Bayer 04 Leverkusen und der FC Bayern im Vergleich: Stabile Werkself-Defensive und Münchner Ass im Ärmel
Am Samstagabend kommt es in der Bundesliga zum Gipfeltreffen zwischen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen und Verfolger FC Bayern München. Beide Teams verfügen natürlich über reichlich Qualität - in einigen Bereichen hat die Werkself die Nase vorn, doch die Gäste haben ein Ass im Ärmel. Eurosport nimmt die Mannschaftsteile der beiden Schwergewichte samt Bank und Trainer im Detail unter die Lupe.
Wirtz vs. Musiala: Das Duell der Youngster im Top-Spiel
Quelle: Perform
Showdow in der BayArena: Am Samstagabend (18:30 Uhr im Liveticker) treffen mit Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen (52 Punkte) und Verfolger FC Bayern München (50 Punkte) die beiden mit Abstand stärksten Teams der aktuellen Saison aufeinander.
Während der deutsche Rekordmeister sich eine ganze Woche lang in Ruhe auf das Gipfeltreffen vorbereiten konnte, tankten die Rheinländer am vergangenen Dienstag noch einmal reichlich Selbstvertrauen. Mit einem spektakulären 3:2 gegen den VfB Stuttgart zog Bayer ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.
Damit blieb die Werkself auch im 30. Pflichtspiel ungeschlagen, die Bayern strauchelten in dieser Spielzeit zwar schon mehrfach, hinterlegten aber vor allem in Top-Duellen ihr Sieger-Gen.
Welches Team hat die Nase vorne? Eurosport nimmt alle Mannschaftsteile, Bank sowie die beiden Trainer unter die Lupe.
Tor: Neuer sticht Hradecky aus
Lukas Hradecky spielt unbestritten eine herausragende Saison. Im Vergleich zu den Vorjahren hat der finnische Nationaltorhüter seine regelmäßigen Patzer auf ein Minimum reduziert, in 19 Spielen wahrte er neunmal eine weiße Weste (47,4 Prozent).
Noch häufiger zu Null spielte in der laufenden Saison nur einer Manuel Neuer: Der Bayern-Kapitän kam aufgrund seines Unterschenkelbruchs bis dato zwölfmal zum Einsatz, musste aber nur in sechs Partien hinter sich greifen (50 Prozent).
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/12/01/3835730.jpg)
Manuel Neuer
Fotocredit: Getty Images
Das Beeindruckende in seinem Fall ist vor allem die Art und Weise, wie er nach seiner langwierigen Verletzung zurückgekehrt ist. Neuer ist trotz des Rückschlags und trotz seiner 37 Jahre wieder der Alte, zeigte in seinen bisherigen Spielen schon die eine oder andere Ausnahmeparade. Hinter seinem Einsatz steht allerdings noch ein Fragezeichen - Neuer konnte unter der Woche aufgrund von Knieproblemen nur eingeschränkt trainieren.
Trainer Thomas Tuchel sagte am Freitag auf der Pressekonferenz: "Manuel wird heute versuchen, ins Torwarttraining einzusteigen. Er bekommt morgen Zeit bis 17:00 Uhr und er sagt entweder dass es geht, ansonsten steht Sven Ulreich im Tor."
In puncto Konstanz sticht Neuer – sollte er denn spielen – den Bayer-Schlussmann aus.
Abwehr: Münchner Abwehr-Not vs. Bayer-Riegel
Leverkusen stellt mit nur 14 Gegentreffern die beste Defensive der Liga, Bayerns Torhüter mussten den Ball 19 Mal aus dem eigenen Netz holen – fünfmal alleine im völlig entgleisten Spiel bei Eintracht Frankfurt (1:5).
Zäumt man das Pferd von außen auf, so lässt sich feststellen, dass die Werkself mit Jeremie Frimpong und Alejandro Grimaldo die derzeit hochwertigste und torgefährlichste Flügelzange Deutschlands aufzubieten hat. Grimaldo kommt wettbewerbsübergreifend auf neun (!) Tore und elf Vorlagen, Frimpong steuerte sieben Treffer und zehn Assists bei.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/10/13/3802849.jpg)
Alejandro Grimaldo schlug sofort bei Bayer 04 ein
Fotocredit: Getty Images
Bei Bayern herrscht hingegen Personalnot: Zwar kehrte Noussair Mazraoui vorzeitig vom Afrika-Cup zurück, der Marokkaner muss aber voraussichtlich fachfremd auf der linken Seite verteidigen, weil Alphonso Davies an einer Innenbandzerrung laboriert und sicher ausfällt. Da auch Rechtsverteidiger-Alternative Konrad Laimer fehlt, dürfte Neuzugang Sacha Boey erstmals von Beginn an ran.
