FC Bayern - Schludrig, pikiert, geplagt: Die großen Probleme nach dem Kracher gegen Borussia Dortmund

Der FC Bayern kassierte bei Borussia Dortmund nach zwischenzeitlicher Zwei-Tore-Führung in letzter Sekunde den Ausgleich. Die Enttäuschung aufseiten des deutschen Rekordmeisters war riesig, die Protagonisten gingen vor allem mit sich selbst hart ins Gericht. Das was blieb, war nicht bloß der Ärger über das eigene Unvermögen, die Münchner schleppten einen Sack voller Probleme mit in die Heimat.

Leon Goretzka haderte nach dem 2:2 in Dortmund

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Aus dem Signal Iduna Park berichtet Andreas Morbach
Es waren fröhliche Gesänge, die am Samstagabend um kurz nach halb zehn von den Bier- und Wurstständen vor der Dortmunder Arena in die Nacht klangen.
"Modeste, Modeste, Anthony Modeste", huldigten die BVB-Anhänger dem Mann, der die Borussia in der fünften Minute der Nachspielzeit zum 2:2 gegen die Bayern geköpft hatte. Mit seinem zweiten Treffer im Dress der Westfalen brachte der muntere Franzose den schwarz-gelben Fußballtempel in allerletzter Sekunde beinahe zum Einsturz.
Und zugleich sorgte er so dafür, dass die Münchner unter dem fast vollen Mond mit einem Sack voller Probleme Richtung Flughafen fuhren.
Ihr berühmtes Sieger-Gen ist den Bajuwaren in dieser Saison schon häufiger abhanden gekommen, das fatale Finale in Dortmund war für sie nun aber besonders schmerzhaft.

Goretzka hadert nach Remis: "Es nervt"

"Wenn die Bayern 2:0 führen, machen sie normalerweise noch das dritte, vierte und fünfte Tor – das ist heute nicht passiert“, legte Borussen-Coach Edin Terzic den Finger tief in die Münchner Wunde. Denn der eigene Chancenwucher ist ein Makel, den der Serienmeister der zurückliegenden Dekade nach der Hälfte der Vorrunde noch immer nicht abgelegt hat.
"Ja, kann schon sein, dass wir uns zu sicher waren. Aber ein 2:0 ist eine gefährliche Führung, das weiß man eigentlich. Und wir haben ja nicht gegen irgendeine Mannschaft gespielt", monierte Mittelfeldakteur Leon Goretzka.
Der frühere Schalker, der die Gäste vor der Pause zur etwas schmeichelhaften Führung geschossen hatte, konnte seinen Ärger "nicht in Worte fassen" – und sagte deshalb nur: "Es nervt."

Den Bayern droht Innenverteidiger-Problem

Torwart Manuel Neuer ging der Sache etwas näher auf den Grund, bezeichnete die Münchner Offensive als "einfach zu schludrig", "nicht zielstrebig genug im Abschluss" – und stöhnte verzweifelt auf: "Ich verstehe nicht, wie wir das herschenken konnten. Das waren ganz klare zwei verlorene Punkte." Und damit nicht genug. Denn auch aus der Defensivabteilung des FCB gab es wieder unerfreuliche Nachrichten.
Linksverteidiger Alphonso Davies, von Borussias Mega-Talent Jude Bellingham kurz vor der Pause "volle Kanne" (Bayern-Trainer Julian Nagelsmann) im Gesicht getroffen, musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden. Eine weitere Hiobsbotschaft für den Titelverteidiger – bei dem zuletzt unklar war, wie lange der Franzose Lucas Hernández in der Abwehrzentrale noch fehlen wird.
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Matthijs de Ligt vom FC Bayern

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Der Weltmeister von 2018 zog sich Mitte September beim Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich des linken Oberschenkels zu. "Es ist eine blöde Stelle, wo der Heilungsverlauf etwas dauert", vermeldete Nagelsmann vor der Dienstreise nach Dortmund – wo er dann Innenverteidiger Matthijs de Ligt nach gut einer Stunde vom Platz nahm.
Später berichtete er von leichten Problemen des Niederländers im Adduktorenbereich. De Ligts Auswechslung war also auch eine Vorsichtsmaßnahme. Denn, so Nagelsmann: "Wir haben aktuell nicht so viele Innenverteidiger. Wenn sich noch einer verletzt, habe ich keinen mehr."

Wutentbrannter Vorstandschef

Eine Entschuldigung für das Durcheinander in der Münchner Abwehr in der wilden Schlussphase wollte Oliver Kahn in den Ausfällen von Davies und de Ligt nicht sehen. Der FCB müsse das kompensieren können, betonte der Vorstandsvorsitzende der Münchner stattdessen – nachdem er im Moment von Modestes Last-Second-Ausgleich schreiend in sich zusammengesackt war und mit den Händen anschließend wutentbrannt auf das Geländer vor seinem Sitz trommelte.
Von den letzten sechs Bundesligapartien haben die Bayern nur eine gewonnen. "Wir müssen jetzt schnell in die Puschen kommen“, forderte Kahn entsprechend. Ein unmissverständlicher Aufruf an das beim Toreschießen wie beim Toreverhindern nachlässige Team und dessen Trainer – der in Dortmund auch noch mal auf die jüngsten Bemerkungen von Kahns Vorgänger Karl-Heinz Rummenigge angesprochen wurde.
Der hatte Nagelsmann in der vergangenen Woche als ein "großes Trainertalent" bezeichnet – und als einen "sehr jungen" Coach, der „natürlich auch noch seine Erfahrungen machen“ müsse. Solche und ähnliche Kommentare machten in seinen Augen momentan „auf jeden Fall zu viele“, erwähnte der 35-jährige Übungsleiter nun erkennbar pikiert. Wie er damit umzugehen gedenke? "So wie in den letzten Monaten auch", lächelte Julian Nagelsmann – und schob leicht schnippisch hinterher: "Mein Leben hat ja noch mehr Komponenten."
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"Ärgerlich für uns": Nagelsmann analysiert Bayern-Einbruch

Quelle: Perform

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