Die Überraschung war am vergangenen Samstag groß, als Leroy Sané im Duell mit RB Leipzig (5:3) nicht auf dem Aufstellungsbogen auftauchte, anstelle des 26-Jährigen durfte Top-Talent Jamal Musiala starten.
Rückblickend der genau richtige Schachzug von Trainer Julian Nagelsmann, avancierte Musiala doch mit einem Tor und einer Vorlage zum gefeierten Mann des Spiels, ehe er in der 60. Minute nicht etwa durch Sané, sondern durch Kingsley Coman ersetzt wurde.
Nagelsmann versah Musiala mit dem Prädikat "weltklasse", im Anschluss an die Partie gerieten auch die anderen Verantwortlichen wie Sportvorstand Hasan Salihamidzic, Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer mit Blick auf die Leistung des Jung-Nationalspielers ins Schwärmen.
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Sané hingegen durfte gegen die Roten Bullen lediglich etwas mehr als zehn Minuten mitmischen, die Entscheidung seines Coaches schien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein. Neun Minuten nach seiner Einwechslung handelte sich der ehemalige ManCity-Angreifer eine Gelbe Karte wegen Meckerns ein.

Arbeitsnachweis: Gelbe Karte und sehenswertes Tor

Mit ordentlich Wut im Bauch steuerte er schließlich in der Nachspielzeit in sehenswerter Manier den erlösenden Treffer zum Endstand bei. Nach seinem Sololauf, einem technisch anspruchsvollen Haken gegen Leipzigs Hugo Novoa und Keeper Peter Gulacsi, schob Sané lässig ein. Kein großer Jubel, als sei es das Normalste überhaupt.
Es sind ebenjene Szenen, die sich die Bayern-Bosse seit Sanés Verpflichtung vor zwei Jahren häufiger wünschen, es sind ebenjene Szenen, die in den vergangenen zwei Jahren Seltenheitswert hatten. Bei allen Musiala-Elogen ging Salihamidzics Lob für Sané im Anschluss an die Partie ein wenig unter: "Genau so sieht sein Spiel gut aus, wenn er so emotional, fast frech und entschlossen auf den Platz kommt", sagte der Bosnier.
Salihamidzic schob nach: "Dass er Qualitäten wie kaum ein anderer hat, wissen wir." Nur gilt es eben, diese unbestrittenen Qualitäten auf den Platz zu bringen. Sané ist kein Lautsprecher – und dennoch dürfte er der polarisierendste Spieler des FC Bayern sein. Vor seiner dritten Saison steht er am Scheideweg.

Nagelsmann optimistisch: "Wir kriegen das hin"

Nagelsmann hat die Hoffnung auf den ultimativen Durchbruch Sanés jedenfalls noch nicht aufgegeben: "Ich will nicht so viel über Leroy sprechen, sondern mehr mit ihm", erklärte er jüngst. Er ergänzte: "Ich mag ihn unfassbar gern. Er ist ein unfassbarer Fußballer. Er hat eine schwächere Phase in der Rückrunde gehabt. Dafür rüffele ich ihn aber nicht. Wir kriegen das hin."

Sané

Fotocredit: Getty Images

Um die Kehrtwende herbeizuführen, setzt Nagelsmann einem "kicker"-Bericht zufolge auf eine Sonderbehandlung. Demnach soll Sané in Zukunft mit weniger Druck konfrontiert werden, stattdessen mehr Ruhe und Freiheiten auf dem Feld erhalten. Er selbst würde die Rolle des Heilsbringers, die ihm nach seinem Wechsel in die Isar-Metropole anhaftete, ohnehin gerne abstreifen.

Sané will keine "Glamourfigur" sein

"Es ist nicht so, dass ich als Glamourfigur gesehen werden möchte", sagte Sané zuletzt. Eine Rolle als "Superstar" im Team lehnt er ab. In einem Interview mit dem englischen Portal "The Athletic" führte er hinsichtlich seiner Ziele kürzlich aus: "Meine Motivation ist, gegen die besten Spieler der Welt zu spielen, das ist der einzige Weg, um herauszufinden, wie gut ich wirklich bin."
Sané weiter: "Ich sage niemals: 'Das war's. Eine gute Saison ist für mich genug, jetzt kann ich einfach ein bisschen spielen. Die Herausforderung ist, jemanden einmal zu besiegen, zu sehen, wie sich derjenige weiterentwickelt hat – und ihn dann ein weiteres Mal zu bezwingen. Das treibt mich zu Höchstleistungen an. Ich weiß, dass das einen gewissen Druck mit sich bringt. Aber ich mag diesen Druck."
Trotz der angesprochenen Sonderbehandlung wird der Druck in diesem Jahr einmal mehr zunehmen. Salihamidzic, der Sané bereits im Sommer vergangenen Jahres angezählt hatte, sagte: "Wir erwarten alle von ihm, dass es auf dem Platz knallt, dass er explodiert und Gas gibt."

Bierhoff: "Er sich auch selbst helfen"

Für Sané geht es nicht bloß um eine wichtige Rolle bei seinem Klub, sondern auch um seinen Status in der deutschen Nationalmannschaft. Im Winter steht die WM in Katar an, in der vergangenen Länderspielpause im Juni vermochte er – ähnlich wie in der Bundesliga-Rückrunde – nicht zu überzeugen. "Es ist keine leichte Situation für ihn. Wir helfen ihm, aber er muss sich natürlich auch selbst helfen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. "Am Ende musst dich als Spieler da rauskämpfen."
Sané wird es trotz der großen Konkurrenz um Star-Neuzugang Sadio Mané, Serge Gnabry, Thomas Müller, Coman und Musiala versuchen. "In einem Verein dieser Größe ist das normal, das ist immer so. Man kann sich nie ausruhen und sagen: 'Niemand kann mir etwas anhaben'", sagt er bezüglich seiner Nebenbuhler. Ob der Knoten endlich platzt?
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