In der Innenverteidigung musste Tuchel zuletzt immer wieder umbauen. Min-Jae Kim (Asien-Cup in Katar) und Dayot Upamecano (Faserriss) standen mehrere Wochen nicht zur Verfügung, die Vertreter Eric Dier und Matthijs de Ligt machten ihre Sache aber ordentlich.
Kim, seit Mittwoch zurück aus Katar, gilt in Leverkusen als Startelf-Kandidat, Upamecano ist mittlerweile wieder im Mannschaftstraining und somit ebenfalls eine Option.
Obwohl beim Tabellenfürher mit Odilon Kossounou ein Stamm-Innenverteidiger fehlt (Afrika-Cup), wirkt der Bayer-Riegel um Jonathan Tah, Edmond Tapsoba und Piero Hincapié eingespielter und solider.
Punkt für die Werkself.
Defensives Mittelfeld: Der Xhaka-Faktor
Bei Bayern sorgte in den vergangenen beiden Spielen Youngster Aleksandar Pavlovic mit guten Leistungen für mächtig Furore. Der Vertreter von Joshua Kimmich erzielte seine ersten beiden Bundesligatore und glänzte darüber hinaus mit einer abgeklärten Spielweise.
Ob Pavlovic in Leverkusen die nächste Chance erhält, ist aber offen. Kimmich kehrt nach überstandener Schulterverletzung in den Kader zurück und dürfte auf einen Platz in der Startelf neben Leon Goretzka schielen.
Aufseiten der Werkself wurde das geniale Duo Granit Xhaka / Exequiel Palacios aufgrund einer Muskelverletzung des Argentiniers beim 3:2 gegen RB Leipzig getrennt. Coach Alonso machte lange ein Geheimnis daraus, ob der Weltmeister im Duell mit den Bayern wieder zur Verfügung stehen werde. Am Freitag machte er die Hoffnungen der Fans auf einen Einsatz zunichte. Die Partie käme noch zu früh.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/05/3880722.jpg)
Granit Xhaka (l.) und Xabi Alonso
Fotocredit: Getty Images
Eine pünktliche Genesung wäre ein Glücksfall für Bayer gewesen. Ein anderer Glücksfall war, dass Xhaka sich im vergangenen Bundesligaspiel gegen Darmstadt nicht die fünfte Gelbe Karte eingehandelt hat. Der ehemalige Arsenal-Star ist für Alonso unverzichtbar, Dreh- und Angelpunkt im Leverkusener Spiel und einer der absoluten Erfolgsgaranten unterm Bayer-Kreuz.
X-Faktor Xhaka als zweikampfstarker Ballverteiler und Palacios als Raumdeuter auf der Acht – das wäre die Idealvorstellung gewesen. Ersatzmann Robert Andrich dürfte nach seinem Traumtor gegen Stuttgart zum zwischenzeitlichen 1:1 aber auch mit reichlich Motivation aufwarten.
Im defensiven Mittelfeld ist das Ganze eine Begegnung auf Augenhöhe.
Offensives Mittelfeld: Das Duell der Juwele
Florian Wirtz gegen Jamal Musiala – in der BayArena treffen die beiden größten Fußball-Talente Deutschlands direkt aufeinander. Zwei junge Unterschiedsspieler, die ihre Klasse schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben.
In dieser Saison musste Musiala schon mehrfach pausieren und kam vielleicht auch aus diesem Grund noch nicht an sein Leistungsmaximum. Für Wirtz fehlen hingegen aktuell die Superlative, vergangene Woche wurde der gebürtige Pulheimer mit der Medaille für das Tor des Jahres 2023 geehrt, gegen Stuttgart brachten seine beiden Traum-Vorlagen die Wende.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/07/3881320-78859328-2560-1440.jpg)
Alonso heiß auf Bayern: "Unser Kopf ist jetzt sehr stark"
Quelle: Perform
15 Tore legte Wirtz seinen Mitspielern in dieser Saison auf, kein Spieler in den europäischen Top-Fünf-Ligen verbuchte mehr Assists.
Neben Wirtz dürfte Jonas Hofmann für Bayer starten. Der Gladbacher schlug nach seinem Wechsel im Sommer sofort als Vorbereiter und Torschütze ein. Stellt man ihn Bayerns Leroy Sané gegenüber, dann hat Sané trotzdem die Nase vorn. Der Nationalspieler blickt auf seine bis dato erfolgreichste Saison im FCB-Dress zurück, neun Treffer und zwölf Assists sprechen eine deutliche Sprache.
Im offensiven Mittelfeld herrscht Gleichstand.
