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Bayern-Trainer Julian Nagelsmann in der Kritik: Wie Kahn und Co. ihren Wundertrainer wieder klein machen - LIGAstheniker
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Publiziert 10/10/2022 um 11:57 GMT+2 Uhr
Trotz des Punktgewinns beim Erzrivalen Borussia Dortmund (2:2) geht der FC Bayern nach dem Spitzenspiel mit einem flauen Gefühl im Magen in die nächste Bundesliga-Woche. Der LIGAstheniker nimmt die Aussagen von Oliver Kahn und Co. mit Zielrichtung Julian Nagelsmann unter die Lupe und erklärt die Gefahr des ständigen Kleinmachens des Trainers seitens der Verantwortlichen an der Säbener Straße.
Julian Nagelsmann, FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Liebe FußballfreundInnen,
Wie bewertet man ein Spitzenspiel, in dem man sehr lange Zeit an der Spitze liegt, das am Ende keine Sieger kennt und man dennoch "der gefühlte Verlierer" ist, so die allgemeine Bewertung des Spiels. Das also ist die Hausaufgabe des FC Bayern für diese Woche.
Konkreter muss man sagen: für den Vorstand des FC Bayern, der nach dem Gipfel wort- und bildreich um Fassung rang. Vor einer Woche hatte der LIGAstheniker geschrieben, wer den Clásico verliert, der hat Krise.
Jetzt spielen Dortmund und Bayern Unentschieden oder das Spiel der gefühlten Niederlage - was also jetzt? Irgendwas mit Krise
Der Spieler Kahn liebte solche Spiele…
Für mich persönlich ist das K-Wort ein saudummes Wort nach einem solchen Fußballspiel in dem zwei großartige Mannschaften den 80.000 eine zirkusreife Vorstellung geliefert haben mit einem eruptiven, orgiastischen Ende der anderen Art.
Besser war die Atmosphäre in diesem Jahr in dieser Liga noch nirgends. Im weiteren Verlauf dieser Kolumne wird auch kein K-Wort mehr kommen - versprochen! Als aktiver Spieler liebte Oliver Kahn genau solche Atmosphären wie kein Zweiter, sie waren für ihn der Netzstecker zu seiner Art, Fußball zu passionieren. Je lauter das Geschrei, je mehr gegen ihn, desto größer wuchs der "Titan" über sich hinaus.
…der Funktionär Kahn hasst sie!
Als Funktionär hasst Oliver Kahn solche Spiele, das konnten am Samstag alle sehen. Als Dortmund in der 95. Minute zum Ausgleich kam, rutschte der Bayern-CEO vom Stadionsessel, die Hände an den Schläfen, den Mund so weit aufgerissen, als wolle er den Siegtorschützen umgehend verspeisen.
Kahns Schrei, der von den Massen verschluckt wurde, hätte man gerne gehört, dann könnte man sich nun besser in die Woche des Julian Nagelsmann hineinversetzen. Wer so einen Chef hat, der braucht keine Kritiker mehr.
Altbekanntes Spiel: Herummosern am Trainer
Tags darauf hatte sich Kahn immer noch nicht beruhigt und legte auf diversen Kanälen wortreich nach. Und alles, was er monierte, hatte vor allem eine Zielrichtung: Cheftrainer Julian Nagelsmann. Man habe alles dafür getan, den Ausgleich zu bekommen; man müsse endlich in die Puschen kommen, so klang das dann.
Andere aus der Riege der Großkopferten wie Uli Hoeneß beklagten den Verlust des Bayern-Gens, Führungen im "Mia san Mia"-Stil über die Zeit zu bringen, Präsident Herbert Hainer orakelte am Ausgang des Wochenendes in einem TV-Interview, dass der FC Bayern eben ein anderes Kaliber sei als jeder andere deutsche Klub.
Wenn man soviel Binsenweisheit noch mal ins Schaufenster stellt, dann soll sie auch wahrgenommen werden. Will sagen: Die aktuelle oder ehemalige Vereinsführung schnürt Nagelsmanns Handlungs- und Bewegungsfreiheit in München gerade so eng zusammen, dass der einst gefeierte Wundermann nur noch als "Trainertalent" wahrgenommen wird - mit fatalen Folgen.
Aus Überzeugung wird Trotz
Nagelsmann, das kann man an seinen öffentlichen Auftritten sehen, ist schon jetzt nicht mehr derselbe wie noch zu Saisonbeginn. Auf die Frage eines ZDF-Reporters, ob er in dieser Woche mit weiterer Kritik rechnen müsse und diese bejahte, wirkte Nagelsmann nicht wie der Leader of the Gang, sondern wie ein Schulbub, der etwas ausgefressen hat.
Das Selbstbewusstsein, die innere Überzeugung, die er sich als Trainer in Hoffenheim und Leipzig erarbeitet hat, scheint (vorerst) weg, sein aktueller Motor ist der Trotz.
Er möchte abends in den Spiegel schauen können, so sagt es Nagelsmann. Was ein ziemlich interessantes Bild ist, wenn man genauer darüber nachdenkt, so als möchte ihn jemand bei seiner Arbeit von innen heraus korrumpieren.
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Oliver Kahn
Fotocredit: Twitter
Soll der Wundermann zurechtgestutzt werden?
Eine hochbrisante Dynamik. Je stärker sich der Vorstand aufplustert, umso kleiner wird Nagelsmann gemacht, verliert der Trainer an Statur und Status in der Mannschaft und in der Öffentlichkeit. Herbert Hainer hat gerade auch erklärt, wie oft er Nagelsmann in Kahns Büro ein- und ausgehen sehe. Noch ist er dabei von "Vulkahn" nicht verschluckt worden. Doch die schleichende Demontierung des eigenen Cheftrainers könnte begonnen haben.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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"Ärgerlich für uns": Nagelsmann analysiert Bayern-Einbruch
Quelle: Perform
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