Borussia Dortmund: Perfekter Start ins neue Jahr kaschiert alte Probleme - wo ist die Spielidee beim BVB?
Publiziert 30/01/2024 um 17:11 GMT+1 Uhr
Neun Punkte, 10:1 Tore – Borussia Dortmund ist optimal aus der Winterpause gekommen. Ähnlich wie in der vergangenen Saison schickt sich die Mannschaft von Edin Terzic an, eine epochale Aufholjagd zu starten. Allerdings kaschieren die Erfolge der letzten Wochen die grundlegenden Probleme beim BVB: Spielerisch hinkt die Borussia hinterher. Die Champions-League-Qualifikation bleibt in Gefahr.
Donyell Malen, Marcel Sabitzer, Julian Brandt und Niclas Füllkrug von Borussia Dortmund.
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15 Punkte Abstand zum Tabellenführer, sechs Zähler Rückstand auf Platz vier, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigt - mit diesem Rückstand hatte sich Borussia Dortmund im Dezember in die Winterpause verabschiedet.
Inzwischen sind die Schwarz-Gelben auf ebenjenen vierten Platz vorgerückt, die Mannschaft mit drei Siegen aus drei Spielen schwungvoll ins Kalenderjahr 2024 gestartet.
Die Winter-Neuzugänge Ian Maatsen und Jadon Sancho scheinen sich auf den ersten Blick gut ins Team eingefügt zu haben. Die Brust beim BVB wird wieder breiter.
Und dennoch trügt das vergleichsweise einfache Januar-Programm über die Unzulänglichkeiten der Terzic-Elf hinweg. Eine spielerische Weiterentwicklung ist bislang nicht zu erkennen, ebenso wenig ein glasklarer Matchplan. Stattdessen profitieren die Dortmunder aktuell von der Schwäche der Konkurrenz - Leipzig verlor zuletzt dreimal in Folge, Stuttgart holte nur drei Punkte aus drei Partien.
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Edin Terzic
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BVB defensiv verbessert
25 Gegentore hatte sich der BVB bis zur Weihnachtspause bereits gefangen und damit mehr als doppelt so viele wie beispielsweise Tabellenführer Bayer Leverkusen (12) im selben Zeitraum. Damit stellten die Dortmunder in dieser Hinsicht die mit Abstand schlechteste Defensive der Top fünf in der Bundesliga.
Zu oft fehlte die Abstimmung zwischen defensivem Mittelfeld und Viererkette, dazu schwächten individuelle Fehler im letzten Drittel das Team.
Seit dem Re-Start läuft es in dieser Hinsicht hingegen deutlich besser. Erst ein Gegentor kassierte die Borussia in den drei bisherigen Spielen – ein Eigentor durch Nico Schlotterbeck im letzten Spiel gegen den VfL Bochum.
Ganz abstellen konnte also auch Borussia Dortmund die individuellen Fehler nicht, dennoch bekannte der Unglücksrabe selbst nach dem Sieg gegen den westfälischen Nachbarn: "Wir machen es im Verbund richtig gut."
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Nico Schlotterbeck erzielte gegen den VfL Bochum ein unglückliches Eigentor.
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Sancho und Maatsen fügen sich ein
Positiv ist: Das Wir-Gefühl stimmt wieder bei der Borussia, das Mannschaftsgefüge findet sich mehr und mehr. So haben sich die Neuzugänge Jadon Sancho und vor allem Ian Maatsen bereits gut ins Team integrieren können.
Letzterer bestritt alle drei Spiele seit seinem Wechsel vom FC Chelsea zur Borussia von Beginn an und ist mit seiner Dynamik und Zweikampfstärke ein direktes Upgrade zu Sommer-Neuzugang Ramy Bensebaini. Den Niederläner dürfte den Algerier mit seinen guten Leistungen vorerst auf die Ersatzbank verbannt haben.
Und auch Rückkehrer Sancho wird von Partie zu Partie besser. Zwei Torvorlagen hat der 23-Jährige bereits sammeln können. Gegen Bochum war bei weitem nicht jedes seiner Dribblings zielführend, dennoch ist dem Engländer sein stetig wachsendes Selbstvertrauen anzusehen.
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Jadon Sancho im Spiel gegen den VfL Bochum
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Dabei ist die Mannschaft noch nicht einmal im Vollbesitz ihrer Kräfte. Zuletzt fielen die Stammkräfte Mats Hummels, Marco Reus, Julian Brandt und Kapitän Emre Can allesamt angeschlagen aus. Mit ihrer Rückkehr sollte die personelle Stärke bei der Borussia allemal ausreichen, um eine gute Rolle im Kampf um die Champions-League-Plätze zu spielen.
BVB gegen Top-Teams gefragt
Und dennoch: Komplett überzeugend waren die Auftritte seit Jahresbeginn nicht. Gegen Gegner wie Darmstadt 98, 1. FC Köln und den VfL Bochum ist die optimale Punktausbeute für den BVB absolutes Pflichtprogramm.
Das vergleichsweise einfache Auftaktprogramm täuscht darüber hinweg, wie gut der BVB tatsächlich aus der Winterpause gekommen ist. Vor allem die erste Halbzeit bei Tabellenschlusslicht Darmstadt 98 erinnerte an die teilweise uninspirierte Borussia der ersten Saisonhälfte. Das man in der Tabelle nun schon wieder von Platz vier grüßt, ist zudem auch den verkorksten Starts der Stuttgarter und Leipziger geschuldet.
