FC Bayern München - Mut zur Kader-Lücke: Warum die Schwäche im Team von Thomas Tuchel keine ist
Der FC Bayern München hat auf dem Transfermarkt in diesem Sommer mit Harry Kane zwar den dicksten Fisch der Bundesliga an Land gezogen, seine Ziele insgesamt aber verfehlt. Der Deal mit João Palhinha vom FC Fulham platzte am sogenannten Deadline Day, dazu wurde der Abgang von Rechtsverteidiger Benjamin Pavard nicht kompensiert. Ein Problem? Nein, die bewusste Kader-Lücke bietet sogar Chancen.
Tuchel reagiert gereizt: "Wurde 200 Mal gefragt"
Quelle: Perform
Thomas Tuchel kann durchschnaufen. Die erste Liga-Trilogie mit den Partien gegen Bremen, Augsburg und Gladbach spülte den Bayern neun Punkte aufs Konto. Die wurden zwar nicht mit Glanz und Gloria erspielt, aber der missratene Supercup-Auftritt (0:3 gegen Leipzig) ist korrigiert.
Und: Die öffentliche Debatte um Holding Six, Blamagen auf dem Transfermarkt und die Nachfolge von Benjamin Pavard dürften in der anstehenden Länderspielpause ein wenig leiser werden.
Tuchel hat nun die Möglichkeit, den Defensivverbund in Ruhe zu analysieren und eine Strategie zu entwickeln, die maximalen Ertrag verspricht. Wie sieht es zum Beispiel auf der Position des Rechtsverteidigers aus?
Im Supercup beackerte noch 2018-Weltmeister Pavard die Seite, nach dessen Abgang zu Inter Mailand kam Noussair Mazraoui in allen bisherigen Liga-Partien zum Zug.
Achillesferse rechts hinten? Müller spricht von einer Chance
Kritiker sehen hier eine Schwachstelle, zumal die Bayern mit Pavard (zu Inter Mailand) und Josip Stanisic (an Leverkusen verliehen) zwei Rechtsverteidiger verloren und auf dem Transfermarkt keinen neuen unter Vertrag genommen haben.
Alles halb so wild, findet Thomas Müller - und macht aus dem vermeintlichen Nachteil einen möglichen Vorteil. "Wir wollen ja auch immer ein bisschen Durchlässigkeit von unten, und die gibt es nur, wenn du oben eineinhalb Spots auch mal frei hast", betonte der 33-Jährige. Der Nachwuchs aus der zweiten Mannschaft müssen dann aber "auch performen", wenn die Chance komme.
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Bayern in der Bredouille: Tuchel sieht große Abwehr-Lücke
Quelle: Perform
Bislang wechselte Tuchel zweimal Konrad Laimer ein, wenn er Mazraoui vom Platz nahm. Der österreichische Neuzugang ist eigentlich in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld zu Hause, gilt mithin nicht als Dauerlösung auf rechts.
Damit dürften sich in den Planspielen des Trainers über kurz oder lang Möglichkeiten für Talente auftun. Etwa für Tarek Buchmann, eigentlich ein zentraler Verteidiger, aber auch auf rechts einsetzbar.
Die Bayern statteten den 18-Jährige im Juni mit einem Profivertrag aus. "Jetzt erhält er die Möglichkeit, bei uns den nächsten Schritt zu gehen", versicherte Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, damals.
Tuchel stellt klar: "Kimmich im Moment kein Gedankenspiel"
Bouna Sarr, der dritte Rechtsverteidiger bei den Profis, wird indes einen schweren Stand haben. Der 31-Jährige kam schon in der vergangenen Saison auf gerade mal ein Pflichtspiel - was beileibe nicht nur an seiner Knie-Operation lag.
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Joshua Kimmich - FC Bayern
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Es gäbe allerdings noch eine weitere Option neben Mazraoui, Laimer, Sarr und den Talenten aus der zweiten Reihe: Joshua Kimmich. Allerdings hält Tuchel so gar nichts davon, den Nationalspieler nach hinten rechts zu verfrachten. Das sei im "Moment kein Gedankenspiel", wiegelte der 50-Jährige zu Saisonbeginn ab.
Sollte sich trotz aller Varianten dennoch herausstellen, dass die Rechtsverteidigung zur Achillesferse des Rekordmeisters wird, haben die Bayern immer noch ihr Festgeldkonto. Man werde "im Winter nachlegen, wenn es nötig ist", kündigte Vereinspräsident Herber Hainer bei "Sport 1" an. Die finanziellen Mittel stünden bereit.
Trotz Kane-Deal: FC Bayern erwirtschaftet Transfer-Plus
Tatsächlich wird leicht übersehen, dass der FCB trotz des 100-Millionen-Euro-Transfers von Kane mit einem Plus aus dem Sommertransferfenster gekommen ist. Gesamtausgaben von 155 Millionen stehen Einnahmen von gut 173 Millionen gegenüber, was in erster Linie an den Wechseln von Lucas Hernández (45 Mio.), Ryan Gravenberch (40 Mio.), Sadio Mané (30 Mio.), Pavard (30 Mio.) und Marcel Sabitzer (19 Mio.) liegt.
Das gibt den Münchnern ausreichend Spielraum, um im Winter - bei Bedarf - das leidige Holding-Six-Kapitel zu schließen. Dieser spezielle Sechser, der sich nahezu ausschließlich auf defensive Aufgaben fokussiert und vor allem in der Konterabsicherung wichtig wird, fehlt im Kader.
"Das ist die Wahrheit", stellte Matthijs de Ligt klar. "Wenn du eine Holding Six hast, ist das schön. Wenn nicht, musst du mit anderen Spielertypen agieren. Das ist auch gut."
Nix Holding Six: Tuchel soll "kreativer" werden
Tuchel wiederum hatte sehr direkt den Wunsch geäußert, einen solchen Spieler zu verpflichten. João Palhinha vom FC Fulham hätte dem Anforderungsprofil entsprochen, der Deal ging aber bekanntlich in die Binsen, obwohl der Portugiese schon in die bayrische Landeshauptstadt gejettet war.
Bedeutet: Auch auf der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld muss Tuchel ein paar Gedankenexperimente anstellen. Wer spielt neben Kimmich, der mit seiner offensiven Prägung keine Holding Six verkörpert? An Kandidaten mangelt es nicht. Leon Goretzka käme natürlich weiterhin infrage, Laimer ebenso, theoretisch wäre auch de Ligt eine Option. Raphaël Guerreiro von links in die Mitte ziehen? Warum nicht! Auf dieser Position hat der Portugiese viele gute Spiele für Borussia Dortmund absolviert.
Darüber hinaus hält Tuchel auf der Sechs große Stücke auf U23-Spieler Aleksandar Pavlovic. "Alex ist bei uns dabei und macht es sehr, sehr gut. Wir werden regelmäßig die Jungs von unten dazuholen", führte der Coach nach dem 3:1-Erfolg am 2. Spieltag gegen den FC Augsburg aus.
Geht es nach Dreesen, dann hat der Klub einen "erstklassig" besetzten Kader. Nun sei der Trainer gefordert, unterstrich Dressen und gab Tuchel den schulmeisterlichen Rat mit, "kreativer zu werden", denn das sei schließlich sein Job.
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Quelle: Eurosport
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