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FC Bayern München und Katar: CEO Oliver Kahn lässt sich auf gefährliches Spiel ein - ein Kommentar
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Publiziert 17/10/2022 um 12:22 GMT+2 Uhr
Die Katar-Frage beschäftigt den FC Bayern München weiterhin. Die Diskussionen um das umstrittene Sponsoring aus dem Wüstenstaat, das immer wieder für Kritik sorgt, wurden auch nicht auf der Jahreshauptversammlung des FCB hinreichend geklärt. Der LIGAstheniker glaubt, dass sich Vorstandschef Oliver Kahn auf ein gefährliches Spiel einlässt. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Oliver Kahn vertröstete auf eine Lösung nach der WM in Katar
Fotocredit: Getty Images
Liebe FußballfreundInnen,
wer sich die diesjährige Jahreshauptversammlung des FC Bayern über Stunden angetan hat, der konnte nur in einigen wenigen Momenten erahnen, dass die Bayern ein deutscher Bundesligaklub mit deutschen Problemen sind und kein "kickender Konzern", wie es der wiedergewählte Präsident Herbert Hainer so schön plastisch formulierte.
Also die Bayern werden das niemals sein, so musste man Hainer verstehen.
Dann aber ging es in der Versammlung um fast nichts anderes als um die Großthemen der kickenden Konzerne. Es ging ums Geld.
Der FC Bayern und das liebe Geld
Dabei beherrschen die Bayern eine Rhetorik, die selbst größte Widersprüche einzuhegen im Stande ist.
Minutenlang wird aufgezählt, wie großartig der Klub finanziell dastehe, kein anderer der ausländischen kickenden Konzerne - von Juventus bis Barcelona - stehe auf derart gesunden Füßen, wirtschafte so genial vernünftig und könne Umsatz, Gewinn und Eigenkapitalquote trotz all der Krisenszenarien von Corona bis Energie so steigern wie diese Bayern.
Und gleichzeitig geht es doch immer nur darum, dass man sich im Sinne des Financial Fair Play von den Verbänden und der europäischen Konkurrenz über den Tisch gezogen fühle. In weiten Teilen hörte sich der FC Bayern bei dieser JHV wie ein verzogenes Kind an, das immer noch mehr Lutscher haben will.
Warum ist die Katar-Frage noch nicht entschieden?
Was der FC Bayern tatsächlich unter Finanzfairness im Fußball versteht, wird an der Katar-Frage, die einen Keil in den Klub getrieben hat, deutlich.
Eine kritische Masse der Anhänger lehnt eine Verlängerung des Sponsorenvertrages mit Qatar Airways kategorisch, lautstark und mit Spruchbändern im Stadion ab. Nach den tumultartigen Vorkommnissen bei der JHV im letzten Jahr hatte die Bayern-Führung ihre Taktik in der Sache diesmal umgestellt.
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Die Südkurve brachte ihre Kritik bereits häufig zum Ausdruck
Fotocredit: Getty Images
Präsident Hainer gab sich selbstkritisch und kleinlaut, Kahn suggerierte den Fans, dass man ihre Kritik ernst nehmen und in die Auseinandersetzung mit diesem Problem miteinbeziehen werde. Der Diplomat Kahn sprach davon, man werde "alles abwägen" und eine Lösung finden.
Tatsächlich hatten Kahn & Co. genau dafür ein Jahr lang Zeit. Ein Jahr, in dem offenbar keine Meinungsbildung stattgefunden hat. Das wirkt - mit Verlaub - wenig glaubhaft. Es wäre auch nicht professionell.
Kahns Kalkül
Das lässt wiederum nur einen Gegenschluss zu: Die Bayern sind offenbar fest entschlossen, den Vertrag mit Katar zu verlängern. Anders lässt sich auch die Geld-fokussierte Tonalität der Jahreshauptversammlung in diesem Jahr gar nicht lesen. Sie brauchen das Geld!
Nur: Hätte Kahn das seinen Mitgliedern während der Versammlung kommuniziert, hätte es keine Bombendrohung gebraucht, um einen Abbruch der Veranstaltung zu provozieren. Die Vermutung liegt nahe, dass die Bayern nur auf den für sie richtigen Moment warten, diese hochpolitische und so sensible Vertragsformalie unter das Fanvolk zu streuen.
Wird im kommenden Monat die WM gespielt in Katar, sollte das deutsche Team auch noch erfolgreich abschneiden und so etwas wie eine Euphorie erzeugen können, untermalt von den Bildern der touristischen Hochglanzästhetik des Landes, die zu uns flimmern werden, dann wird sich wohl niemand mehr darüber aufregen, was die Bayern damit geschäftlich zu schaffen haben. Ist das Kahns Kalkül?
Verbrennt sich Kahn die Finger?
Wenn ja, ein gefährliches Kalkül von Placebo-Kahn, der in Wahrheit nur so tut, als würde er die Mitglieder des Vereins ernst nehmen, während er längst seine eigene Agenda verfolgt.
Noch ist es nicht so weit, aber sollte es so kommen, könnte dem Klub eine Zerreißprobe ins Haus stehen, die auch der Bayern-CEO nicht unbeschadet überstehen dürfte. Dann spätestens kann jeder selbst entscheiden, ob das aus der Zeit gefallene "Wir sind nicht Amnesty"-Gepoltere von Uli Hoeneß nicht doch der ehrlichere Umgang mit dem Problem Katar ist.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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