantität", beschrieb Feuerherdt und erklärte: "Dann ist es schon aus Gründen des Selbstschutzes geboten, Konsequenzen zu ziehen."
Auf Nachfrage der "Deutschen Presse Agentur" berichtete Feuerherdt von "über 200 Beleidigungen, Schmähungen, Herabwürdigungen" und bekräftigte: "Da muss man sich selbst schützen."
Patrick Ittrich - als Bundesliga-Schiedsrichter selbst häufig im Zentrum der Kritik - äußerte sich entsetzt zu den Vorkomnissen des Wochenendes und bedauerte den Rückzug der Schiedsrichterexperten. "Collinas Erben leisten seit langer Zeit wertvolle Arbeit. Jeder Fan sollte dankbar sein. Stattdessen Shitstorm", schimpfte der 43 Jahre alte Hamburger bei Twitter.

Ittrich zeigt sich entsetzt

Zudem bemängelte er die Kommunikationskultur im und außerhalb des Netzes. "Auf welcher Basis nehmt ihr euch das Recht heraus, so mit Menschen umzugehen? Stadion oder Internet: Wie wenig reflektiert kann man sein? Euer Fan-Status rechtfertig nix", polterte Ittrich auf seinem Social-Media-Account.
Ob das Projekt Collinas Erben, das 2012 als Fußball-Podcast begann, eine Zukunft hat, wollte das Duo nach "Express"-Informationen noch überdenken. Dass der Twitter-Account nach den Geschehnissen des Wochenendes zeitnah reaktiviert wird, scheint hingegen unwahrscheinlich.
Der 53 Jahre alte Feuerherdt arbeitete selbst bereits seit 1985 bis zur höchsten Amateurspielklasse als Schiedsrichter und ist seit 1998 als Schiedsrichterausbilder und -beobachter in der Regionalliga und der Jugend-Bundesliga tätig.
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