Deniz Aytekin verwundert mit Aussagen zum Tritt von Jude Bellingham - Bayern-Trainer Nagelsmann tobt
VonThomas Gaber
Publiziert 08/10/2022 um 23:30 GMT+2 Uhr
Es war eine mitentscheidende Szene im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern: Kurz vor der Pause trifft Jude Bellingham Alphonso Davies mit dem Fuß im Gesicht. Für Julian Nagelsmann und Lothar Matthäus war klar: Der BVB-Profi muss für diese Aktion vom Platz fliegen. Doch Schiedsrichter Deniz Aytekin erkannte nicht einmal auf Foulspiel - und verwunderte hinterher mit seinen Aussagen.
Deniz Aytekin leitete das Topspiel zwischen Dortmund und Bayern
Fotocredit: Imago
Deniz Aytekin kam zum ersten Mal in den Genuss, den Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München pfeifen zu dürfen.
Aytekin ist gebürtiger Bayer und daher in der Regel nicht vorgesehen für Spiele des FC Bayern. Da der DFB allerdings Ansetzungen von Schiedsrichtern nur aus dem gleichen Land- oder Stadtkreis der Klubs ausschließt, war ein Einsatz von Aytekin, der aus Nürnberg stammt, nach den Statuten des Verbandes kein Problem.
Es war das vierte Mal, dass Aytekin ein Bundesligaspiel der Münchner leitete und es war sein mit Abstand schwierigstes.
"Dieses Spiel ist schon exponentiell. Sehr intensiv mit vielen Zweikämpfen. Und wenn zwei Topmannschaften aufeinandertreffen, geht es auch um viel", sagte Aytekin nach der Partie bei "Sky".
Julian Nagelsmann schäumt: "Volle Kanne ins Gesicht"
Der 44-Jährige verteilte früh drei Gelbe Karten - was ihm später zum Verhängnis werden sollte. In der 44. Minute traf Jude Belingham Alphonso Davies beim Kampf um den Ball mit dem rechten Fuß im Gesicht. Der Bayern-Spieler musste umgehend ausgewechselt und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden - doch Bellingham durfte trotz vorheriger Verwarnung weiterspielen.
Am Sonntag meldete sich Davies bei Instagram zu Wort und teilte seinen Fans mit, dass er "bald auf dem Feld zurück sein" werde. Bellingham erklärte hinterher, dass er sich die Nummer von Davies besorgen und ihm eine Nachricht schicken wolle: "Natürlich will ich niemals jemanden verletzen."
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann schäumte dennoch: "Der tritt dem volle Kanne ins Gesicht. Im Sommer haben wir bei der Schiedsrichterschulung gelernt, dass ein Spieler, der einem anderen mit dem hohen Fuß ins Gesicht trifft, die Rote Karte sieht. Das hier ist glatt Rot, er sieht aber nicht mal Gelb."
Auch Lothar Matthäus äußerte bei "Sky" sein Unverständnis: "Der Fuß hat da oben nichts zu suchen. Das ist auf jeden Fall eine Gelbe Karte und für Bellingham hätte es infolge dessen Gelb-Rot geben müssen." Aytekin war anderer Meinung, lieferte aber eine seltsame Begründung für die ausbleibende Gelbe Karte für Bellingham.
"Ich kann jeden verstehen, der das anders sieht. Das ist eben Fußball. Aber man muss ein Fußballspiel auch ein Stück weit im Gesamten betrachten. Die erste Gelbe Karte für Bellingham war in einer hektischen Phase, er hat eine Kann-Gelbe bekommen, keine zwingende. Und in der Situation war es für mich so, dass der Spieler (Davies, Anm. d. Red.) von hinten kam, mit dem Kopf nach unten. Mir hat die letzte Überzeugung gefehlt, hier Gelb-Rot zu geben und so ein Spiel letztlich zu entscheiden", sagte er und betonte nochmals im "Aktuellen Sportstudio" des "ZDF": "Von einer klaren Rote Karte zu sprechen, sehe ich nicht so."
Aytekin erkannte nicht mal ein Foulspiel
Matthäus konnte mit dieser Aussage nichts anfangen. "Ich verstehe das nicht, er hat sich jetzt ein bisschen um Kopf und Kragen geredet. Warum kann ich die zweite Szene mit der ersten vergleichen und irgendwas aufheben, weil ich vorher vielleicht überzogen habe? Eine Gelbe Karte ist eine Gelbe Karte. Da kann man nicht sagen: 'Beim ersten Mal war ich zu streng jetzt lasse ich ein bisschen weg.' Das habe ich jetzt nicht verstanden", sagte der "Sky"-Experte.
Matthäus' Fazit: "Aytekin hätte klar sagen können: 'Ich habe die Szene anders wahrgenommen, Tatsachenentscheidung. Dann ist das in Ordnung, obwohl es ein klares Foulspiel war."
Aytekins Aussage, Bellinghams Tritt habe nicht für eine Gelbe Karte gereicht, bekommt zusätzliche Brisanz, da der Schiedsrichter die Szene überhaupt nicht als Foulspiel gewertet hatte.
Während sich Davies am Boden liegend mit beiden Händen ins Gesicht fasste, ließ Aytekin weiterspielen. Insofern muss er Bellinghams Einsatz als regelkonform eingestuft haben - eine krasse Fehlentscheidung. Ein Eingreifen des VAR, der Aytekin auf sein Versäumnis hätte hinweisen können, blieb übrigens offenbar ebenfalls aus.
Bellingham will sich bei Davies melden
Der ehemalige Schiedsrichter Manuel Gräfe sah dagegen ein anderes Problem. "Er hat es sich durch die frühen Gelben Karten selbst schwer gemacht", sagte Gräfe über die schnellen Verwarnungen von Aytekin in der Anfangsphase.
Bellingham erklärte nach dem Spiel, dass er sich die Nummer von Davies besorgen und ihm eine Nachricht schicken wolle. "Natürlich will ich niemals jemanden verletzen", sagte der englische Nationalspieler.
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Quelle: Perform
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