FC Bayern erst hui, dann pfui: Die zwei Gesichter des FC Bayern gefähren die Meisterschaft

Der FC Bayern befindet sich in einer Identitätskrise. Zum siebten Mal in dieser Saison gaben die Münchner nach Führung noch Punkte ab, so oft wie seit 13 Jahren nicht. Dabei stellte der FCB kürzlich einen Bundesliga-Rekord auf: Nie zuvor trafen die Bayern so oft in der ersten Halbzeit wie in dieser Saison. Doch nach der Pause offenbaren sie erschreckende Schwächen, die viele "ratlos" zurücklassen.

Tuchel begründet Trainingspause: "Wir sehen ausgelaugt aus"

Quelle: Perform

Spätestens seit 2001 prägt ein Mythos die Bundesliga: Der Bayern-Dusel. Damals, am 19. Mai, schoss Patrick Andersson die Münchner in Hamburg in der vierten Minute der Nachspielzeit zur Deutschen Meisterschaft.
Dem im Wort enthaltene Vorwurf, es handele sich beim Bayern-Dusel um Zufall, widersprach Oliver Kahn einst. Es gäbe kein Glück, man müsse es stattdessen erzwingen, erklärte der damalige Weltklasse-Torhüter und beschrieb das Phänomen: "Aus der Tradition des FC Bayern heraus haben wir gute Nerven."
Zwei Dekaden später leidet der Rekordmeister an einer beispiellosen Identitätskrise. "Wer war hier noch mal die Mannschaft, die Deutscher Meister werden wollte", fragte Kahn, diesmal in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender, nach dem schwachen 1:3 (1:0) beim 1. FSV Mainz 05.
Bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit (wie im März in Leverkusen) verlor der deutsche Vorzeigeklub in der Bundesliga nach einem 1:0 zur Pause. Auch im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg waren die Bayern trotz Führung durch einen späten Gegentreffer (90.+5) ausgeschieden.

Müller "ratlos" ob der Rückschläge

Thomas Müller reagierte "ratlos" auf den nächsten Rückschlag in Mainz. Das Team sei "angenockt", musste der Routinier feststellen. Von dem Selbstverständnis, das sich über Jahre allein schon mit dem Überstreifen des roten Trikots einstellte, ist derzeit erschreckend wenig zu hören.
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Titel-Dämpfer in Mainz: Tuchel legt den Finger in die Wunde

Quelle: Perform

Aber nicht nur am Mikrofon, sondern vor allen Dingen auf dem Platz, wirken die Bayern verunsichert: Sieben Mal in dieser Spielzeit gaben die Münchner Zähler nach Führung ab – so häufig wie zuletzt vor 13 Jahren.
Schon in der Hinrunde, als man im Topspiel bei Borussia Dortmund trotz eines 2:0 in der Nachspielzeit den Ausgleich kassierte, schlug Leon Goretzka Alarm: "Wir haben unsere vielen Chancen in der zweiten Hälfte nicht genutzt. Es nervt natürlich und regt uns sehr auf. Das passiert uns in letzter Zeit ein bisschen zu oft."
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Joshua Kimmich vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Doch der Warnschuss des 28-Jährigen aus dem Oktober schallte augenscheinlich nicht laut genug durch die Säbener Straße. Im Gegenteil: Bayerns Diskrepanz zwischen den ersten und den zweiten 45 Minuten wurden im Saisonverlauf eklatant.