Wirklich beweisen muss Borussia Dortmund sich allerdings im direkten Vergleich gegen die Top-Mannschaften der Liga. Und da sah es in der Hinrunde nicht allzu gut aus.
Gegen den FC Bayern verlor man fast schon traditionell hoch mit 0:4, bei der 1:2-Niederlage gegen Stuttgart durfte man sich beim überragend aufgelegten Gregor Kobel bedanken, dass das Ergebnis nicht deutlicher ausfiel. Immerhin: Gegen Branchenprimus Leverkusen ermauerte man sich mit viel Fortune ein 1:1-Unentschieden, ehe man gegen den direkten Konkurrenten aus Leipzig mit 2:3 wieder den Kürzeren zog.
Füllkrug-Dreierpack täuscht über Probleme hinweg
Auch Trainer Terzic selbst weiß, dass die Mannschaft spielerisch nicht auf dem höchsten Level ist. "Wir haben kein überragendes Spiel gemacht, kein perfektes Spiel", sagte der Übungsleiter nach dem Heimsieg gegen Bochum.
Auch seine Spieler wissen um die Defizite. "Wir haben im Spielerischen noch Luft nach oben", gab beispielsweise Mittelfeld-Akteur Marcel Sabitzer zu.
Woran es hapert? Aus dem zentralen Mittelfeld fehlen die Impulse. In Abwesenheit von Can und vor allem Brandt müssen eben Sabitzer und Salih Özcan die Löcher in der Schaltzentrale stopfen, beiden mangelt es allerdings mitunter an Kreativität und Passqualität.
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BVB-Trainer Edin Terzic und Kapitän Emre Cab
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Gegen Bochum zog Terzic Linksverteidiger Maatsen in der zweiten Halbzeit mehr in die Mitte, um Sabitzer auf die Zehnerposition vorrücken lassen zu können. Ein taktischer Schachzug, der sich schon beim Auswärtsspiel in Köln bezahlt machte und gegen Bochum erneut funktionierte. Dennoch verklären die drei Tore gegen den VfL (davon zwei Strafstöße durch Niclas Füllkrug), dass ein offensives Grundkonzept einfach fehlt.
Leverkusen und Stuttgart sind Dortmund voraus
Zum Vergleich: Xabi Alonso setzt bei Leverkusen auf ein dynamisches 3-4-2-1-System, in dem hinter der klaren Sturmspitze Victor Boniface oder nun Patrik Schick gleich zwei kreative Offensivspieler das Spiel antreiben. Florian Wirtz und Jonas Hofmann sind dank Granit Xhaka und – bis zu seiner Verletzung – Exequiel Palacios zudem abgesichert durch zwei zweikampfstarke Abräumer.
Beim BVB fehlt diese klare Zuteilung. Can wurde – wie gegen Darmstadt – bisweilen auch schon mal in die Innenverteidigung beordert, Sabitzer muss mal den defensiven Part auf der Sechs, einen offensiveren Achter oder gar Zehner spielen.
Brandt kann als alleiniger Zehner hinter Stoßstürmer Füllkrug sein volles Potenzial nicht ausschöpfen. Eine feste Stamm-Elf hat sich auch aufgrund der zahlreichen krankheitsbedingten Ausfälle beim BVB nie wirklich einspielen können.
Dagegen hat sich der VfB Stuttgart unter Sebastian Hoeneß im Vergleich zu den Schwarz-Gelben taktisch weiterentwickelt. Die einrückenden Außenverteidiger sorgen für eine stabile Absicherung, das Zusammenspiel zwischen Spielmacher Enzo Millot und den Stürmern Deniz Undav und Serhou Guirassy (aktuell beim Afrika-Cup) greift ineinander. Bei RB Leipzig hat Ex-Dortmund-Coach Marco Rose das überfallartige Umschaltspiel perfektioniert - auch wenn seit dem Jahreswechsel der Schlendrian bei den Sachsen einkehrte.
Terzic fehlt die Spielidee
Kritiker weisen regelmäßig auf die fehlende Spielidee von Terzic hin, offensiv basiere vieles auf dem Prinzip Zufall. Zudem stagniert die Entwicklung bei hochveranlagten Säulen wie beispielsweise Niklas Süle oder Schlotterbeck seit ihrem Wechsel zum BVB. Süle ist in seinen Leistungen sogar deutlich abgesackt.
Die kommenden drei Gegner für Borussia Dortmund heißen Heidenheim, Freiburg und Wolfsburg. Der Chefcoach hat die Marschroute für die nächste Partie am Freitag bereits nach dem Spiel gegen Bochum vorgegeben: "Es gibt etwas Besseres als drei Siege in Folge: vier Siege in Folge."
Beim BVB wissen sie aber auch, dass alles andere als der vierte Sieg in Serie inakzeptabel ist. Der BVB kann es sich nicht mehr Leisten, gegen vermeintlich kleine Mannschaften weitere Punkte liegen zu lassen. Vielmehr müssen die Verantwortlichen aufpassen, dass die Mannschaft endlich den eigenen Ansprüchen gerecht wird.
Ohne ein funktionierendes Spielsystem dürfte das jedoch schwierig werden.
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