Sturm: Kane toppt alle
27 Spiele, 28 Tore. Bundesliga-Hinrunden-Rekord von Robert Lewandowski eingestellt. Allein die nackten Zahlen zeigen, was Kane seinem neuen Klub gibt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/08/3882185.jpg)
Harry Kane vom FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Vielmehr gilt es zum Engländer nicht zu sagen – da bei Bayer 04 Top-Stürmer Victor Boniface noch bis April ausfällt, Patrik Schick nach zwischenzeitlichem Hoch kurz vor Weihnachten aktuell nach seinem Torriecher sucht und Leverkusens Neuzugang Borja Iglesias erst noch ankommen muss, stellt sich die Frage nicht, wer im Angriff die Nase vorn hat.
Kane ist Bayerns Ass im Ärmel.
Bank: Bayers Breite beeindruckt
Sportdirektor Simon Rolfes hat in Zusammenarbeit mit Alonso im Sommer einen Top-Kader zusammengestellt – und das vor allem hinsichtlich der Breite.
Obwohl Leverkusen mit Kossounou, Boniface, Tapsoba und Amine Adli gleich vier Leistungsträger zum Afrika-Cup ziehen lassen mussten, hat das Team nur wenig Qualität eingebüßt. Bayern-Leihgabe Josip Stanisic sprang beispielsweise in die Bresche, Neuzugang Nathan Tella machte während der Abwesenheit der Kollegen mit mehreren Toren auf sich aufmerksam und Hincapié war ebenfalls eine sichere Bank.
Anders sah es bei den Bayern aus. Aufgrund von Versäumnissen im Sommer sowie enormem Verletzungspech lief Tuchels Mannschaft personell mehrfach auf der letzten Rille. Umso erstaunlicher, dass dennoch so viele Punkte bislang heraussprangen.
Im Winter-Transferfenster wurde mit Dier, Boey und Bryan Zaragoza zumindest etwas nachgebessert, in puncto Bank hat Leverkusen allerdings einen Vorteil.
Trainer: Ein verzerrtes Bild
Xabi ist der Shootingstar am Trainerhimmel – Europas Top-Klubs haben den Spanier längst ins Visier genommen.
Das hat er sich selbst erarbeitet. Bayer spielt erfrischenden, dominanten Offensiv-Fußball, lässt den Ball zirkulieren, findet selbst in engmaschigen Abwehrreihen stets Lücken. Die häufigen Last-Minute-Treffer sind kein Zufall, sie entstehen aus einem gewachsenen Selbstverständnis.
Xabis Ruhe färbt auf die Mannschaft ab. Wenn es einmal nicht so läuft, stellt er sein Team neu ein. Schon mehrfach in dieser Spielzeit kam Leverkusen wie verändert aus der Kabine, mitten im Spiel holt er regelmäßig seine Leistungsträger zu sich an die Seitenlinie.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/08/3881949.jpg)
Thomas Tuchel (l.) und Xabi Alonso
Fotocredit: Getty Images
Der 42-Jährige brüllt nicht, sondern bleibt stets nüchtern und sachlich. Das tut der Mannschaft augenscheinlich gut.
Bayern-Coach Tuchel sieht sich hingegen nicht selten mit Kritik konfrontiert. Im Gegensatz zu Xabi ist eine echte Handschrift nicht deutlich erkennbar, der Branchenprimus war häufig von den Individualisten Kane, Sané oder Musiala abhängig.
Dennoch muss man dem Übungsleiter zugutehalten, dass er seinen Jungs in den entscheidenden Spielen bei Borussia Dortmund (4:0) oder gegen Stuttgart (3:0) die richtige Marschroute mit an die Hand gegeben hat.
Der Hype um Xabi ist absolut berechtigt, Tuchel kommt aber ein ums andere Mal auch etwas zu schlecht weg.
Fazit: Alles offen
Leverkusen kommt mit dem Rückenwind aus dem Pokal und dem Ungeschlagen-Brett von 30 Spielen. Die Mannschaft wirkt extrem gefestigt und glaubt an sich.
Die Bayern sind in Schlüsselspielen normalerweise aber voll fokussiert, nicht umsonst schlägt man mit der Erfahrung von elf erfolgreichen Meisterrennen in Serie in der Farbenstadt auf.
"Am Samstag", wiederholte Tuchel mehrfach, "zählt es. Ich hätte fast gesagt: Hosen runter. Also nochmal: Karten auf den Tisch!"
Ein schönes Schlusswort.
Das könnte Dich auch interessieren: Wirtz im Bayern-Fokus: Bloß nichts überstürzen
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/02/08/3882149-78875908-2560-1440.jpg)
#SotipptderBoss: Leverkusen ringt Bayern im Topspiel nieder
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)