Die zwei Bayern-Gesichter

In der ersten Halbzeit liefern die Münchner ab, sogar historisch stark: Nie zuvor erzielten die Bayern im ersten Durchgang so viele Tore wie in dieser Saison. Benjamin Pavard egalisierte im Heimspiel gegen Hoffenheim (1:1) die historische Marke von 52 Treffern, Sadio Mané stellte mit dem 53. Tor im 29. Spiel in der Mewa Arena einen neuen Rekord auf.
Doch in der Folge entpuppte sich die Begegnung in Mainz als Sinnbild einer Achterbahn-Saison. Betrachtet man nur die ersten 45 Minuten, thronen die Bayern unangefochten mit 73 Punkten an der Tabellenspitze (19 Punkte vor dem BVB).
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Frust beim FC Bayern nach der Pleite ins Mainz: Kapitän Thomas Müller kann es nicht fassen

Fotocredit: Getty Images

Nach dem Seitenwechsel zeichnet sich dagegen ein vollkommen anderer Eindruck ab. Elf der 29 Hälften verloren die Münchner, stehen nach der Pause mit mickrigen 38 Zählern auf Tabellenrang zehn und damit schwächer als Mannschaften wie Frankfurt, Freiburg oder Gladbach. Der Rekordmeister kassiert zudem mehr als doppelt so viele Gegentore wie vor dem Seitenwechsel.
"Wir sind nicht in der Lage, über 90 Minuten Leistung zu bringen", musste Thomas Tuchel zuletzt eingestehen.

Der FC Bayern im Halbzeitvergleich

HalbzeitPlatzTorePunkte
1. Hälfte1.53:1073
2. Hälfte10.26:2338

Tuchel fehlt die Energie

Auch der Offensivmotor kommt nach dem Kabinenbesuch kaum auf Temperaturen. Besonders die Durchschlagskraft in der Schlussphase, die den FC Bayern einst so stark machte, bleibt 2022/2023 vollkommen auf der Strecke.
In den zurückliegenden zehn Spielzeiten erzielten die Bayern ab der 60. Spielminute im Schnitt mehr als 34 Tore. Aktuell liegt die Mannschaft von Tuchel bei nur 17 Treffern in der letzten halben Stunde. Gegen Mainz stellte der Trainer nach den Gegentreffern überdies fest, "dass wir nicht mehr die Kraft und Energie hatten, zurückzukommen."
Das Team könne sich derzeit nicht mehr auflehnen: "Das schaffen wir gerade nicht." Mit der bitteren Erkenntnis, die Bayern seien "ausgelaugt", ordnete Tuchel eine Trainingspause an. Gefährlich, könnte man unken, wenn man weiß, wie die Bayern dieser Tage aus der Pause kommen.

Chefetage erkennt ein Kopfproblem

Die Janusköpfigkeit ist frappierend, der Einbruch in Mainz kostete die Bayern schlussendlich die Tabellenführung. Die Ursachenforschung für Leistungsabstürze fällt schwer. Auch Tuchel musste eingestehen: "Ich weiß nicht, wieso wir uns nicht aufbäumen können."
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Tuchel nach Bayern-Pleite ratlos: "Habe keine Erklärung dafür"

Quelle: Perform

Mit der Perspektive aus der Führungsetage lässt sich neben dem Kraft- offenbar vor allem ein Kopfproblem zu erkennen. "Man merkt einfach, dass wir schnell verunsichert sind, wenn wir ein Gegentor bekommen", stellte Präsident Herbert Hainer fest.
Verunsicherung. Ein Begriff, der im Wortschatz des Spielers Oliver Kahn nie existierte. Der Karlsruher trieb die Mannschaft 2001 in Hamburg mit den Worten "weiter, immer weiter" zur nicht mehr für möglich gehaltenen Meisterschaft.

Hilft den Bayern diesmal nur der Dusel?

Nun wirkte auch der 53-Jährige beinahe resigniert. "Mit so einer Ausstrahlung", sei es schwer, Deutscher Meister zu werden.
In der entscheidenden Saisonphase scheinen die Münchner ihr Bayern-Gen zu verlieren. Die traditionell gewordene Meisterfeier auf dem Marienplatz droht zu entfallen.
Es wirkt, als würde den Bayern diesmal tatsächlich nur Dusel helfen können.
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Bundesliga-Stats: Bayern schwächelt wie selten - BVB wie im Meisterjahr

Quelle: SID

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