Drei Dinge, die bei Borussia Dortmund gegen den FC Bayern auffielen: Ein Münchner Einbruch in drei Akten
Der FC Bayern München gibt im Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund (2:2) eine Zwei-Tore-Führung und damit einen vermeintlich sicheren Sieg aus der Hand. Der Einbruch der überlegenen Münchner erfolgt dabei schrittweise, beim BVB überzeugt neben Matchwinner Anthony Modeste ein Youngster. Drei Dinge, die uns beim Top-Spiel im Signal Iduna Park auffielen.
"Ärgerlich für uns": Nagelsmann analysiert Bayern-Einbruch
Quelle: Perform
Oliver Kahn versank wutentbrannt in seinem Sitz, in die Luft geworfene Bierbecher entleerten ihren Inhalt auf den jubelnden Fans auf der Südtribüne: Das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmud und dem FC Bayern hielt mit dem 2:2 in letzter Sekunde durch Anthony Modeste einen ganz besonderen Schlusspunkt bereit.
Ehe die Hausherren munter mitmischten und ein zwischenzeitliches 0:2 noch in ein Remis verwandelten, hatte wenig darauf hingedeutet, dass der BVB dem Erzrivalen aus dem Süden tatsächlich noch einen Punkt abknüpfen würde.
Zu souverän agierten die Münchner, die dank der Treffer von Leon Goretzka (33.) und Leroy Sané (53.) in Front lagen, zu harmlos wirkten die Schwarz-Gelben über weite Strecken. Erst mit Youssoufa Moukokos Anschlusstor wurden die Hoffnungen auf dem Platz und auf den Rängen genährt, bevor Joker Modeste das Stadion in der fünften Minute der Nachspielzeit zum Kochen brachte. "Ich verstehe nicht, wie wir das herschenken konnten", meinte Bayern-Kapitän Manuel Neuer sauer.
Dass die Bayern die Kontrolle verloren, überraschte auf den ersten Blick, doch dem Einbruch in der Schlussphase waren drei essentielle Szenen vorangegangen.
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Dank Moukoko und Modeste: BVB stellt Heim-Rekord auf
Quelle: Perform
Drei Dinge, die bei Borussia Dortmund gegen den FC Bayern auffielen.
1.) Ein Bayern-Einbruch in drei Akten
Alphonso Davies musste kurz vor der Pause nach einem Tritt von Jude Bellingham ins Gesicht mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Ein Umstand, der, so sollte sich rückblickend herausstellen, schwer wog.
Für den Kanadier, der sofort ins Krankenhaus gebracht wurde, kam Josip Stanisic in die Partie. Hielt sich der junge Kroate aufgrund der fehlenden Dortmunder Durchschlagskraft zunächst schadlos, wackelte er mit fortlaufender Spielzeit in der Folge immer mehr.
Vor allem mit dem ebenfalls eingewechselten Karim Adeyemi hatte Stanisic seine liebe Mühe, regelmäßig ließ der 22-Jährige seinen pfeilschnellen Kontrahenten ziehen. Im Vorfeld des 2:2 wurde Stanisic erst überspielt, bevor er im Duell mit Nico Schlotterbeck viel zu zaghaft verteidigte und dem Nationalspieler somit die entscheidende Flanke auf Modeste ermöglichte.
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Alphonso Davies (l.) wird nach einem Tritt von Jude Bellingham ins Gesicht ausgewechselt - Borussia Dortmund vs. FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Doch nicht nur Davies' Auswechslung hatte aus Bayern Sicht negative Konsequenzen, nach rund einer Stunde musste auch Matthjis de Ligt verletzungsbedingt vom Feld. Laut Trainer Julian Nagelsmann klagte der Niederländer bereits in der Pause über Probleme im Adduktorenbereich. Diese seien im zweiten Durchgang noch schlimmer geworden.
De Ligt wurde - mangels Innenverteidiger-Alternativen - von Neuzugang Noussair Mazraoui ersetzt. Der Marokkaner bekleidete seine Stammposition auf der rechten, defensiven Außenbahn, Benjamin Pavard rückte dafür ins Abwehrzentrum. Nach den Herausnahmen von Davies und de Ligt ergab sich in der Bayern-Hintermannschaft so eine völlig neue Struktur.
Eine personelle Konstellation, in der die Gäste zuvor noch nie gespielt hatten - zu allem Überfluss spielte beim Tor zum 2:2 nicht nur Stanisic eine entscheidende Rolle, auch Mazraoui machte eine unglückliche Figur, weil er Modeste am langen Pfosten aus den Augen verloren hatte.
Der letzte und ebenfalls mitentscheidende Akt des Bayern-Einbruchs: Weil Kingsley Coman, der zuvor bereits die Gelbe Karte gesehen hatte, sich zu einem taktischen Foul an Adeyemi hinreißen ließ, musste der FCB die gesamte Nachspielzeit mit einem Mann weniger bestreiten. Nicht sonderlich hilfreich, wenn der Gegner alle Spieler, inklusive Torhüter, im Strafraum unterbringt.
2.) Juwel Moukoko glänzt in wichtigen Spielen
Freilich war der zuletzt so gescholtene Modeste mit Assist zum 1:2 und Tor zum Ausgleich der gefeierte Held, dementsprechend schallten auch das noch aus Kölner Tagen bekannte "Modeste, Modeste, Anthony Modeste" durchs Stadion.
Neben dem Franzosen, der - wie bereits am Mittwoch in der Champions League in Sevilla - von Youngster Youssoufa Moukoko auf die Bank verdrängt worden war, avancierte ebenjener Moukoko gegen die Bayern zum Schlüsselspieler.
"Wir sehen die beiden jeden Tag im Training, wir sehen, wie sie die Tore kaputtschießen", sagte BVB-Coach Edin Terzic nach der Partie und ergänzte: "Wir haben schon unter der Woche betont, dass wir uns wünschen würden, dass beide für uns treffen. Deshalb war das heute sehr schön, wir sind uns sicher, dass beide weiterhin Tore für uns erzielen werden."
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Youssoufa Moukoko (l.) und Anthony Modeste
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Moukoko durfte aufgrund Modestes Flaute beim FC Sevilla (3:1) beginnen und zeigte mit starken Dribblings und klugen Pässen eine beeindruckende Leistung. Nicht die erste in einem wichtigen Spiel übrigens. Vor wenigen Wochen entschied das Top-Talent mit seinem Tor das prestigeträchtige Derby gegen den FC Schalke 04 (1:0).
Warum es derzeit so gut für das Eigengewächs läuft? "Ich trete mit ganz anderem Selbstvertrauen auf als im vergangenen Jahr. Das liegt auch am Vertrauen des Trainers", hatte Moukoko vor dem Duell mit den Bayern im vereinseigenen "BVB-TV" erklärt. Und das auch am Samstagabend wieder bestätigt.
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Terzic freut sich für Modeste: "Was Tony alles ertragen musste ..."
Quelle: Perform
3.) Zwei Schalker treffen Dortmund ins Mark
Niederlagen gegen die Bayern sind aus Sicht des Dortmunder Anhangs immer ganz besonders bitter. Wäre es am Samstagabend zur neunten Pleite in Serie gekommen, hätte der Frust wohl kaum größer sein können.
Mit Goretzka und Sané hatten ausgerechnet zwei ehemalige Spieler des qua geografischer Lage noch größeren Kontrahenten Schalke 04 die Dortmunder ins Mark getroffen. Tore gegen den BVB, das sei immer ein ganz besonderes Gefühl, gab Goretzka im Anschluss an das Spiel am "Sky"-Mikrofon zu.
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Leon Goretzka
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"Man möchte natürlich niemanden provozieren. Es ist ein geiles Gefühl, da möchte ich nicht lügen", sagte der 27-Jährige und schob nach: "Es hat mir natürlich großen Spaß gemacht, hier zu treffen."
Für den gebürtigen Bochumer, der im Dress der Königsblauen in sechs Aufeinandertreffen nie getroffen hatte, war es insgesamt das zweite Tor gegen Dortmund, Sané traf in zwei Derbys einmal für Schalke und mittlerweile zum zweiten Mal seit seinem Wechsel aus Manchester nach München.
Goretzka und Sané waren es auch, die Bayern in Abwesenheit der an Corona erkrankten Thomas Müller (nicht im Kader) und Joshua Kimmich (zur 46. Minute eingewechselt), auf dem Platz anführten. So waren die beiden Ex-Schalker für vier der nur neun Torschüsse der Bayern verantwortlich.
Sané spielte die meisten Bayern-Pässe in der BVB-Hälfte (29), Goretzka führte derweil die meisten Zweikämpfe auf Bayern-Seite (13), von denen er allerdings nur sechs gewann.
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BVB-Coach Terzic: "Sehr verdienter Punkt"
Quelle: Perform
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